Stammkunde soll Hausverbot erteilt bekommen haben

Nächste Runde im Kino-Knatsch: Jetzt wird der Umgang ruppiger

+
Fordern mehr Lohn: Die Cinemaxx-Mitarbeiter beim Streik, hier am 10. März.

Im andauernden Tarifstreik der Cinemaxx-Mitarbeiter wird der Umgang immer ruppiger. Bei den jüngsten Protesten am vergangenen Samstag sollen die Kinoangestellten, die den Dienst verweigerten, erneut Hausverbot am eigenen Arbeitsplatz bekommen haben.

Offenbach – Eine Woche zuvor soll gar ein Kinobesucher, der sich mit den Streikenden unterhielt, von der Geschäftsführung ausgesperrt worden sein. „Er war ein Stammkunde, kam fast zu jeder Sneak-Preview“, berichtet ein streikender Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte. „Er hat sich bei uns informiert, wollte danach ins Kino gehen und hat direkt Hausverbot bekommen.“ Ein anderer Kinobesucher berichtet auf Facebook, er und ein Freund seien während des Streiks am 10. März von einem Mitarbeiter aufgefordert worden, die Streikenden wegen Lärmbelästigung anzuzeigen. „Darauf“, schreibt der junge Mann, „haben wir gerne verzichtet.“

Mitarbeiter im Cinemaxx Offenbach streiken

Zum nunmehr sechsten Mal in diesem Jahr haben die Offenbacher Cinemaxx-Mitarbeiter am Samstag gestreikt, von 10 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts verweigerten zehn Angestellte die Arbeit, ab 19 Uhr zeigten sie zwei Stunden lang vor dem Kino in der Berliner Straße 210 Präsenz. Die Aktion erfolgte abermals nach Aufruf der Gewerkschaft Verdi, die derzeit mit der Kino-Kette über einen höheren Stundenlohn verhandelt.

Dementsprechend angespannt ist die Stimmung. „Unser Chef nimmt das sehr persönlich, obwohl wir ihm gesagt haben, dass er dafür nichts kann“, so ein Mitarbeiter. Mittlerweile führen im Lichtspielhaus offenbar schon Lappalien zum Streit. So trugen die Demonstranten etwa Klapprahmen mit Sprüchen bei sich. Daraufhin habe die Geschäftsführung den Streikenden vorgeworfen, sie würden damit „Eigentum des Kinos zu Streikzwecken missbrauchten“, so ein Protestler. Das entspreche jedoch nicht der Wahrheit: „Wir haben sie selbst gekauft.“

Cinemaxx-Sprecherin widerspricht den Vorwürfen

Theaterleiter Abd el-Karim Israfil schweigt zu den Anschuldigungen und verweist an die Cinemaxx-Zentrale in Hamburg. Er sei gerade erst aus dem Urlaub zurückgekehrt und könne deshalb „keinerlei Auskunft geben“. Auf die Nachfrage, warum dann ein Mitarbeiter behaupte, er sei am Samstag vor Ort gewesen, reagiert Israfil gereizt: „Ich wiederhole mich: Fragen zum Streik bitte an unsere Presseabteilung.“ Cinemaxx-Sprecherin Ingrid Breul-Husar widerspricht den Vorwürfen. Die Mitarbeiter hätten kein Hausverbot bekommen, es seien keine Kunden dazu ermuntert worden, die Streikenden anzuzeigen. Auch habe man keinem Kunden ein Hausverbot erteilt. „Das stimmt nicht.“

In der nächsten Verhandlungsrunde zwischen Verdi und Cinemaxx am heutigen Dienstag soll laut der Kino-Kette ein „verbessertes Tarifangebot“ besprochen werden. Vorher gebe es „keinen vernünftigen Anlass für Streiks“, teilt Cinemaxx mit.

Von Manuel Schubert

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare