Stadt soll Abschuss genehmigen

Debatte in Offenbach: Sollen Nilgänse im Waldfreibad abgeschossen werden?

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Eine gänsekotfreie Liegewiese kann der EOSC bei allem Bemühen nicht garantieren. 

In diesem Sommer waren einige Nilgänse Dauergäste im Waldfreibad in Offenbach. Der Betreiber, ein Verein, will jetzt zu drastisch Maßnahmen greifen.

Offenbach – Vorsitzender Matthias Wörner will den Magistrat zu der nach seiner Meinung überfälligen Entscheidung bewegen, das drastischste Mittel gegen die Nilgansplage zuzulassen. Er hat Anfang dieser Woche eine von Stadtrat und Umweltdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) in der jüngsten Stadtverordnetensitzung ausgesprochene Empfehlung aufgegriffen und einen formlosen Antrag gestellt: Über das Waffenrechts-Portal ist die Bitte des Vereins eingegangen, für das gesamte Erbpacht- und Pachtgelände des EOSC eine Abschussgenehmigung für Nilgänse zu erteilen und eine dafür geeignete Person zu benennen.

Offenbach: Nilgänse sollen im Freibad abgeschossen werden

Solche Genehmigungen – möglich nach dem Ende der Schonzeit, also vom 1. September bis zum 15. Januar – sind normalerweise eine Angelegenheit für die Abteilung Jagdrecht im Ordnungsamt. Dessen Leiter Peter Weigand wird Entscheidungen von solcher, auch politischer Tragweite allerdings nicht seinem Sachbearbeiter überlassen: „Das wird eine Sache für den Magistrat, wenn nicht sogar für die Stadtverordnetenversammlung.“

Wie berichtet, forderte die Offenbacher SPD vergeblich, ernsthaft Feuer frei auf die Nilgänse zu erwägen, während besonders die Grünen das Problem auf der Rosenhöhe als „nervig und eklig“, nicht aber als bedrohlich erkennen wollen. FDP-Stadtrat Weiß erinnerte sich am vergangenen Donnerstag gern daran, wie er einmal im 25-Meter-Becken eine nette Runde mit den Wasservögeln drehte.

EOSC-Chef Wörner sieht das weniger romantisch oder sportlich, als der, der mit den Nilgänsen schwimmt: „Unsere Gäste müssen auf der Liegewiese ihre Handtücher auf Gänsekot legen, sie laufen barfuß drüber, und wie schnell ist mal ein Kind von der Decke gekrabbelt...“

Offenbach: Jeden Mittag wird geputzt

Was die Tiere – derzeit sieben oder acht, Tendenz nächstes Jahr vermutlich nach oben – im Wasser und am Beckenrand hinterlassen, wird aufwändig beseitigt. Jeden Mittag ist auf der Rosenhöhe für ein bis zwei Stunden kein Schwimmbetrieb möglich, während extra angeschaffte Geräte Wasser ansaugen und herausgefilterte Gänseköttel wegpusten.

Die Fliesen rundum werden den ganzen Tag von Mitarbeitern einer Reinigungsfirma gewischt. Die Kosten erhöhen, nach Absprache mit Sportamt und Sportdezernent, den städtischen Betriebskostenzuschuss für das von dem Verein betriebene einzige Schwimmbad Offenbachs. Die Rechnung trägt den Vermerk „Nilgans“. Für die kommende Saison rechnet der EOSC-Vorsitzende mit einem Gesamtbetrag von um die 30. 000 Euro.

Offenbach: Nilgänse sollen abgeschossen werden

Bislang ist auf der Rosenhöhe noch nicht scharf geschossen worden; eine am Angelweiher auf dem 67 .000 Quadratmeter großen Gelände gefundene tote Nilgans ist nicht an Blei verendet. Wenn es geknallt hat, dann waren das von der Stadt gestattete Schüsse mit einer Schreckschusspistole.

Aber von dieser Ballerei hat sich die hartnäckige Vogelfamilie so wenig vergrämen lassen wie durch den Lärm von Gashupen. „Die lachen sich darüber kaputt“, sagt Matthias Wörner. Sollte das Areal zum Jagdrevier erklärt werden, will das der Vorsitzende freilich nicht uneingeschränkt bejubeln: „Wohl ist mir’s dabei nicht, mir täte es um die Gänse wirklich leid. Aber der Schutz der Menschen geht vor.“

Falls das Gesundheitsamt eines Tages Bedenken wegen einer nicht mehr zu gewährleistenden Hygiene äußern müsste, würde er jedoch auch nicht davor zurückschrecken, das Schwimmbad zu einem Paradies allein für Nilgänse werden zu lassen.

Von Thomas Kirstein

Erst vor wenigen Tagen scheiterte die SPD-Fraktion im Offenbach Stadtparlament mit ihrem Antrag, Nilgänse zum Abschuss freizugeben. Auch in Frankfurt gibt es Probleme mit Nilgänsen und ihren Hinterlassenschaften.

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