Interview mit Verbandsprecherin

Kinderärztin im Gespräch: Der Mangel an Kinderärzten ist ein Systemfehler

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Einschränkungen wegen des Kinderarzt-Mangels befürchtet die hessische BVKJ-Sprecherin Barbara Mühlfeld.

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Hessen sagt: Der Kinderärztemangel ist ein Systemfehler -  eigentlich gibt es genug Mediziner. Ein Gespräch mit Barbara Mühlfeld. 

Offenbach – Barbara Mühlfeld ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin in Bad Homburg und Pressesprecherin des Landesverbands Hessen des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).Sie kritisiert eine veraltete Bedarfsplanung und fordert Investitionen in weitere Kinderarztsitze und in die Ausbildung.

Gibt es eine Unterversorgung an Kinderärzten in Hessen?

Gemäß der mittlerweile hoffnungslos veralteten, aber noch angewendeten Bedarfsplanung ist das Rhein-Main-Gebiet über- und Hessen insgesamt ausreichend versorgt. Die tatsächliche Realität bilden diese Zahlen jedoch nicht ab, es besteht ein objektivierbarer Mangel, der dazu führt, dass neu zugezogene Eltern Mühe haben, einigermaßen wohnortnah einen Kinder- und Jugendarzt zu finden.

Tritt das Problem eher in Ballungsräumen oder in ländlichen Gebieten auf?

Dies gilt zum Teil für ländliche Gebiete verschärft, ist aber nicht auf sie beschränkt.

Was ist der Grund dafür, dass es zu wenig Kinderärzte beziehungsweise Praxen gibt?

Es gibt generell eine Niederlassungssperre über die ermittelten Bedarfe hinaus; in ländlichen Gebieten haben abgabewillige Kolleginnen und Kollegen Mühe, Nachfolger zu finden. So wurde vor drei Jahren in Herborn eine Kinder- und Jugendarztpraxis geschlossen, als der Kollege das Rentenalter erreicht hatte.

Was sind die größten Probleme im Zusammenhang mit dem Thema Kinderärzte-Mangel?

Vorsorgen und die mit ihnen verbundene rechtzeitige Diagnose und adäquate Therapie verschiedenster Störungen und Krankheiten im Hinblick auf eine möglichst gute Langzeitprognose können Kinder- und Jugendärzte aufgrund ihrer Spezialisierung am besten und Ressourcen schonend durchführen beziehungsweise in die Wege leiten. Wo sie fehlen, werden Krankheiten unter Umständen zu spät erkannt oder es kommt zu einer Überdiagnostik aus Unsicherheit und dem Bedürfnis, nichts zu versäumen. Aber auch Überdiagnostik kann Patienten, Eltern und natürlich unsere Ressourcen sehr belasten.

Was fordert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, um den Mangel zu beheben?

Wir fordern kurzfristig die Einrichtung weiterer Kassenarztsitze für Kinder- und Jugendärzte, die selbstverständlich gegenfinanziert sein müssen, also nicht zu Lasten der derzeit tätigen Ärztinnen und Ärzten gehen darf. Darüber hinaus jedoch ist eine mittel- und langfristige Investition in die Aus- und Weiterbildung von Kinder- und Jugendärztinnen nötig, um den zu erwartenden Bedarf zu decken. Anstrengungen sind sowohl für das Medizinstudium als auch für die Weiterbildung junger Kolleginnen und Kollegen im ambulanten pädiatrischen Bereich nötig.

Das Gespräch führte Niels Britsch

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