Endlich eine Dauerausstellung

Im Klingspormuseum wird unter Hochdruck an der Wiedereröffnung gearbeitet

Sind guter Dinge für die Eröffnung am 10. November: Museumsleiter Stefan Soltek und Ausstellungs-Koordinatorin Monika Jäger.

Das Treppenhaus ist mit einem Gerüst zugebaut, die Flure mit Malerflies ausgelegt: Dass große Veränderungen im Klingspormuseum anstehen, ist aller Orten sichtbar. 

Offenbach – Noch müssen Handwerker und Museumsmitarbeiter im ganzen Haus Hand anlegen, damit bis Sonntag, 10. November, auch alles fertig ist. Dann nämlich öffnet die erste Dauerausstellung des Hauses, ein lang gehegter Wunsch von Museumsleiter Stefan Soltek.

Seit Freitag vergangener Woche ist das Haus für die Umgestaltung geschlossen. „Der Zeitplan ist zwar knapp, aber wir werden es schaffen“, sagt Monika Jäger, die die neue, dauerhafte Schau koordiniert. Im Erdgeschoss ist ein Raum schon weitgehend fertig gestaltet: Eine Wand ziert ein großes Foto, das den Besuchern einen Blick in die Werkstatt des Namensgebers Karl Klingspor gewährt. „In diesem Raum stellen wir die Geschichte der Schriftgießerei und die Entwicklung der Schrift allgemein vor“, sagt Jäger.

Eine Besonderheit sind die tischhohen Vitrinen der neuen Schau. Die Besucher sollen auf Stühlen Platz nehmen und so bequem und in Ruhe die ausgestellten Exponate betrachten. „Außerdem gibt es in jedem Raum Mitmach-Stationen“, sagt Jäger. So darf etwa mit einer Gänsefeder oder einem Bambusrohr geschrieben werden, auch an Druck und Stempelung dürfen sich die Besucher versuchen. „Wenn es hier um Schrift geht, muss man als Besucher auch schreiben dürfen“, sagt Soltek.

Künstlerin Corinna Krebber ist für das Zeichnen der roten Linie zuständig, die durch die Dauerausstellung führt. FotoS: Sommer

Im ersten Stock steht die Medienstation, an der die Besucher über einen Touchscreen Exponate, etwa Picassos „Le chant de mort“ oder Henry van der Veldes Jugendstilillustrationen zu Nietzsches „Zarathustra“, virtuell betrachten können. „In einer Vitrine sieht man sonst nur eine Seite eines Buchs, so werden alle Seiten filmisch durchgeblättert“, sagt Jäger. Der Station ist ein Drucker beigestellt: Hier können die Besucher ihre eigene Erinnerungspostkarte an ihren Museumsbesuch gestalten und diese auch gleich ausdrucken.

Die Medienstation ist eine Leihgabe der Firmen Infotronic und Orange Medien: Eigentlich wollte das Museum durch einen Spendenaufruf genug Geld sammeln, um die Station selbst zu erwerben. Allerdings reichen die nach knapp einem Jahr gesammelten 10 000 Euro dafür nicht aus. „Wir haben daher einen Antrag beim Land für den Erwerb gestellt“, sagt Soltek. Er sei guten Mutes, dass das Land das nötige Geld im Laufe des kommenden Jahres freigebe. „Die Medienstation ist auf jeden Fall das ganze Jahr 2020 hier im Haus“, sagt Soltek.

Damit die Besucher auch durch die im ganzen Haus verteilte Schau finden, wird ihnen eine rote Linie den Weg weisen. Die Künstlerin Corinna Krebber ist für diese zuständig und zeichnet Meter für Meter rote Linien an die Wände.

Einige Ausstellungsstücke wie der Klingspor-Holzschrank, ein Geschenk der Gießereibelegschaft an ihren Gründer, waren über Jahre nicht öffentlich gezeigt worden und können nun ausgestellt werden. Da aber gerade Künstlerbücher äußerst lichtempfindlich sind, werden diese für die Dauerausstellung regelmäßig ausgewechselt. „Unser Bestand ist aber groß, daher gibt es immer etwas Neues zu entdecken“, sagt Jäger.
VON FRANK SOMMER

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