Auf der Suche nach Alternativen

Offenbach peilt deutlich früheren Ausstieg aus der Kohle an

Was kommt nach der Kohle? Laut EVO ist noch nichts entschieden. Als Kraftwerksstandort wird das Areal an der Andréstraße aber erhalten bleiben. Die Umstellung dürfte ein finanzieller Kraftakt werden, den letztlich auch die Stadtwerke als EVO-Anteilseigner zu stemmen haben. 
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Was kommt nach der Kohle? Laut EVO ist noch nichts entschieden. Als Kraftwerksstandort wird das Areal an der Andréstraße aber erhalten bleiben. Die Umstellung dürfte ein finanzieller Kraftakt werden, den letztlich auch die Stadtwerke als EVO-Anteilseigner zu stemmen haben. 

Der heiß diskutierte Ausstieg der Republik aus der Kohle wird in den nächsten Jahren auch auf lokaler Ebene zum Thema werden. Es geht um die Frage, wann die Energieversorgung Offenbach (EVO) ihr 1986 errichtetes Kohlekraftwerk in der Andréstraße abschaltet. 

  • EVO in Offenbach plant den Ausstieg aus der Kohle.
  • Es geht um die Frage, wann das Kohlekraftwerk abgeschaltet werden soll.
  • Doch was sind die Alternativen?

Offenbach – Der regionale Energieversorger hält sich derzeit noch bedeckt: „Wir denken seit einigen Jahren über die Zeit nach der Kohle nach“, formuliert EVO-Pressesprecher Harald Hofmann. Angepeilt sei, bis zum Ende dieser Dekade, also deutlich vor dem bundesweit vereinbarten Ausstieg bis 2038, das Kraftwerk am Nordring durch eine „ökonomisch und ökologisch sinnvolle Alternative“ zu ersetzen. Weil in Deutschland mittlerweile ein klarer Konsens zum Ausstieg bestehe, habe die EVO ja massiv auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien gesetzt und unter anderem 39 Windkraftanlagen und ein Pelletwerk errichtet. 

Offenbach: EVO plant Ausstieg aus Kohle - klimapolitisch beste Alternative

Eindeutiges Ziel sei, so Hofmann weiter, die CO2-Emissionen in Stadt und Kreis erheblich zu verringern. Ob dies durch den Umstieg auf Gas oder in anderer Form passiert, lässt der EVO-Sprecher offen. „Hier haben wir uns keine Denkverbote gesetzt. Wir werden uns für die beste Lösung entscheiden. Allerdings hat auch die Bundesregierung noch keine klaren Vorgaben für die Zeit nach der Kohle gesetzt.“

Im Übrigen dürfe kein Zweifel darüber bestehen, dass Offenbach als Standort ein hochmodernes Kraftwerkes für die Versorgungssicherheit der Bürger in der Region unverzichtbar sei. „Die Wärmeversorgung eines wesentlichen Teils des Immobilienbestandes in den vier Kommunen Offenbach, Dietzenbach, Gravenbruch und Heusenstamm ist nur mit einer größeren, zentralen Erzeugungsanlage möglich“, so Hofmann. Eine solche Anlage sei auch klimapolitisch die beste Alternative zur Einzelfeuerung in den Haushalten, die ökologisch weit weniger sinnvoll wäre. 

Offenbach: EVO-Sprecher über Ausstieg aus Kohle

Der EVO-Sprecher hebt zudem hervor, dass man die CO2-Emissionen des Heizkraftwerks durch ständige Optimierungen habe verbessern können. Die Anlage, in der rund 50 Mitarbeiter beschäftigt sind, laufe zudem nur noch im Winter und in der Übergangsjahreszeit. Dadurch konnte laut Hofmann der dortige Einsatz von Steinkohle seit 2000 um 19 Prozent – aktuell noch nahezu 100. 000 Tonnen – im Jahr reduziert werden.

Das Heizkraftwerk an der Andréstraße, für das seinerzeit der damalige hessische Umweltminister Joschka Fischer von den Grünen den Grundstein legte, gilt als hocheffizient. Harald Hofmann erläutert: Dank der Kraftwärmekopplung könne die Anlage 85 Prozent der Energie nutzen, die in der Kohle stecke. Andere Heizkraftwerke kämen nur auf einen Nutzungsgrad von 45 bis 50 Prozent. 

EVO in Offenbach: Ausstieg aus Kohle soll früher erfolgen

Diese Vorteile dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die Stadt ein starkes Interesse am Betriebsende des Heizkraftwerks hat. Die Verwendung von Steinkohle beeinflusst nämlich die Emission von Kohlendioxid, zu deren Reduzierung sich Offenbach als Mitglied des Klimabündnisses verpflichtet hat. Der städtische Ruf nach dem Einsatz von Holzpellets, der noch 2018 zu vernehmen war, ist indes leiser geworden. Es gebe keinen Dissens und man befinde sich in guten Gesprächen, heißt es seitens der Stadt.

Die relative Ruhe dürfte auch dem Umstand geschuldet sein, dass der Kohleausstieg der EVO eine finanzielle Dimension haben wird, über die derzeit wohl niemand laut nachdenken möchte. So gibt denn Harald Hofmann auch zu Protokoll: „Über die Größenordnung der Investition lässt sich nichts Verbindliches sagen, weil wir uns noch nicht auf die technische Lösung festgelegt haben.“ Insider gehen davon aus, dass für die Umstellung ein dreistelliger Millionenbetrag erforderlich sein dürfte – zu stemmen von den EVO-Anteilseignern, der Mannheimer MVV Energie AG und der Stadtwerke Offenbach Holding, die eigentlich auf jährliche Millionen-Ausschüttungen der EVO angewiesen ist.

VON MATTHIAS DAHMER 

Die Anwohner im Nordend in Offenbach hatten sich über den Staub aus dem Kohlelager der EVO geärgert.*

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