Tatwerkzeug VW-Golf

Versuchter Totschlag? Mann rast mit Auto in Bus

+
Ein Mann ist vor dem OVB-Gelände in Offenbach mit seinem Auto in einen Bus gerast.

Ein Mann ist in Offenbach mit seinem Auto in einen Bus gerast. Nun wird im Prozess verhandelt, ob er so seine Freundin umbringen wollte.

Offenbach – Tötungsdelikte verschiedenster Art sind leider Alltag bei der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Darmstadt. In einem aktuellen Fall soll ein VW-Golf Tatwerkzeug gewesen sein. Mutmaßlich vorsätzlich rammte der 45-jährige Fahrer einen Bus der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) und knallte anschließend in mehrere parkende Fahrzeuge. Der Maintaler und seine 51-jährige Beifahrerin waren nicht angeschnallt und wurden schwer verletzt.

Auch interessant:  Räuber schlägt Mann mehrfach ins Gesicht - Polizei reagiert sofort

Offenbach: Mann rast in Bus

Der Kalender zeigt den 31. Oktober 2018 – Halloween. Die Offenbacherin H. hat Karten für das Spektakel auf Burg Frankenstein gekauft, das sie drei Tage später mit Sohn und Freund K. besuchen will. Keine preiswerte Angelegenheit, denn sie muss mit einer bescheidenen Rente auskommen, während K. seinen Existenzkampf mit Arbeitslosengeld II führt. Geld ist deshalb in der sechsjährigen On-Off-Beziehung Dauer-Streitthema. Man telefoniert, K. erklärt sich bereit, den leeren Autotank von ihrem Geld zu füllen. Im Kopf hat sie das Burgspektakel am Wochenende.

Verteidiger René Reissner verliest einen vorbereiteten Text, der als Einlassung seines Mandanten gelten soll. Fragen werden nicht beantwortet. In der Erklärung heißt es: „Als ich in ihrer Wohnung von den Tickets erfahre, gab es wieder Streit wegen dem Geld.“ Daraufhin habe seine Freundin die Beziehung erneut beenden wollen und verlangt, dass er ausziehe. „Ich habe ihr klar gemacht, dass das ohne Benzin aber nicht geht!“

Offenbach: Freundin mit im Auto

Also setzt man sich schließlich doch gemeinsam in den Golf, um zur Tankstelle zu fahren. K. biegt von der Friedhofstraße in die Hebestraße ab, wo linker Hand das Betriebsgelände der OVB liegt. Hier fährt gerade ein Gelenkbus aus der Halle, um in entgegenkommender Richtung wieder auf das Betriebsgelände einzuscheren. Der Golffahrer beschleunigt auf über 70 Sachen, steuert die linke Fahrbahn an. Auf dieser rollt der 18 Meter lange Bus nach dem Ausbiegen schon wieder komplett gerade. 

Nach einem kurzen Moment realisiert der Busfahrer die Gefahr, bremst sofort und lenkt nach rechts. Dadurch verhindert er einen Frontalzusammenstoß. Stattdessen streift K. den Bus und knallt gegen die am rechten Fahrbahnrand parkenden Autos. Der OVB-Lenker und seine zwei Mitfahrer, allesamt gelernte Kfz-Mechaniker, berichten von „aufheulendem“ Motor vor den jeweiligen Karambolagen – Zeichen dafür, das der Autofahrer zurückschaltete und ordentlich Gas gab.

Offenbach: Freundin bei Unfall schwer verletzt

K. schlägt beim zweiten Unfall mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe. Beifahrerin H. knallt gegen das Armaturenbrett, zieht sich eine gebrochene Kniescheibe, eine große Wunde am Unterschenkel und Prellungen am Oberkörper zu. K. erklärt die Sache so: „Ich war erschrocken über den Bus, hab ihn gestreift und mir den Außenspiegel abgefahren. Da schoss es mir durch den Kopf: ‘Jetzt verlier ich auch noch den Führerschein, weil ich doch was getrunken hatte.“ Deshalb habe er sich zur Fahrerflucht entschlossen, bei der es dann zum zweiten Unfall kam. Zu keinem Zeitpunkt habe er die Absicht gehabt, sich oder H. zu töten.

Warum wird der dubiose Fall nicht erst als „Unfall mit Personenschaden“ am Amtsgericht verhandelt, sondern landet gleich als versuchter Totschlag vor dem Schwurgericht? Das liegt an damaligen Aussagen der Nebenklägerin H., an die sie sich vor Gericht nicht mehr erinnern kann. Richter Volker Wagner und ein Beisitzer bohren trotzdem: „Sie haben damals gesagt: ‘Er wollte den Bus rammen’.“ 

Offenbach: Streit über Beziehung zwischen Mann und Frau

H. ringt mit sich, weiß keine rechte Antwort – beharrt darauf, dass im Auto kein Wort gesprochen wurde. Wagner weiter: „Sie haben auch ausgesagt, es sei zu Streit und Trennung gekommen, worauf K. ausgerastet sei. Und dass sie sich noch anschnallen wollten, was aufgrund der Fahrweise nicht klappte. Erinnern Sie sich?“ Die Antwort sind Tränen, die vielleicht auch einen Aussagewert haben.

Im Verlauf der Verhandlung nähert man sich der Problematik: K. trinkt nicht nur Alkohol, sondern ist auch regelmäßiger Speed-Konsument. Ob er am Tattag unter Drogen stand und sich und die Freundin umbringen wollte, sollen neben den Zeugen auch der psychiatrische Sachverständige und ein Verkehrsgutachter klären.

VON SILKE GELHAUSEN

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

A661 am Offenbacher Kreuz wird voll gesperrt

Die A661 wird am Offenbacher Kreuz kommende Woche voll gesperrt. Es wird eine Umleitung eingerichtet. Die Zufahrt zur A3 ist möglich.

Schwerer Unfall auf A3 sorgt für 15 km langen Stau

Nach einem schweren Unfall hat sich am Freitagmorgen der Verkehr auf der A3 zwischen Offenbacher Kreuz und Frankfurt Süd in Richtung Köln mehrere Kilometer gestaut.

In Offenbach muss ein Busfahrer plötzlich eine Vollbremsung machen. Sieben Fahrgäste werden verletzt. Ein gefährliches Manöver könnte der Auslöser gewesen sein. 

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare