Warten auf die Sterbeurkunde

Personalnot im Standesamt führt zu Verzögerungen bei Bestattungen

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Mehr Sterbefälle: In Offenbach sind bis Ende September 2019 so viele Menschen gestorben wie im gesamten Jahr 2018. Im Standesamt fehlt das Personal, um die Mehrarbeit zu bewältigen.

Bestattungsunternehmen aus Stadt und Kreis klagen darüber, dass es in Offenbach zu unzumutbar langen Wartezeiten kommt, bis die für eine Bestattung nötigen Dokumente vorliegen.

Offenbach – Teilweise ist von bis zu zwei Wochen die Rede, die gesetzliche Frist für eine Beerdigung oder Einäscherung beträgt laut Hessischem Friedhofs- und Bestattungsgesetz vier Tage. Grund für die Verzögerung: Personalnot beim Standesamt, das für die Ausstellung der Sterbeurkunden aller in Offenbach verstorbenen Personen zuständig ist.

Es sei Angehörigen schlichtweg nicht mehr vermittelbar, dass man sieben bis zehn Arbeitstage auf die nötigen Dokumente warten müsse, berichtet ein Bestatter aus dem Kreis. Kollegen hätten sogar von bis zu zwei Wochen berichtet. Das könne angesichts der vorgeschriebenen 96-Stunden-Frist auch nicht mehr als die übliche Toleranz-Spanne bezeichnet werden.

Seinem Ärger hat der Bestatter in einer langen Mail ans Rathaus Luft gemacht. Während es bis vor einigen Jahren mit dem Standesamt noch gut geklappt habe, gehe es mittlerweile sogar so weit, dass man noch nicht mal mehr auf den Anrufbeantworter sprechen könne; der verweise darauf, eine E-Mail zu schreiben, schildert er das für seine Branche nicht praktikable Offenbacher Verfahren. Hinzu kommt: Freitags hat das Standesamt generell geschlossen.

Die Offenbacher Bestatterin Sabine Perez Preiß kann bestätigen: Im Vergleich zu anderen Standesämtern mit normalen Öffnungszeiten laufe es in Offenbach, wo mit Terminvergabe gearbeitet werde, nicht optimal. Sie komme zwar mit der Regelung klar, doch „auf die Dauer geht das nicht“.

Das räumt auch Friedhofsdezernentin Sabine Groß (Grüne) ein. In einem Antwortschreiben auf den Brandbrief aus dem Landkreis bedauert sie, man habe durch den Weggang von zwei Mitarbeiterinnen einen personellen Engpass, der über den zusätzlichen Bedarf hinausgehe. Dies führe dazu, dass zwei Halbtagskräfte alle Fälle bearbeiten müssten. „Das Ausschreibungsverfahren für die freie Stelle konnte bereits erfolgreich abgeschlossen werden. Sie kann voraussichtlich zum 1. Februar 2020 besetzt werden“, so Groß. Im Stellenplan für 2020 seien zudem zwei zusätzliche Stellen verankert, so dass sich die Situation entspannen werde.

Zur Beschleunigung der Verfahren plant die Stadt weiterhin, Anfang nächsten Jahres die Einrichtung eines Online-Portals, über das kostenlos sämtliche Daten und Dokumente eines Sterbefalles an das Standesamt gesendet werden können.

Zur aktuellen Personalnot komme das Wachstum der Stadt, das auch zu mehr Verstorbenen führe, sagt die Dezernentin. Laut Statistik sind bis Ende September 2019 so viele Menschen gestorben wie im gesamten Jahr 2018. Groß: „Zurzeit gehen täglich etwa 35 neue Fälle ein.“

Die längere Bearbeitungsdauer sei aber nicht nur auf diesen Anstieg zurückzuführen, sondern auch darauf, dass die Bearbeitung von Todesfällen „mit Auslandsbezug“ sehr großen Aufwand erfordere.

Den Vorwurf, die gesetzlichen Fristen würden überschritten, weist Groß indes zurück. Das Standesamt habe ihr versichert, dass bis jetzt alle Verstorbenen innerhalb der gesetzlichen Frist hätten bestattet werden können. Eine Beisetzung sei auch ohne eine Sterbeurkunde möglich. Das Standesamt stelle die dazu erforderliche Aussetzung im Bedarfsfall aus. „Mir ist kein Fall bekannt, bei dem die verstorbene Person nicht innerhalb des gesetzlichen Zeitraums bestattet wurden“, sagt Groß.

Gabriele Schreiber, Chefin der Friedhofsverwaltung, relativiert: Die Vier-Tages-Frist sei nicht immer zu halten, was aber auch kein Problem sei, da man trotz 1500 Beerdigungen im Jahr in den drei Kühlräumen über genügend Kapazitäten verfüge und die Kühlung die gesetzliche Frist verlängere. Bislang wirke sich die Situation im Standesamt aber nicht aus.

Dass es aufgrund der Verzögerungen im Standesamt auch in den Kühlräumen eng wird, wo rund 300 Tote Platz finden, können auch die Bestatter derzeit nicht bestätigen. Weil aber das Krematorium von bis zu 80 Pietäten aus der Region angefahren werde, sei es in Verbindung mit den Standesamt-Engpässen möglich, dass man an die Kapazitätsgrenze komme. Dem bislang guten Ruf des Krematoriums sei das nicht gerade zuträglich, findet Sabine Perez Preiß.

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