Weiter bloß Flickschusterei

Friedrich-Ebert-Schule in Waldheim ist eine von etlichen Sanierungsverlierern

Am Wiesengrund 43 (oben) beginnt für Kinder aus Waldheim und An den Eichen die schulische Laufbahn: unter herausfordenden Umständen. Rektorin Sabine Mann zeigt eines der Fenster, das sich nicht mehr öffnen lässt und die Überbleibsel eines untauglichen Versuchs, die Sonneneinstrahlung mittels Folien zu mildern.
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Am Wiesengrund 43 (oben) beginnt für Kinder aus Waldheim und An den Eichen die schulische Laufbahn: unter herausfordenden Umständen. Rektorin Sabine Mann zeigt eines der Fenster, das sich nicht mehr öffnen lässt und die Überbleibsel eines untauglichen Versuchs, die Sonneneinstrahlung mittels Folien zu mildern.

Weit mehr als 200 Millionen Euro sind in den vergangenen zehn Jahren in Sanierung, Erweiterung und Neubau von Schulen geflossen. Die arme Stadt rühmt sich, zwei Drittel ihrer Investitionen in die greifbaren Voraussetzungen für Bildung zu stecken.

Offenbach – Was jetzt ernst einmal Priorität genießt: die Erweiterungen zweier Gesamtschulen (Edith-Stein-, Geschwister-Scholl-), der Ernst-Reuter-Schule und der Bachschule um eine Grundschule, die Neubauten einer Grundschule für Bieber-Nord und eines Gymnasiums am ehemaligen Güterbahnhof.

Etliche Lehrstätten älteren Datums, die dringend einer grundlegenden Kur bedürften, bleiben dabei auf der Strecke. Sie müssen sich weiter mit Flickwerk begnügen.

Eine davon ist – exemplarisch, ohne dass damit eine Rangfolge der Dringlichkeit verbunden wäre – die für Kinder aus Waldheim und An den Eichen zuständige Friedrich-Ebert-Schule. Die nahe der Mühlheimer Straße gelegene Grundschule sollte nach früheren Prioritätenlisten der Stadt 2011 an der Sanierungsreihe gewesen sein, sah sich dann auf 2013 verschoben. Und wartet 2019 auf einen neuen Termin.

Offenbach: Sanierung der Schulen dringend nötig

Nach den diesjährigen Sommerferien muss für Mütter und Vätern ein weiteres Mal körperlich nachvollziehbar geworden sein, unter welchen Umständen ihre 200 Kinder lernen. Nach den ersten Elternabenden meldete sich der Elternbeirat aus der „Schule der Temperatur-Extreme“ zu Wort: „So ein Klassenzimmer kann sich nicht nur durch rauchende Köpfe aufwärmen, auch durch direkte Sonneneinstrahlung und der schlechten Isolierung der Fenster, ebenso durch das Nicht-Vorhandensein eines Sonnenschutzes.“ Gegen 19 Uhr habe ein Thermometer, trotz Ventilatoren, innen noch 28,5˚ gezeigt.

Im Winter schaffen es zwei unterschiedliche Heizungs-Oldtimer nicht immer – trotz großen Engagements der städtischen Gebäudemanagement GmbH (GBM) und ihrer findigen Hausmeister wie hier Karl-Heinz Rothe – zumutbare Raumtemperaturen zu liefern. Außerdem birgt der Bau aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts noch ein Kuriosum: Einige Klassensäle haben eine – so unsere Zeitung 1996 – „irre Deckenheizung“: „Wenn Köpfe glühen, tauen die Füße auf“, lautete die Schlagzeile. Immerhin müssen antike Gliederheizkörper anderer Räume dank Funkthermostaten inzwischen nicht mehr einzeln von Hand reguliert werden.

Letztes Jahr fiel die Heizung aus

Dennoch habe man vergangenes Jahr die Fünfjährigen der nur hier angebotenen Eingangsstufe heimschicken müssen, weil’s zu kalt gewesen sei, erzählt Schulleiterin Sabine Mann. Mit älteren Kindern ginge das, ebenso wenig wie hitzefrei, wegen des Ganztagsbetriebs nicht. Die Rektorin führt auch gern zu den augenfälligsten Antiquitäten ihrer Einrichtung: Die nicht isolierten Metallrahmen der einfach verglasten, zum Teil aus Drehflügeln bestehenden Fenster haben unübersehbar viele Bearbeitungen mit Ölfarbe hinter sich. Unter Ocker wölbt sich Rost.

So sie sich denn öffnen lassen, sind die Fenster Bestandteil eines neuen ausgeklügelten Systems für den Temperaturausgleich: Dieses nennt sich „Querlüftung“ und besteht in der Herstellung eines kühlenden Luftzugs durch offene Fenster und Türen. Nachteil laut Sabine Mann: Dann stört der Lärm von der sehr stark befahrenen Mühlheimer Straße.

Vor den Ferien hatten die Friedrich-Ebert-Eltern eine gewisse Hoffnung geschöpft, als die Stadt verkündete, der GBM zwei Millionen Euro zur direkten Verwendung für die Schulen überweisen zu wollen. Schnell wurde aber klar, dass auch dies nur als Pflaster für akute Wunden ausreichen würde. Neue Fenster für eine ganze Schule, gedämmte Fassade und eine moderne Heizung sind, so dringend notwendig sie wären, in diesem Budget nicht drin.

Das bestätigt bedauernd der zuständige Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP). Er kennt die Notwendigkeit einer Gesamtsanierung am Waldheimer Wiesengrund sehr gut, weist aber auf die anstehenden Großprojekte zur Abdeckung des steigenden Bedarfs an Plätzen hin.

Sanierung: Teuer, aber nötig

Und auch das, was an der Friedrich-Ebert-Schule mit den bescheidenen Mitteln machbar wäre, kann laut Weiß nicht von heute auf morgen eingeleitet werden. Um das vom Kämmerer zur Verfügung gestellte Geld sinnvoll einzusetzen, müsse sich die GBM erst einmal einen neu einzustellenden Architekten suchen. Er fände an der Friedrich-Ebert-Schule ein herausforderndes Objekt vor. Der Grundstein für den Bau, der mit der benachbarten Kirche Heilig Kreuz unter Ensembleschutz steht, stammt aus dem Jahr 1952. Eine fundamentale Überholung fand seitdem nicht statt. Anfang der 90er Jahre mussten asbesthaltige Bauteile ausgetauscht werden.

1996 kam unsere Zeitung in ihrer Serie „Lernen in Bruchbuden?“, die das spätere Sanierungsprogramm mit angestoßen haben dürfte, zu einem relativ milden Urteil über die nach dem ersten Reichspräsidenten benannte Grundschule: „In der nach unten offenen Skala der schulischen Unerträglichen belegt sie einen mittleren Platz.“ Seitdem ist die Friedrich-Ebert-Schule wie andere Sanierungsverlierer unter Offenbachs Bildungsinstituten weiter nach unten gesackt.

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