Verlängerung der Bauzeit mit erheblichen Kosten

Kaiserlei als Doppel-Kreuzung: Es staut sich ein weiteres Jahr

Aus der Drohnen-Perspektive sieht der Betrachter die umfangreichen Bauarbeiten, die sich allerdings erheblich verzögert haben.
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Aus der Drohnen-Perspektive sieht der Betrachter die umfangreichen Bauarbeiten, die sich allerdings erheblich verzögert haben.

Es ist die nächste Hiobsbotschaft aus dem Rathaus: Der Umbau des Kaiserlei-Kreisels in eine Doppel-Kreuzung dauert etwa zwölf Monate länger. Als aktuelles Datum der Fertigstellung wird nun Herbst 2021 genannt. Und es wird wohl deutlich teurer.

Offenbach – Mit „seriösen Zahlen“ können die Verantwortlichen nicht aufwarten. Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß räumt auf Nachfrage einen Millionenbetrag ein, „hoffentlich nicht zweistellig.“ Dass die beiden Brückenbauwerke erfolgreich fertiggestellt sind, rückt da beinahe in den Hintergrund.

Wieso, weshalb, warum?

Wieso, weshalb, warum? Für Berufspendler, die täglich die Großbaustelle im Kaiserlei passieren, drängen sich diese Fragen auf. Die Antworten sind vielschichtig, aber letztlich nachvollziehbar. So hatten etwa die Tiefbauer mit einigen Unwägbarkeiten zu kämpfen. So fanden sie im ehemaligen Kreisel teils mehrere Asphaltschichten vor, die – ebenso wie der Boden – unter anderem mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet waren, was eine spezielle Entsorgung nötig machte.

Weiterer Grund für die „Bauzeitverlängerung“: Versorger meldeten nachträglich zusätzliche Trassen und Kabelmengen an – beispielsweise eine 110-kV-Stromtrasse, die allein aus 48 Leerrohren besteht. „Drei Meter tief, dreieinhalb Meter breit; das muss erst mal eingeplant und gebaut werden“, erklärt Sigrid Pietzsch, stellvertretende Leiterin des Bau- und Planungsamtes.

Kaiserlei: Verlängerung der Bauzeit

Aber nicht allein neue Leitungen sorgten für Verzögerungen: Der Bestand musste aufwändig gesichert werden – teils war eine Verdichtung mit sogenanntem Flüssigboden erforderlich. Und unter der Strahlenbergerstraße waren die Firmen auf eine 350 Meter lange, nicht mehr genutzte, dafür asbesthaltige Dampfleitung gestoßen. Allein die Suche nach Eigentümer und einer qualifizierten Spezialfirma hat viel Zeit gekostet.

Für den Ausbau der Leitung wird jeweils ein kurzes Stück mit einer mit Folie abgedichteten Holzkonstruktion überbaut. Fachleute in Schutzanzügen sägen dann die so geschützten Teile der Leitung aus und transportieren sie ab, bevor sie den Überbau auf den nächsten Leitungsabschnitt umsetzen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gehen die Arbeiten inzwischen schneller voran.

Zeitlicher Überblick: Die Bauabschnitte 3b (lila) bis 5 (magenta) stehen noch aus.

Auch die Sicherung der Baustelle und die Verkehrsführung mit rot-weißen Zäunen und Leitbaken hat viel Geld und Zeit gekostet. Wie das? Fußgänger und Radfahrer suchen oft den kürzesten Weg, räumen auch schon mal Absperrungen beiseite und lassen den Durchschlupf offen – was naturgemäß weitere Menschen auf die Baustelle führt, die dort nichts zu suchen haben. Wenig besser verhalten sich Kraftfahrer, die ihre Laster trotz Durchfahrtbeschränkung (3,80 Meter) durch den Kaiserlei lenken. Ungeachtet von „Klingelbalken“ stoppen ihre Gefährte erst, wenn sie Kontakt mit den mechanischen Sperren hatten. Zusätzlich wurde ein Sicherheitsposten an Ort und Stelle postiert, der – während auf den Bauwerken gearbeitet wurde – zu hohe Lastwagen aus der Baustelle lotste. Das einzige Positive daran: In etwa vier Wochen sind die so geschützten Gerüste und Schalungen an den beiden Brücken entfernt...

Offenbach: Kampfmittelsondierung drückt aufs Zeit- und Geldkonto

Aufs Zeit- und Geldkonto drückte auch die Kampfmittelsondierung. Bei der vorgeschriebenen Suche entdeckten die Experten viele „Störpunkte“, metallhaltige Auffälligkeiten, die sich meist als Schrott oder Reste vom Autobahnbau in den 60er und dem S-Bahn-Bau in den 90er Jahren entpuppten. Am Ende sind’s ein paar (Stab-) Brandbomben, die fachgerecht zu entsorgen waren.

Das alles summiert sich auf ein gutes Jahr und einen Millionenbetrag. Der Generalunternehmer dokumentiert zunächst alle Leistungsänderungen oder Behinderungen wie Unfälle mit Lastwagen in der mechanischen Sperre. „Die Mehrkosten werden jedoch erst mit deutlicher Verzögerung beziffert. Diese Nachträge werden zunächst von Experten geprüft, wenn möglich zurückgewiesen oder nachverhandelt“, so Paul-Gerhard Weiß.

VON MARTIN KUHN

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