Selbstbestimmt und kreativ

Neue Wohnungsbaugenossenschaft startet mit Objekt in Bürgel

Bürgeler Industriegeschichte wird in genossenschaftlichen Wohnraum umgewandelt: Am alten Standort der Maschinenfabrik Hau in der Kurfürstenstraße entstehen Wohnungen und Atelierflächen. Fotos: fitzenberger
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Bürgeler Industriegeschichte wird in genossenschaftlichen Wohnraum umgewandelt: Am alten Standort der Maschinenfabrik Hau in der Kurfürstenstraße entstehen Wohnungen und Atelierflächen.

Das gab es zuletzt vor knapp 70 Jahren: In Offenbach wird eine neue Wohnungsbaugenossenschaft gegründet. „CreativHäuser eG“ heißt der Zusammenschluss, dessen erstes Projekt die Schaffung von Wohn- und Atelierflächen in einer ehemaligen Fabrik in Bürgel ist. Der Erwerb weiterer Liegenschaften ist angepeilt.

Offenbach – „Gegründet haben wir die Genossenschaft schon am 1. Juli 2018“, berichten Gründungsmitglied Rudolf Gaul und Udo Gann vom Vorstand, der von zunächst 13 auf mittlerweile 33 Mitglieder angewachsenen Genossenschaft. Dass sie erst jetzt den Schritt in die Öffentlichkeit gehen, begründet Gaul damit, dass man erst die erfolgreiche Eintragung ins Genossenschaftsregister habe abwarten wollen. „Die ist nun erfolgt, der Kaufvertrag ist abgeschlossen, die Finanzierung steht“, freuen sich Gaul und Gann, denen als Immobilienmakler und Finanzberater das neue Metier nicht ganz fremd ist.

Der Um- und Ausbau der ehemaligen Maschinenfabrik Gebrüder Hau in der Bürgeler Kurfürstenstraße soll im Herbst beginnen. Dort, wo bis zum Umzug in die Lammertstraße Ende der 1960er-Jahre Schleif- und Polierautomaten produziert wurden, werden die Genossen 15 Wohnungen samt Gemeinschaftflächen für Arbeiten und Büros errichten. 3,5 Millionen Euro stecken sie in das Vorhaben, Ende 2020 soll es fertig seien. „Wir werden auf jeden Fall dort Silvester feiern“, sagt Udo Gann. Gemäß dem Genossenschaftsgedanken sollen preisgünstige Wohnungen entstehen, insbesondere will man gemeinschaftliches und selbstbestimmtes Wohnen fördern.

Weil die Initiatoren der neuen Genossenschaft sich über den „Kunstbereich“ zusammengefunden haben, wie Rudolf Gaul formuliert, spielen die kreativen Entfaltungsmöglichkeiten für Bewohner ein große Rolle. So gibt es außer den Wohnungen, die zwischen 40 und 80 Quadratmeter groß sind, rund 150 Quadratmeter Atelierfläche sowie etwa 450 Quadratmeter Gemeinschaftsflächen, darunter ein großes begrüntes Dach.

Geplant sind zudem zehn Stellplätze ausschließlich für Elektrofahrzeuge sowie 25 Fahrrad-Stellplätze. „Unser erster Objekt ist weitgehend ausgelastet“, umschreibt Rudolf Gaul die Tatsache, dass die künftigen Wohnungen in dem über 100 Jahre alten Fabrikgebäude schon alle vergeben sind.

Aber die Genossenschaft hat bereits zwei weitere Immobilien im Blick. Details wollen die Genossen Gaul und Gann noch nicht verraten hat. Nur soviel: „Die Gespräche zum Erwerb stehen kurz vor dem Abschluss.“

Mit den drei Projekten wird die Genossenschaft dann über einen Bestand von etwa 40 Wohnungen verfügen und zusätzlich Atelier und Arbeitsflächen schaffen, die in Summe etwa 4500 Quadratmeter Nutzflächen umfassen. Mit der Fertigstellung aller Flächen wird bis Mitte 2021 gerechnet. „Langfristig ist geplant, den Bestand auf über 100 Wohnungen auszubauen“, sagt Gaul.

Von der Politik wird in Zeiten des Mangels an preiswertem Wohnraum und fehlender innovativer städtischer Wohnprojekte das Vorhaben offenbar mit Wohlwollen begleitet. „Wir stoßen auf offene Ohren, die Stadt unterstützt uns zum Beispiel mit Beratung zum Energiekonzept“, berichtet Gann.

Die CreativHäuser eG ist offen für weitere Mitglieder und bietet regelmäßige Informationsveranstaltungen als Begegnungs-Treffen an. Interessierte sind eingeladen zur Kontaktaufnahme unter: info@creativhaeuser.de.

VON MATTHIAS DAHMER

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