Tansania mit Antrag zur Müllvermeidung bei Festen

Unplastic the party: In Offenbach soll künftig ohne Plastik gefeiert werden

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Plastikfrei liegt im Trend, da verwundert es wenig, dass auch die CDU, Grünen, FDP und Freien Wähler in Offenbach ein entsprechendes Vorhaben auf ihrer Agenda haben.

Plastikfrei liegt im Trend, da verwundert es wenig, dass auch die CDU, Grünen, FDP und Freien Wähler in Offenbach ein entsprechendes Vorhaben auf ihrer Agenda haben.

  • In Offenbach sollen Partys in Zukunft ohne Plastikmüll stattfinden.
  • CDU, Grüne, FDP und Freie Wähler haben ein entsprechendes Vorhaben auf der Agenda.
  • Dabei ist Offenbach schon lange Vorreiter.

Offenbach – Für die kommende Stadtverordnetenversammlung am 5. März hat die Koalition einen Antrag mit dem Titel „plastikfrei feiern in Offenbach“ eingereicht.

Noch ab diesem Jahr soll daher bei Festen und Veranstaltungen, bei denen die Stadt als Veranstalter fungiert, auf Einwegplastik verzichtet werden soll. Ausdrücklich erwähnt der Antrag Capitol und Stadthalle, auch dort soll Einweggeschirr verbannt werden. Das Stadion am Bieberer Berg wird jedoch nicht erwähnt.

Das hehre Ziel der Müllreduzierung wird mit eindrucksvollen Zahlen unterlegt, etwa, dass es bis zum Jahr 2050 mehr Plastik als Fische in den Meeren geben werde, wie es in einer vier Jahre alten Studie im Auftrag des Weltwirtschaftsforums heißt.

Offenbach: Das Problem mit Plastikmüll - Neuer Antrag soll helfen

Dass es ein Problem mit Plastikmüll gibt, ist unbestritten. Und so lobt insbesondere der grüne Koalitionspartner den Antrag. „Das Müllaufkommen bei Festen in der Innenstadt ist immens“ schreibt deren stellvertretender Fraktionschef Tobias Dondelinger. Und Fraktionschefin Ursula Richter lobt, die Koalition setze „einen Maßstab in Zeiten, in denen eine konsequente Umkehr jahrzehntelanger Praxis gefordert“ sei.

Allerdings, das ergibt die Recherche der „Offenbach Post“, sind die allermeisten Feste und Veranstaltungen schon längst plastikfrei. Und so zeigen sich die Verantwortlichen vor Ort über die Initiative eher verwundert.

Offenbach schon lange plastikfrei bei Festen und Partys

Klaus Kohlweyer von der Pro Of GmbH, verantwortlich etwa für die Organisation von Bierfest, Offenbacher Woche oder Weihnachtsmarkt, und ein Kenner von Stadtfesten im Bundesgebiet, bestätigt, dass Offenbach sogar eine Vorreiterrolle innehatte. „Seit bestimmt über 15 Jahren haben wir auf unseren Festen ein Verbot von Einweggeschirr“, sagt er.

In allen Verträgen mit Ausstellern und Beschickern sei festgehalten, dass kein Einweggeschirr genutzt werden dürfe. Offenbach sei Vorreiter gewesen, Getränke wieder in Glas statt in Papp- oder Plastikbecher auszuschenken, weiß er aus seiner Erfahrung zu berichten. „Die Beschicker haben dafür extra Spülmaschinen anschaffen müssen, das hat natürlich nicht jedem gefallen.“

Außerdem sei über die Jahre schon viel ausprobiert worden, um Plastik zu vermeiden, erinnert er sich. So gab und gibt es bei Festen etwa essbare Schälchen aus Bananenblättern oder Waffeln.

Geschirr statt Plastik in Offenbach

Auf Geschirr aus nachwachsenden Rohstoffen oder Mehrweg werde auch in Stadthalle und Capitol gesetzt, sagt Michael Gruber, der mit der Bewirtschaftung beauftragte Caterer vom Offenbacher Rhein-Main-Party Service. „Bei uns wird entweder Glas oder anderes Mehrweggeschirr genutzt, das von einer externen Firma angeliefert und gereinigt wird.“ Seit 2010 werde im Capitol kein Plastik mehr genutzt. Einzige Ausnahme seien Kindertheaterveranstaltungen gewesen, bei denen Kinder noch Einwegbecher und Plastiktrinkhalme mit in den Saal nehmen durften. „Aber das sind vielleicht drei Veranstaltungen im Jahr.“

Das Mehrweggeschirr sei natürlich etwas teurer, bestätigt Gruber. „Ich denke, jeder sollte das bestmögliche für die Umwelt tun. Und die paar Euro mehr, die machen nicht den Unterschied.“

Offenbach: Auch Vereine setzen auf alternative Lösungen zu Plastik

Nicht nur die gewerblichen Anbieter bei Festen, auch die Vereine setzen schon lange auf Mehrweglösungen. Dennoch steht – etwas verschämt am Ende der Begründung – im Koalitionsantrag, dass auch alle Beteiligte bei städtischen Festen mit Vereinen in die Mehrweg-Pflicht genommen werden. Namentlich werden Lichterfest, Mainuferfest und Kulturfest der Nationen aufgeführt. Auch dort ist Verwunderung über das Koalitionsansinnen spürbar: So betont der „Vater des Mainuferfestes“, der ehemalige Stadtsprecher Matthias Müller, dass beim Mainuferfest schon seit 30 Jahren an die Vereine appelliert werde, auf Einweg zu verzichten. 

„Das steht auf jeder Anmeldung und in allen Hinweisen , ob sich jeder Verein dran hält, ist eine andere Sache. Und beim Lichterfest müsste der CDU-Vorsitzende als Rotary-Chef und Mitorganisator eigentlich auch wissen, dass wir von Anfang an Plastik verboten haben“, sagt er. Abdelkader Rafoud vom Ausländerbeirat befürchtet für Mainuferfest und Kulturfest der Nationen einen erheblichen Mehraufwand für die Vereine, sollte die Plastikfreiheit durchgesetzt werden. Abhilfe könnten städtische Geschirrmobile schaffen – bereits 1992 hatte die Sparkasse für umgerechnet rund 17 .500 Euro ein solches für Feste angeschafft. Was aus dem Mobil geworden ist, ist bei der Stadt nicht bekannt. 

VON FRANK SOMMER 

Realität ist auch: Das Recycling in Offenbach wird immer schwieriger, weil der Müll oft falsch getrennt wird.

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