"Eine Katastrophe"

Baustellen-Wahnsinn in Offenbach: OVB sehen ihre Fahrer am Limit

Offenbachs Busse – wie hier die Linie 107 an der Baustelle an Odenwaldring und Sprendlinger Landstraße – stehen fast im Dauerstau. Foto: Joel schmidt
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Offenbachs Busse – wie hier die Linie 107 an der Baustelle an Odenwaldring und Sprendlinger Landstraße – stehen fast im Dauerstau.

Wie die unter der unkkoordiniert wirkenden Baustellentätigkeit in dieser Stadt ächzenden Autofahrer dürften auch die OVB-Kunden von der Unpünktlichkeit der Busse  genervt sein.

Offenbach – Die gute Nachricht vorab: Nach etwas mehr als fünfwöchiger Fahrbahnreparatur ist die Mainstraße ab heute wieder für den Verkehr freigegeben. Das sind zwei Tage früher als geplant; die wichtige Route präsentiert sich auch frisch markiert, die Parkplätze können wieder genutzt werden. Immerhin eines von derzeit sehr zahlreichen durch Baustellen verursachten Nadelöhre ist damit beseitigt.

Anwohner, Einpendler und halt auch jene, die – unwillkommenerweise – Offenbach für den Transit zwischen Nachbarstädten nutzen, werden aufatmen. Die Wiedereröffnung der parallel zum Fluss verlaufenden Trasse dürfte besonders bei jenen für ein wenig Erleichterung sorgen, die beruflich im momentan notorisch verstopften Offenbach unterwegs sein müssen. Obwohl keine Linie der Offenbacher Verkehrsbetriebe die Mainstraße in einem wesentlichen Teil befährt, werden die Busfahrer positive Auswirkungen registrieren, da der Ausweichverkehr auf der Berliner Straße entfällt.

Offenbach: Weitere Hauptverkehrsadern bleiben verstopft

Normal wird durch diese punktuelle Entlastung aber noch nichts im oberirdischen Offenbacher Öffentlichen Personennahverkehr. Verspätungen durch baustellenbedingte Behinderungen werden vorläufig an der Tagesordnung bleiben. Denn weitere Hauptverkehrsadern wie der Odenwaldring oder die Erich-Ollenhauer-Straße in Bieber-West bleiben verstopft.

„Es ist eine ziemliche Herausforderung für unsere Fahrer“, formuliert OVB-Sprecher Jörg Muthorst vornehm das, was geneigte Fahrgäste von Mitteilsamen unter den 215 den Männern und Frauen am Bus-Steuer drastisch zu hören bekommen. „Eine Katastrophe“, ist da noch ein milderes, druckreifes Urteil.

Betroffen sind alle Linien, nicht nur jene, auf deren regulären Wegen gebuddelt, geteert oder wegen angrenzender Baumaßnahmen gesperrt wird. Die punktuell produzierten Rückstaus setzen sich zu bestimmten Zeiten in eigentlich freie Straßen fort, auch weil sich der Individualverkehr andere Routen sucht. Die Baustelle an der Kreuzung von Odenwaldring und Sprendlinger Landstraße etwa wirkt sich auf die Linien 104, 105, 106 und 107 aus. Zu Stoßzeiten geht ab Mathildenplatz auf der Berliner Straße nichts mehr. Für eine Vierminutenstrecke werden 17 Minuten gebraucht.

Offenbach: Generelle Verspätungen auf den Linien

Jörg Muthorst berichtet von generellen Verspätungen von 15 bis 20 Minuten. Bisweilen wird es eine halbe Stunde. Das ist dann der gesetzlichen Regelung zu verdanken: Den Busfahrern sind Lenkzeiten von höchstens viereinhalb Stunden gestattet. Dann müssen sie mindestens 30 Minuten pausieren, bevor sei ihre Fahrt fortsetzen dürfen. „Sind sie nach vier Stunden noch unterwegs, müssen sie in der Zentrale anrufen“, schildert der Sprecher die Vorgehensweise. Daraufhin schicken die OVB eine Ablösung zu einer geeigneten Haltestelle. „Wenn wir’s schaffen“, schränkt Muthorst ein. Ansonsten muss der Fahrer die Fahrt eine halbe Stunde unterbrechen. Gegebenenfalls werden auch Reservebusse eingesetzt, also solche, die eigentlich mit der Routinewartung an der Reihe wären.

OVB: Unkoordinierte Baustellen in der Stadt

„Unsere Fahrer sind am Limit“, fasst der Stadtwerke-Unternehmenskommunikator die Lage fürs Personal zusammen. Wie die unter der unkkoordiniert wirkenden Baustellentätigkeit in dieser Stadt ächzenden Autofahrer dürften auch die OVB-Kunden von der Unpünktlichkeit der Busse genervt sein. Die Menge der eingehenden Beschwerden bleibe allerdings im üblichen Rahmen, versichert Muthorst. Vermutlich merken viele Fahrgäste gar nicht, dass sie nicht von dem für ihre Abfahrtszeit gedachten Bus, sondern vom früheren verspäteten eingesammelt werden.

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