Trauerfeier für Ferdi Walther

Offenbach verabschiedet sich von vielseitig engagiertem Unikat

Auch der Nachfolger im Amt des FDP-Chefs, Stadtrat Paul-Gerhard Weiß, sprach in der Trauerhalle. Fotos: Georg-Foto, Kirstein

Mit einem Requiem in St. Pankratius und Nachrufen in der Trauerhalle des Bürgeler Friedhofs nahm Offenbach gestern Abschied von Ferdi Walther. Zahlreiche kondolierende Weggefährten aus fast fünf Jahrzehnten Kommunalpolitik zeigten der Familie die Wertschätzung für den Verstorbenen.

Offenbach – „Des hat de Ferdi ned verdient“, seufzt es unter einem der vielen Schirme, die den Sarg eines der populärsten Offenbacher Kommunalpolitiker zu dessen letzter Ruhestätte auf dem Bürgeler Friedhof begleiten. Dass für den Ferdinand Walther die Sonne hätte scheinen müssen, werden auch jene unterschreiben, die mit ihm verbale Klingen kreuzten.

Am 26. Februar ist er 82-jährig verstorben. Öffentlichen Abschied nehmen seine Familie um Frau Maria und Sohn Felix gemeinsam mit vielen Weggefährten aus Politik, Kultur und Offenbachs Gesellschaft zunächst bei einem Requiem in Bürgels Kirche St. Pankratius, anschließend bei einer Feier in der Trauerhalle des Stadtteils.

Fünf Offenbacher Priester vermitteln Gottes Segen für den praktizierenden Katholiken und Wallfahrer, der im Pfarrgemeinde-, Dekanats- und Diözesanrat aktiv war. Monsignore Hans Blamm, Pfarrer von St. Marien, würdigt die Spuren, die der Verstorbene in den Gemeinden der Stadt hinterlassen hat, und charakterisiert ihn zutreffend als Politiker: „Ein Schlitzohr, immer für Überraschungen gut – mit ihm musste man rechnen.“ Aber auch einer, der für Ausgleich sorgte und seiner Stadt eine Identität erkämpfte.

Die Mitwirkung von Don Paolo Manfredi, ehedem Pfarrer der italienischen Gemeinde, und der Nachruf von Alois Kovac von der kroatischen Gemeinde unterstreichen das Engagement von Ferdi Walther auf dem Feld der Integration. „Du hast uns Gastarbeitern viel geholfen“, sagt Kovac. Der kroatische Präsident hat dem Offenbacher 1997 sogar seinen großen Orden des Dreiblatts verliehen.

1964 wurde der 28-jährige Ferdi Walther, damals noch Christdemokrat, erstmals in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Von 1980 bis 1986, dann bereits Freidemokrat, war er in einer bürgerlichen Koalition Kultur- und Sportdezernent, dann wieder Stadtverordneter und von 2006 bis 2016 ehrenamtlicher Stadtrat.

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Es ist Stadtverordnetenvorsteher Stephan Färber, der auch im Namen des Magistrats seinem Kollegen nicht nur die Erinnerung an seine Stationen nachruft. Für die Kultur habe er neue Dimensionen eröffnet, die Politik „pfiffig und mit außerordentlichem taktischen Geschick“ beeinflusst. Walthers Rhetorik und Wissen hätten Sternstunden der Stadtverordnetenversammlung schlagen lassen. Für Färber war der Ferdi „einer der prägendsten Offenbacher Politiker der vergangenen 50 Jahre“.

Die prägendste Gestalt überhaupt war er für die örtliche FDP. Das sagt der heutige Vorsitzende der Liberalen über seinen Ehrenvorsitzenden. Stadtrat Paul-Gerhard Weiß unterstreicht die Originalität, die Ferdi Walther zum Markenzeichen der FDP schlechthin gemacht habe: als streitbarer Gestalter und brillanter Debattenredner, der schon früh das Lied einer Stadt gesungen habe, die mehr Anerkennung für ihre Leistungen verdiene.

Außerhalb Offenbachs engagierte sich Ferdi Walther fast ein Vierteljahrhundert im Sozialparlament des Landes. Vielen zukunftsweisenden Entscheidungen für die Betreuung kranker Menschen habe er seinen Stempel aufgedrückt, sagt Friedel Kopp, der Präsident der Verbandsversammlung des Landeswohlfahrtsverbands. Und nicht auf dieses Gremium dürften die Trauergäste Kopps Bedauern gemünzt sehen: „Solche Unikate und Persönlichkeiten werden uns immer mehr fehlen.“

Von Thomas Kirstein

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