Kunst, Kultur und Kulinarik

Nacht der Museen ist ein großer Publikumsmagnet

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Betrachten, Mitmachen, Genießen: Die drei Offenbacher Einrichtungen boten während der Nacht der Museen ihren zahlreichen Besuchern wieder einige Überraschungen.

Kunst, Kulinarik, Musik und Performance gehörten zum Programm der Nacht der Museen, die in Frankfurt und Offenbach rund 35.000 Besucher anlockte.

Offenbach – Zu später Stunde wurde dem Publikum in den drei Museumseinrichtungen der kleineren der beiden Großstädte allerlei Inspirierendes geboten.

Im Hof des Büsingpalais rattern die Kettensägen, als Tanja Leonhardt und Stefan Kindel vor staunendem Publikum die Form von anderthalb Zentner schweren Eisblöcken, die aus Thomas Müllers Offenbacher Familienbetrieb stammen, verändern und sie „beschriften“. Im Innern des Klingspormuseums dürfen Besucher selbst künstlerisch tätig werden und unter Zuhilfenahme von Tusche und Wasser mit Japanpapier beklebte Geschenkkarten nach eigenen Vorstellungen gestalten.

Deutsches Ledermuseum zeigt Handtaschenvielfalt

Das Deutsche Ledermuseum zeigt Handtaschenvielfalt, gibt zudem Sattler und Feintäschner Manuel Navarro Bravo Gelegenheit, Arbeiten aus seiner Manufaktur vorzustellen. Der Kubaner hat die Werkstatt von der Christian-Pleß-Straße für einen Abend ins Museum verlegt und zeigt anhand einer Auswahl seiner Lederkollektion, wie „aus dem wunderbarsten Material echte Schönheit entsteht“. Unterdessen gibt das aus Sängerin Ev Machui und Pianist Axel Kaapke bestehende Kapellchen Schellack aus Frankfurt im Hugo-Eberhardt-Saal Lieder von Friedrich Hollaender zum Besten.

Betrachten, Mitmachen, Genießen: Die drei Offenbacher Einrichtungen boten während der Nacht der Museen ihren zahlreichen Besuchern wieder einige Überraschungen.

„Abklatsch – Drucken im Museum“ heißt unter anderem das Motto bei Justus Hamann und Ronja Butz im Haus der Stadtgeschichte, wo ein gusseiserner Kanaldeckel das Motiv für umweltfreundliche Stoffbeutel zum Mitnehmen liefert. Die Fabrikhalle im gleichen Haus rocken Thee Watzloves mit Cajun, Country, Punk und Polka. Auch die aktuellen Ausstellungen in den beteiligten Häusern stoßen auf Interesse, ebenso Sondervorführungen – etwa eine Buchkunst-Präsentation von Anja Harms im Klingspormuseum und ein Fotovortrag von Rebekka Kremershof im Haus der Stadtgeschichte.

Warteschlange bei der Nacht der Museen in Offenbach

Die Nacht der Museen ist auch diesmal ein Publikumsmagnet. Darin sind sich die Leiter der drei Offenbacher Einrichtungen einig. Schon kurz nach 19 Uhr bildet sich eine Warteschlange am Eingang zum Deutschen Ledermuseum. Es hat eine Taschenschnitzeljagd ebenso im Programm wie ein Quiz, das mit der Schau „Taschen – funktional, schmückend, modisch“ korrespondiert.

„Ich bin angenehm überrascht von der Resonanz“, freut sich Direktorin Dr. Inez Florschütz. Auch Dr. Stefan Soltek, Leiter des Klingspormuseums, glaubt ein Mehr an Besuchern gegenüber den Vorjahren zu erkennen. Meist grüppchenweise wird Publikum an die Ausstellungsorte gespült, begünstigt dadurch, dass in regelmäßigen Abständen kostenlos eingesetzte Pendelbusse die Wege zu den Schauplätzen des Geschehens verkürzen.

Haus der Stadtgeschichte: Nicht nur die klassischen Exponate finden Interesse

Oliver Bernius und Sohn Alexander aus Heusenstamm starten ihre abendliche Tour im Klingspormuseum. Der 14-Jährige nutzt die wohl letzte Gelegenheit für ein Muttertagsgeschenk und fertigt eine individuelle Glückwunschkarte an, bevor die beiden „noch rüber nach Frankfurt“ wollen. Dort sorgen unter anderem Studierende der Offenbacher Hochschule für Gestaltung dafür, dass bei der traditionellen Benefizauktion „Junge Kunst mit Zukunft“ im Museum Angewandte Kunst auch ihre Werke für einen guten Zweck versteigert werden, wobei über 68.000 Euro zusammenkommen.

Betrachten, Mitmachen, Genießen: Die drei Offenbacher Einrichtungen boten während der Nacht der Museen ihren zahlreichen Besuchern wieder einige Überraschungen.

Im Haus der Stadtgeschichte verfolgt Leiter Dr. Jürgen Eichenauer amüsiert, dass nicht nur die klassischen Exponate seines Hauses Interesse finden, sondern vor allem ein blinkendes und dissonante Töne ausstoßendes Geschicklichkeitsspielgerät Bewunderung auslöst. „Nur zu besonderen Anlässen wird unser original Pinball Wizard aus dem Depot geholt“, verrät Historiker Vicente Such-Garcia.

Sehr beliebter Flipperautomat bei der Nacht der Museen

Jener Flipperautomat also, der vor 24 Jahren anlässlich der Deutschland-Premiere des Musicals Tommy von The Who im Capitol Offenbach vielbeachtet wurde. Nicht wenige Gäste üben sich darin, den bei jedem Spiel erzielten Punktestand in möglichst enorme Höhen zu schrauben. An der „Genickschussbar“ im Raum nebenan darf dann zu später Stunde auf den Erfolg angestoßen werden – nicht nur mit hausgemachten Limonaden. Die sind zwar gut gekühlt, allerdings durch Beigabe sichtbar kleinerer Eiswürfel, als jene Quader gleicher Beschaffenheit, denen das Künstlerduo Leonhardt und Kindel schräg gegenüber im Klingspormuseum neue Form verleiht.

VON HARALD H. RICHTER

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