Diplome für schlaues Design

Clevere Ideen für die Zukunft an der Hochschule für Gestaltung

Die Linie 16 stand Pate für den Straßenbahnentwurf „Otto 16“ bei der Diplompräsentation des HfG-Fachbereichs Design. FotoS: Sommer
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Die Linie 16 stand Pate für den Straßenbahnentwurf „Otto 16“ bei der Diplompräsentation des HfG-Fachbereichs Design. 

Eine neue Straßenbahn für Offenbach ohne Schienen oder eine mobile Fahrradstation, das sind nur zwei Ideen, die an der Hochschule für Gestaltung entstanden sind. Wie immer sind es überraschende Entwürfe.

Offenbach – Der Fachbereich Design klingt vom Namen her zunächst unscheinbar – und doch kreieren die an der Hochschule für Gestaltung (HfG) ausgebildeten Diplomanden Jahr für Jahr Entwürfe, bei denen sich die Besucher immer wieder fragen, weshalb noch niemand zuvor auf diese Idee gekommen ist. 

So auch die sieben Design-Absolventen in diesem Jahr: Am Freitag haben sie ihre Diplome verliehen bekommen und den Besuchern ihre Arbeiten vorgestellt. Es ist zum Markenzeichen der Hochschule geworden, dass hier schon im Studium Kontakt zu Unternehmen gesucht und oft in Kooperation Neuartiges ausgetüftelt wird. So ist gewährleistet, dass das, was an der Hochschule entworfen wird, auch die Bedürfnisse der Verbraucher und des Marktes trifft.

Offenbach: Kommt die mobile Fahrradverleihstation?

„Wir erleben momentan wieder große technologische Veränderungen in der Gesellschaft, da kommt dem Design eine besondere Rolle zu“, sagt Hochschulpräsident Bernd Kracke. Da in diesem Jahr auch der 500. Todestag Leonarda da Vincis begangen wird, erinnert Kracke an dessen grenzüberschreitendes Wirken: Wie Leonardo, der Kunst, Wissenschaft und Technik verband, sollen auch die jüngst diplomierten Designer in Dialog mit anderen Disziplinen treten.

Vielfältige Ideen: Ob mobile Fahrradverleihstation, anpassungsfähiger Astronautenanzug oder Textilfarben aus Pflanzenstoffen, die Entwürfe stießen auf großes Interesse.

Dass der Grundstein dafür im Studium gelegt wurde, zeigen die vorgestellten Abschlussarbeiten. Etwa „Nómada“ von Pablo Clara Pérez, eine mobile Fahrradverleihstation. Großstädte, deren Radinfrastruktur noch im Entstehen ist, hat der Designer dabei im Blick. Die Stationen mit bis zu zwölf Rädern können je nach Bedarf aufgestellt, die Räder via App vom Smartphone aus reserviert werden. Verkehr ist ohnehin das große Thema der diesjährigen Diplomanden, auch Daniel Horie hat sich mit seinem Projekt „ID Next“ mit der Fortbewegung der Zukunft beschäftigt. Nach einem studienbegleitenden Praktikum beim Autobauer Volkswagen hat er sich mit neuen Anwendungen für Autos und der Kommunikation mit Fahrzeugen beschäftigt. In Zukunft, so seine Studie, können Autos etwa die Emotionen ihrer Insassen erkennen oder als Paketlieferstation dienen.

Offenbach: Idee für neue Straßenbahn

Der anpassbare Raumanzug

Die Wiederkehr einer Straßenbahnverbindung für Offenbach beschäftigt nicht nur die Stadtpolitik, auch Kim Hyungkwon hat dazu einen Entwurf erarbeitet. Seine Idee: Eine autonom fahrende Doppeldeckereinheit mit um 180 Grad drehbaren Achsen. Schienen wären nicht von Nöten, mit zwei Stockwerken bliebe genug Platz für die Fahrgäste. Futuristisch auch der Entwurf eines neuartigen, sich an die Körperform anpassenden Raumanzugs durch Yulia Stern. „Polymorph“ nennt sich ihr nach mechanischem Druckprinzip funktionierender Anzug.

„Dornröschenkuss“ betitelt Till Magnus Maurer sein Datenverschlüsselungssystem, bei dem er auch gleich eine Lösung für die spätere Entsorgung mitliefert. Wie eine Schildkappe wirkt das von Martin Stegmeier entwickelte Feinstaub-Filtersystem „Respiro“: Luftströme vor dem Gesicht verhindern, dass Bauarbeiter Feinstaub einatmen. „Bisherige Masken sind unkomfortabel und werden daher nicht so oft genutzt, wie sie sollten“, erklärt Stegmeier seine Inspiration.

Die mengenmäßig umfangreichste Präsentation ist die von Sarah Spichal: hunderte Muster mit Textilfarben hat sie entworfen. Statt auf künstliche Stoffe setzt sie auf Planzenfarben, die sich durch Einwirkung von Licht verändern.

VON FRANK SOMMER

Auch im Jahr 2018 präsentierte die Hochschule für Gestaltung die Entwürfe ihrer Studierenden.

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