Bahnbrechende Entdeckung

Offenbacher Schüler sagt Plastikmüll den Kampf an - Ist seine Idee der Durchbruch?

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Mittel gegen Mikroplastik gefunden: Christos Assiklaris entdeckte, dass bestimmte Pilze in der Lage sind, Kunststoffe abzubauen.

Gelingt einem Offenbacher Schüler die Revolution im Umgang mit Plastikmüll? Christos Assiklaris gewinnt mit einer bahnbrechende Entdeckung den Landesentscheid von "Jugend forscht".

Offenbach – Christos Assiklaris, 17-jähriges Biologie- und Chemie-Ass der Albert-Schweitzer-Schule, machte bei Forschungsarbeiten für den bundesweiten Wettbewerb „Jugend forscht“ eine bahnbrechende Entdeckung: Bestimmte Pilze haben die Fähigkeit, Kunststoffe abzubauen. Er zählt damit zu den Gewinnern des hessischen Landesentscheids, der beim Darmstädter Pharmakonzern Merck ausgerichtet wurde..

Mikroplastik ist eines der drängendsten ökologischen Probleme unserer Zeit. Medial präsent sind die feinsten Kunststoffteilchen vor allem wegen der Verschmutzung der Ozeane. Doch noch weitaus belasteter sind landwirtschaftliche Böden.

Beim Schülerpraktikums kommt dem Offenbacher die geniale Idee

„Pro Jahr entsteht eine neue Kontaminierung, die der Plastikmenge im gesamten Ozean entspricht“, erläutert der Offenbacher. „Mit dem Wasserkreislauf, etwa beim Waschen von Textilien oder der Verwendung von Kosmetika, gelangen die Plastikteilchen ins Abwasser. Danach mit dem Klärschlamm aufs Feld – und irgendwann auch wieder zu uns.“

Die Idee, dass Pilze das Problem im wahrsten Sinne des Wortes lösen könnten, kommt ihm während eines Schülerpraktikums im vergangenen Jahr am Darmstädter Julius-Kühn-Institut. Das Forschungsinstitut befasst sich mit biologischem Pflanzenschutz, also der Schädlingsbekämpfung ohne chemische Stoffe. Dabei werden häufig Pilze eingesetzt. „Sie sind von Natur aus nicht dazu bestimmt, Kunststoffe abzubauen. Aber wenn sie in der Lage sind, schädliche Insekten zu bekämpfen, warum nicht auch Mikroplastik?“, überlegt der Gymnasiast.

Versuche dauern sieben Monate: Offenbacher Schüler hofft auf Durchbruch

Mit diesem Grundgedanken meldet er sich für „Jugend forscht“ an. Das Institut stellt ihm ein Labor zur Verfügung, der Biologe Dr. Dietrich Stephan steht ihm als Betreuer zur Seite. Im Mai beginnt Assiklaris mit seinen Versuchen, die sieben Monate andauern werden – und ist zunächst ernüchtert. „Die ersten drei Monate liefen nicht gut.“ Doch er denkt nichts ans Aufgeben, wälzt Fachbücher, durchforstet wissenschaftliche Arbeiten.

Während andere sich in den Sommerferien im Schwimmbad abkühlen, sitzt er mit Pipette und Petrischale im Labor, mischt Wasser mit reinem Polyurethan, fügt Pilze hinzu. „Es war alles Learning by Doing, denn bisher gab es keine Forschung zu dem Thema.“ Dann kommt der Durchbruch mit der Pilzsorte „Isaria fumosorosea“. Erste Proben sind erfolgreich: Nach etwa 14 Tagen ist das Plastik in den Versuchskolben abgebaut, schließlich auch im 3,5-Liter-Fermenter.

Offenbacher Schüler entdeckt: Pilz produziert plastikzerstörendes Enzym

Das spornt ihn an: Er probiert weiter, optimiert die Mischverhältnisse, damit der Pilz noch besser sein plastikzerstörendes Enzym produzieren kann. „Nach drei Tagen sind 87 Prozent des Polyurethans abgebaut, am vierten Tag alles.“

Neben der Forschung geht sein Schulalltag weiter. Die Leistungskurse des Elftklässlers sind, wie soll es anders sein, Biologie und Chemie. „15 Punkte in beiden“, sagt er fast ein bisschen verschämt. Dazu spielt er Geige und Klavier. „Nur den Kampfsport habe ich aufgebeben, da fehlte mir die Zeit.“ Schon in der Grundschule entdeckt er sein Interesse für Naturwissenschaften, experimentiert gern und beobachtet Insekten.

Albert-Schweitzer-Schule fördert naturwissenschaftliche Fächer

Die Albert-Schweitzer-Schule fördert als sogenannte MINT-Schule naturwissenschaftliche Fächer besonders. Bei der Schulwahl hat es ihm der naturwissenschaftliche Neubau angetan. Nach dem Abitur 2020 will er Biologie oder Biochemie studieren. Und in die Forschung. „Da ist so viel Zukunftspotenzial!“

Die Chancen stehen gut. Er hofft, dass mit einem Erfolg im Bundeswettbewerb sein großer Traum in Erfüllung geht – ein Unternehmen sich seiner Idee annimmt und es gelingt, diese ins Freiland oder Kläranlagen zu übertragen. „Einen solchen Beitrag für die Umwelt zu leisten, würde mir viel bedeuten.“

Von Veronika Schade 

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