Verein Creative Change

Projekt „Demokratieboten“: Spielerisch deeskalieren

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Mit dem Thema Vorbildfunktion befassten sich die Demokratieboten bei ihrem Treffen am gestrigen Montag.

Dem religiösem wie dem rechten Extremismus vorzubeugen und das Miteinander an hessischen Schulen zu verbessern, ist Ziel des Projekts „Demokratieboten“. Der Offenbacher Verein Creative Change bildet Schüler ab der 8. Klasse mit theaterpädagogischen Mitteln zu Mediatoren aus.

Offenbach – Konflikte und Auseinandersetzungen gibt es im Alltag immer wieder – der Schulhof bildet da keine Ausnahme. „Manchmal führen Streitigkeiten dort auch zu Schlägereien“, berichtet Gymnasiast Philipp. Der 15-jährige Albert-Schweitzer-Schüler möchte in solchen Situationen gerne helfen. Eingreifen, bevor es eskaliert.

Aber wie? Um das herauszufinden, lässt er sich von den Pädagogen des gemeinnützigen Vereins Creative Change zum „Demokratieboten“ ausbilden – zu einem Mediatoren, der helfen soll, das Miteinander an seiner Schule zu verbessern. Diesen Wunsch teilt Philipp mit knapp 50 anderen Jugendlichen aus Offenbach und der Region, die sich gestern zum Erfahrungsaustausch im Ostpol-Gründercampus an der Hermann-Steinhäuser-Straße getroffen haben.

„Unsere Arbeit beinhaltet einen theaterpädagogischen, interaktiven Ansatz“, erklärt Philip Blom. „Das heißt, wir präsentieren bei unseren Projektwochen am Anfang immer eine kurze Szene, die ein Problem beschreibt.“ Im Anschluss werde mit den Schülern diskutiert, wie man das Problem lösen könne. „Bei den Demokratieboten geht es nun darum, dass wir den Schülern auch beibringen, wie sie solche Theaterstücke selbst entwerfen, wie sie sie einstudieren und die Gespräche zur Problemlösung führen können – und dann gehen sie in jüngere Klassen und organisieren mit ihnen einen eigenen Projekttag.“ Finanziert wird’s vom Bundesfamilien- und Hessischen Innenministerium.

„Letztes Jahr haben wir das Projekt an zehn hessischen Schulen angeboten“, so der Projektleiter. „In diesem Jahr sind es 15.“ Neben der Albert-Schweitzer-Schule nehmen in Offenbach Ernst-Reuter- und Geschwister-Scholl-Schule teil. „Wir bieten das Programm entweder als Wahlpflichtfach an oder als AG, einmal die Woche, 90 Minuten.“ Dann bestehe die Gruppe in der Regel aus ungefähr zehn Schülern. „Wir machen uns gemeinsam Gedanken: Welche Herausforderungen gibt es an unserer Schule?“ Auf dieser Basis entwickle die Gruppe kurze Spielszenen und bereite einen entsprechenden Aktionstag dazu vor. „Zweimal im Jahr laden wir außerdem alle teilnehmenden Schüler zu einem sogenannten Reflexionstreffen ein, bei dem sie die Möglichkeit haben, sich über ihre Erfahrungen auszutauschen.“

Das Treffen am gestrigen Montag, beispielsweise, hatte Vorbildfunktionen zum Thema und wurde mit einer entsprechenden Theaterszene eröffnet. „In dieser Szene ging es darum, dass ein Demokratiebote, der durchaus mit seiner Position angibt, in einer entscheidenden Situation nicht eingreift, sondern sich eher darüber lustig macht. Am Ende steht er vor einer Klasse jüngerer Schüler und will ihnen etwas beibringen, aber die sagen: Du hältst dich doch selbst nicht daran.“

Die Botschaft ist klar: Wer die Ausbildung von Creative Change absolviert, soll an seiner Schule nicht nur Wasser predigen und Wein trinken, sondern bei Konflikten deeskalierend wirken. Den Jüngeren eben ein Vorbild sein.

Ein Grundgedanke, den die 15-jährige Ayla von der Albert-Schweitzer-Schule bereits verinnerlicht hat. „Ich bin allgemein jemand, der gerne Menschen hilft“, sagt sie. „Und wenn man weiß, worüber man spricht, wird man automatisch ernster genommen.“ Für sie ist die Ausbildung zur Demokratiebotin ein wichtiger Schritt, um zu zeigen, dass sie etwas verändern möchte.

Ihren ersten Auftritt in einer fünften Klasse haben Ayla und ihr Mitschüler Philipp bereits hinter sich. „Natürlich sind manche Fünftklässler auch ein wenig unruhig“, sagt dieser. „Aber sie haben auch einen Einfallsreichtum, den ältere Leute vielleicht nicht mehr so haben.“ Insgesamt sei es eine schöne erste Erfahrung als Demokratiebote gewesen.

Ob das Projekt über das Jahr 2019 hinaus weitergeführt wird, kann Philip Blom zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit Sicherheit sagen. „Die Demokratieboten sind über das Bundesprogramm ,Demokratie leben’ für zwei Jahre finanziert.“ Nach ursprünglichem Plan sollte das Förderprogramm Ende dieses Jahres auslaufen. „Nun wird es aber doch weitergeführt, und wir werden uns ein weiteres Mal dafür bewerben.“

VON MARIAN MEIDEL

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