Koks und Haschisch in der Brotdose

Offenbacher Dealer kommt mit Bewährung davon - damit begründet das Gericht das Urteil 

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In einer roten Brotdose fand die Polizei 4,7 Gramm Kokain. (Symbolbild)

Dank positiver Sozialprognose blieb gestern vorm Amtsgericht einem 34 Jahre alten Kleindealer eine Gefängnisstrafe erspart.

Offenbach – Obwohl der in Offenbach geborene Mann mit marokkanischer Staatsangehörigkeit seit seiner Jugend immer wieder wegen Drogen mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, wurde er gestern vom Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Ihm wurde ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt und er muss sich einem Drogentest unterziehen.

Drogenfund in Brotdose

Wieder mal erwischt wird der gestern geständige Angeklagte im September 2017. Nachbarn einer Wohnung in der Rumpenheimer Straße in Bürgel nehmen starken Marihuana-Geruch wahr und rufen die Polizei. Als den Beamten nach mehrmaligem Klingeln geöffnet wird, finden sie den Angeklagten und den Wohnungsbesitzer vor, entdecken zunächst aber kein Rauschgift. Fündig wird die Streife dann aber auf der Wiese unterhalb des Balkons der Wohnung: Eine rote Brotdose mit insgesamt sieben Tütchen, gefüllt mit 4,7 Gramm Kokain, 5,6 Gramm Marihuana und 30, 7 Gramm Haschisch, dazu eine Feinwaage und einen Notizblock. Der Angeklagte hatte alles vom Balkon geworfen als die Polizei vor der Tür stand.

Das Kokain, sagt der 34-Jährige, habe er zum Eigenbedarf dabei gehabt, den Rest habe er verkaufen wollen. Wohl auch, um die Haushaltskasse aufzubessern. Der Angeklagte ist verheiratet, hat zwei Kinder – das dritte ist unterwegs – und verdient als Leiharbeiter 1200 Euro netto im Monat. Den Job, den ihm die Schwiegereltern vermittelt haben, hat er erst seit sieben Wochen, der Arbeitsvertrag läuft zunächst über sechs Monate, doch habe ihm sein Arbeitgeber eine Festanstellung in Aussicht gestellt. Zudem könne er dort auch seinen Führerschein machen. „Außerdem hat mir meine Frau ein Ultimatum gestellt“, beteuert der Angeklagte, nun auf dem rechten Weg zu sein.

Sechs Einträge seit 2007 im Vorstrafenregister

„Die Drogengeschichten ziehen sich durch Ihr ganzes Leben“, gibt Richter Beck zu bedenken. Ja, es habe ihn immer auf „die blöde Straße“ gelockt, räumt der Familienvater ein. Tatsächlich enthält das Vorstrafenregister sechs Einträge seit 2007, die Verurteilungen als Jugendlicher nicht eingerechnet. Vorwiegend sind es Drogendelikte, aber auch Körperverletzung und Betrug sind dabei.

Trotz dieser Vorstrafenlatte, werfen zunächst die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer und schließlich das Gericht in seinem Urteil positiv in die Waagschale: Das Geständnis des Angeklagten, den Umstand, dass er einen Job hat und dass er mittlerweile dank gefestigter familiärer Strukturen einer gewissen sozialen Kontrolle unterliegt. „Jetzt ist es ganz wichtig, dass Sie sauber bleiben“, redet Richter Manfred Beck dem Verurteilten noch mal ins Gewissen.

Angesichts der Milde des Gerichts lässt der Angeklagte über seinen Verteidiger erklären, er verzichte auf Rechtsmittel gegen das Urteil.

von Matthias Dahmer

In Offenbach gilt die Die Roland-Passage im Senefelderquartier als Drogen-Umschlagsplatz. Die Polizei hat sich jetzt klar zu diesen Gerüchten positioniert.

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