Kernproblem geräuschlos gelöst

Neuer Büro-Campus bietet auch der Messe langfristige Perspektiven

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Gewerbe-Ansiedlung: Der Messe-Parkplatz am Nordring ist eine der letzten Flächen, die im Hafen-Areal noch zur Bebauung frei sind. Nun ist der Kaufvertrag protokolliert. Wichtig für alle Beteiligten: Mit einem Parkhaus ist die Zukunft des Messe-Standortes Offenbach gesichert.

„Es ist ein schöner Tag für Offenbach. . . “, formuliert der Oberbürgermeister gestern. Damit meint Felix Schwenke nicht allein die 14 Grad bei strahlend-blauem Himmel. Er vervollständigt lieber: . . . für den Gewerbestandort, für die Messe, für den Hafen.“

Offenbach –Die Euphorie liegt begründet in einem Kaufvertrag, der am Dienstag protokolliert wurde. Auf dem Parkplatz zwischen dem EVO-Kohlelager und dem Kulturzentrum Hafen 2 entstehen demnach Büros und zwei Parkhäuser. Eines ist der Messe Offenbach und den Anliegern vorbehalten.

Es ist das glückliche Ende einer langwierigen Geschichte, deren Kernproblem „geräuschlos gelöst wurde. Das kann so gerne weitergehen“, sagt der Verwaltungschef. Eine Aussage, die Felix Schwenke sicher nicht allein auf die rege Bautätigkeit in Offenbach beschränken würde. Die Gemengelage am westlichen Zipfel der sogenannten Festlandseite: Die Messe Offenbach nutzt dort als Parkplatz temporär ein Areal, das eines der letzten freien Gewerbeflächen im Hafen darstellt. Die hohe Hürde beim Verkauf: Wo können rund 400 Parkplätze für die Messe geschaffen werden? Zumal die Zeit drängt: Der bisherige Nutzungsvertrag endet 2019.

Eine überzeugende Alternative ließ sich zunächst nicht finden. Schwenke: „Das hätte die Wettbewerbsfähigkeit der Messe Offenbach erheblich geschwächt.“ Mit der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft, der Messe, dem Investor Heberger Immobilien sowie Planungsdezernent konnte Schwenke in „intensiven Gesprächen eine für alle Beteiligten tragfähige Lösung herbeiführen“.

Büro-Campus: Vis-à-vis der Hafenspitze soll das Projekt Gestalt annehmen. Geplant sind drei Bürohäuser plus zwei Parkhäuser – eines davon (rosa) für die Messe Offenbach.

Heberger hat rund 10.000 des etwa 12.000 Quadratmeter großen Baufeldes erworben. Nach den Plänen der Mannheimer Fischer Architekten plant der Investor unter dem vorläufigen Arbeitstitel „Ofsite“ ein aufgelockertes Gebäudeensemble aus drei freistehenden Bürohäusern für mehr als 500 Arbeitsplätze und zwei aneinander gefügten Parkhäusern. Investitionsvolumen: zirka 50 Millionen Euro. Zur Einordnung: Entlang des Nordring wachsen die Bürohäuser 18,50 Meter in die Höhe. Zum Vergleich: Die Hafenschule ragt 20 Meter hoch.

Die Parkhäuser werden die Bürogebäude vom östlich angrenzenden Kohlelager abschirmen. Das rückwärtige, zum Hafenbecken hin gelegene und voraussichtlich dreigeschossige Parkhaus wird den Stellplatzbedarf der ohne Tiefgarage geplanten Büros decken. Das zweite Parkhaus wird über sieben Geschosse mit rund 350 Stellplätzen verfügen, die vorwiegend für Besucher und Aussteller der Messe reserviert sein werden – an bislang sechs Tagen in Jahren. Die restliche Zeit werden sie den Anliegern als Parkfläche dienen.

Für dieses „messeeigene“ Parkhaus hat die Messe die restlichen 2000 Quadratmeter erworben. Die Hochgarage wird Heberger für die Messegesellschaft planen und errichten. Dafür zahlt die Messe rund sieben Millionen Euro. „Es versteht sich von selbst, dass wir als Veranstalter unseren Ausstellern und Besuchern ein gutes und ausreichendes Angebot an Parkmöglichkeiten bieten wollen“, so Geschäftsführer Arnd Hinrich Kappe. Die Parkplätze bezeichnet er als „existenziell“ für die Messe und das Geld sinnvoll investiert. „Damit ist unsere Zukunft gesichert und eine gute Basis für die Entwicklung gelegt.“

Der industrielle Charakter des Ortes soll sich in der Fassaden-Gestaltung widerspiegeln. „Wir legen Wert auf möglichst große Flexibilität der Gebäude und hohe Qualität der Bauausführung“, betont Jochen Kuppinger, Geschäftsführer der Heberger Immobilien, deren Schwestergesellschaft als Generalunternehmen die „Hafenarkaden“ errichtet hat. Für seine Gesellschaft startet nun die „operative Planung“ mit der Einreichung der Bauanträge.

Bereits Mitte 2020 soll das „Messe-Parkhaus“, bis 2021 auch das Parkhaus für die Bürohäuser in Betrieb genommen werden. Ebenfalls 2021 soll das erste der drei Bürohäuser, das L-förmige Bürogebäude, bezugsfertig sein, bis Ende 2022 dann der gesamte Campus fertiggestellt sein. Einen Ankermieter kann er nicht nennen. „Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt das Projekt noch nicht breit auf dem Markt gestreut.“

Gleichwohl sieht Kuppinger an dieser Stelle eine „entstehende Premiumlage“. Sein Lob an Stadt und Mainviertel-Geschäftsführerin Daniela Matha: „Wir haben hier eine Konzeptidee vorgefunden, die läuft.“

Von Martin Kuhn

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