Kommen und Gehen

Für Vielfalt und Zusammenhalt: Lange Nacht der Volkshochschule

In die Grüne Soße gehören sieben frische Kräuter. Die entscheidende Frage: Welche sind das überhaupt?

Ein Kommen und Gehen herrschte im Haus der 100-jährigen Volkshochschule Offenbach „zur langen Nacht“. Die Besucher erlebten die Bildungsstätte in ihrer ganzen Lebendigkeit und Vielfalt und verbrachten einen Abend, der deutliche Zeichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt setzte.

Offenbach – Das ganze Haus wird bespielt zum Hundertsten, und viele neugierige Besucher kommen zum Feiern herbei. Darüber hinaus haben Sportler, Künstler und weitere Kreativschaffende zusammen mit Lehrenden der Vhs, ehrenamtlich in der Stadtgesellschaft Tätigen und Projektgestaltern zur „Langen Nacht der Volkshochschule“ eine Verabredung.

„Die Vhs, die ist für alle da, und dieser Ort ist einfach wunderbar…“ stimmen Sabine Fischmann, Markus Neumeyer und Mitarbeiter der 100-jährigen Institution im Herzen Offenbachs zur Freude des Publikums in einer kabarettistischen Rück- und Gegenwartsschau ein Loblied auf die Bildungseinrichtung an. Danach wird auf fünf Stockwerken ein Wechsel von unterhaltsamen und informativen Programmpunkten geboten. Gleich in zwei von Kai Seibel moderierten Talkrunden stellen sich die OFC-Spieler Richard Weil, Lucas Albrecht, Luigi Campagna und Luka Garic durchaus kritischen Fragen von Fußballfans nicht nur momentanen sportlichen Situation der Profimannschaft, sondern auch zu den Stichworten Wissen, Sprache und Verständigung, Integration, Leistungsbereitschaft und Teamgeist. Danach bestreiten sie am Tischkicker einige Matches, denen sich selbst Offenbachs Oberbürgermeister nicht entziehen kann.

„Am Flipper bin ich besser“, schränkt Felix Schwenke unter Hinweis auf seine vor geraumer Zeit erbrachte Punktezahl am legendären „Tommy“-Gerät ein, den das Haus der Stadtgeschichte nur zu besonderen Anlässen aus dem Depot holt. Reichlich Spiel und Spaß lässt sich während der langen Vhs-Nacht erleben, denn in einem der Themenräume hat das Flipper-und Arcademuseum Seligenstadt mehrere Geräte aufgebaut, die stets belagert sind. Zudem kann in virtuelle Welten eingetaucht und Technik neu erlebt werden.

Kinder bekommen an Mitmachstationen der Jugendkunstschule Gelegenheit zum Malen, Zeichnen und Gestalten, und mancher Erwachsener hat Spaß an Clownerei und Maskerade. In einem Kurzkursus lässt sich auf Initiative des Musikhauses André nach fünf Minuten des Übens ein Ukulele-Song begleiten. In entspannter Atmosphäre unterhält unterdessen Frank Spannaus in der Pianobar seine Gäste, denen sich zu späterer Stunde bei Cocktails und Häppchen ein Skylineblick erschließt, der Ruhemomente beschert.

„Wer kennt die sieben Kräuter für die Grie Soß?“ möchte Food-Bloggerin Katrin Köster in Erfahrung bringen und testet das Wissen von Genussmenschen, die Kerbel, Borretsch und Co. ertasten, riechen und schmecken dürfen. „Sie können gern ihr persönliches Rezept der Zubereitung des Frankfurter Nationalgerichts hinterlassen“, ermuntert sie, das auf bereitliegenden Papptellern schriftlich festzuhalten. Manchem Besucher liefert an diesem Abend ein Wissensquiz über die 100-jährige Vhs-Geschichte, das um Fragen zur Weltgeschichte angereichert ist, manchen Erkenntnisgewinn.

„Welcher Engagement-Typ sind Sie?“ wollen Freiwilligenzentrum und Offenbachs Ehrenamtsbeauftragter Manuel Dieter in Erfahrung bringen und bürgerschaftliches Interesse wecken. Im Raum nebenan legt Helmut Schwoll interessierten Besuchern den Simulationsanzug „Gert“ an. „Er macht die typischen Einschränkungen älterer Menschen auch für Jüngere erlebbar, etwa Gelenkversteifungen oder Einschränkung des Greifvermögens“, erläutert der VdK-Kreisvorsitzende und befestigt Gewichte an Oberkörper, Hand- und Fußgelenken einer Probandin, um nachlassende Kraft und Koordination und dadurch erhöhte körperliche Belastung nachzuahmen.

Als Josefine Gartner, Kabarettistin aus dem oberbayerischen Finsing, mit ihrem aktuellen Programm die Bühne im Vhs-Saal entert und die Behauptung „Die Zukunft ist auch nur die Gegenwart von morgen“ aufstellt, erfährt das Publikum, dass jedes Ding zwei Seiten hat. Denn Gartner verkörpert auch ihre ungleiche Schwester Hilde, die sich gnadenlos politisch inkorrekt und beschwingt Salsa tanzend Zutritt in die Herzen der Zuschauer verschafft. Doch auch Josefine schreckt vor nichts zurück, bringt mit ihrer eigenen, pfiffig gewitzten Sicht das politische Dilemma unserer Tage und die Ungereimtheiten der Welt auf den Punkt.

VON HARALD H. RICHTER

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