Studie

Keim-Alarm im Main: Großes Risiko beim Baden

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Das Baden im Main (hier Offenbach) bringt ein großes Risiko mit sich. Denn im Wasser befinden sich viele Keime.

Keim-Alarm im Main: Ein Studie hat ein großes Risiko beim Baden ausgemacht.

Offenbach – Man sieht sie in diesem heißen Sommer am Mainufer und anderen Flüssen: Familien und Gruppen junger Erwachsener erfrischen sich in den Wellen. Doch der coole Sommerspaß ist riskant: Jetzt hat eine Untersuchung im Auftrag des Hessischen Rundfunks (hr) multiresistente Keime im Main nachgewiesen. Erkranken die Badenden, droht ihnen eine nur schwer oder sogar nicht behandelbare Infektion. Auch die Gersprenz bei Dieburg ist betroffen.

Die Untersuchung zeigt in alarmierender Weise, dass die in Humanmedizin und Tiermast in riesiger Menge eingesetzten Antibiotika dazu führen, dass resistente Erreger entstehen, die über die Abwässer in weite Bereiche der Umwelt vordringen. Außer multiresistenten Keimen fand man Erreger, die sogar gegen Reserve-Antibiotika resistent sind.

Keim-Alarm im Main: Viele Erreger sind resistent

Für die Untersuchung des hr wurden Ende Mai insgesamt elf Proben in hessischen Gewässern entnommen, unter anderem in der Nidda, der Lahn, dem Main, der Fulda, der Gersprenz, der Alten Wehre in Eschwege und im Diemelsee. Besonders belastet waren die Lahn bei Marburg und die Alte Wehre bei Eschwege.

Alle Entnahmestellen lagen in der Nähe von Krankenhäusern, Kläranlagen oder Tiermastbetrieben. In fünf Proben wurden Erreger gefunden, die gegen drei Antibiotika-Wirkstoffklassen resistent sind, in zwei Proben sogar Resistenzen gegen vier Wirkstoffklassen.

Gefahr multiresistenter Keime ist groß

Außerdem wurden in Main, Gersprenz, Lahn, Alten Wehre und Fulda Erreger nachgewiesen, die eine Resistenz gegen die Reserve-Antibiotika Imipenem, Colistin und Methicillin zeigten. Diese Wirkstoffe werden von Medizinern als letztes Mittel eingesetzt, wenn andere Antibiotika nicht mehr helfen.

Der Leiter der Untersuchung, Professor Dr. Thomas Schwartz vom Karlsruher Institut für Technologie, unterstreicht die Gefahr multiresistenter Keime: „Wenn Menschen sich damit besiedeln, und es kommt zu einer Krankheit, dann ist diese nur sehr schwer therapierbar.“

Experten fordern: Antibiotika reduzieren

Die Auswertung erfolgte durch die Abteilung für Mikro- und Molekularbiologie im Institut für Funktionelle Grenzflächen des Karlsruher Instituts für Technologie.

Wie groß die konkrete Gesundheitsgefahr durch resistente Bakterien in den Gewässern sei, kann derzeit wissenschaftlich nicht beantwortet werden. Die Untersuchung zeigt aber, wie stark verbreitet diese Bakterien in der Umwelt bereits sind. Experten fordern daher, die Menge der eingesetzten Antibiotika zu reduzieren.  (mic)

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