Plage

Nilgänse am Offenbacher Mainufer: Hilft doch nur abschießen?

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Dreiste Platzhirsche: Von Menschen und Schwänen lassen sich die Nilgänse nicht aus der Ruhe bringen.

Der SPD-Ortsverein Innenstadt hat sich am Main ein Bild von der Nilgans-Plage gemacht. Axel Seidemann plädiert fürs Abschießen. Ist das die einzige Lösung?

Offenbach – Axel Seidemann plädiert fürs Abschießen. „Anders lässt sich der Plage kaum beikommen, das geschieht schnell und gründlich“, ist der Wildtiermanager und Jäger von der Wirksamkeit der vorgeschlagenen Methode überzeugt, um die invasive Nilgans-Population am Offenbacher Mainufer einzudämmen.

Auf Initiative des SPD-Ortsvereins Innenstadt ist der Frankfurter mit etlichen Interessierten an diesem frühen Abend an die Carl-Ulrich-Brücke gekommen, um sich ein Bild von der Situation zu verschaffen. „Wiederholt haben sich besorgte Bürger an uns gewandt, der Bestand dieses Federviehs nehme Überhand“, beklagt Vorsitzender Maurice Skowronek. „Es besteht also Handlungsbedarf. Darum wollen wir jetzt mit Axel Seidemann einen Experten zu Rate ziehen.“

Nilgänse gelten als besonders robust – längst an den Menschen gewöhnt

Wer den Blick schweifen lässt, dem bestätigt sich: die Nilgänse sind längst „Platzhirsche“ geworden. Die unbeliebten Tiere gelten als besonders robust, beinahe dreist. Sie lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen und sind die Nähe von Menschen längst gewohnt. Vor Jahren noch sei heimisches Federvieh in der Überzahl gewesen, heute klar in der Minderheit. Helmut Schwoll zählt ganze acht Enten. „Von denen trauen sich sechs wegen der Dominanz der Nilgänse gar nicht ans Ufer“, stellt er fest. Die anderen beiden halten sich schutzsuchend im Mittelkreis von etwa zwei Dutzend Schwänen auf. Ihnen stehen 70 bis 80 umherwatschelnde Nilgänse gegenüber, ergibt die spontane Zählung. Die vermehrungsfreudigen Tiere, deren Ursprünge in nahrungsreichen subtropischen Binnenseen und Flüssen liegen, verdrängen überall rasant die tradierten Wasservogelarten. „Das ist in Offenbach leider nicht anders als bei uns in Frankfurt, etwa am Sachsenhäuser Ufer in Höhe der kleinen Maininsel“, so Seidemann.

„Das sind aber längst nicht alle, die sich hier aufhalten“, weiß Manfred Reißmann, Betreiber des wöchentlichen Flohmarkts auf Großparkplatz und Maindamm. In seinem Bürocontainer auf die Ortstermingruppe aufmerksam geworden, kommt er herüber und berichtet, dass die Nilgänse in dreistelliger Größenordnung nahezu regelmäßig das Flussufer und den an Freitagabenden wegen des Flohmarkts freigeräumten Parkplatz bevölkerten. Etwas weiter mainaufwärts seien es in etwa genauso viele, schildert er seine Beobachtungen. Dort ist immerhin ein einzelnes Hinweisschild aufgestellt, die Wasservögel nicht zu füttern. Doch kaum jemand hält sich daran. „Ich habe Leute vorfahren sehen, die säckeweise überzählige Brot- und Backwaren verfüttert haben“, bestätigt Reißmann.

Zunehmende Verkotung des Flussufers und Gefahren für menschliche Gesundheit alamierend

Die zunehmende Verkotung des Flussufers, vor allem auch der Liegebereiche für die Naherholung Suchenden, und die damit einher gehenden Gefahren für die menschliche Gesundheit seien alarmierend, mahnt Skowronek.

In den Exkrementen des Federviehs befinden sich bekanntermaßen nicht nur die üblichen Kolibakterien und Fäkalstreptokokken, sondern auch Salmonellen. Die können insbesondere Säuglingen und Kleinkindern gefährlich werden. Die letale Vergrämung, so der Fachbegriff für das Abschießen, sei daher wohl der letzte Ausweg, erwidert Seidemann.

Der 44-Jährige hat es im Brentanobad in Frankfurt vorgemacht, wo er nach vorheriger genauer Erkundung des Areals zum Gewehr griff und fünf Nilgänse und eine Kanadagans abschoss. „Das sind nicht viele, aber es ist ein Anfang“, so Seidemann. Da bisher kein Mittel gefunden ist, die Überpopulation einzudämmen, wirbt er für seine Methode - auch in Offenbach. Die Genossen wollen nun im Ergebnis des abendlichen Ortstermins Handlungsempfehlungen entwickeln.

Von Harald H. Richter

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