Buchmesse

Spaß am Schreiben als Motor: Der Offenbacher Autor Thorsten Fiedler lädt zur Lesung ein 

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Der geneigte Fan erkennt umgehend sein Stadion auf dem Buchdeckel: Thorsten Fiedlers Protagonist Adi Hessberger bekommt einen neuen Fall auf den Tisch, bei dem das beliebte Offenbacher Bier eine Rolle spielt. 

Bei Remis oder knappen Spielständen verbinden die einen alle Hoffnungen damit, die anderen fürchten sie: die Nachspielzeit im Fußball. In der Bundesliga zeigt der vierte Offizielle sie mit einer elektronischen Tafel an – meistens drei Minuten, mitunter etwas länger. 

Offenbach - Und dann beginnt das große Zittern auf der Tribüne. Thorsten Fiedler ist als geneigter Fan der Offenbacher Kickers sicher geübt darin. Für ihn ist „Nachspielzeit“ freilich etwas mehr – sein mittlerweile viertes Buch und gleichzeitig sein zweiter Krimi.

Die beiden Bestandteile, mit denen der Autor, hauptberuflich Vorstand eines mittelständischen Unternehmens, arbeitet, sind erneut ein kräftiger Schuss Offenbach und eine Fußball-Liebe für die Ewigkeit. Und er setzt nahtlos an seinen Erstling „Schlusspfiff“ an, der durchweg positive Kritiken einheimste.

Der Inhalt, der in 43 kurzen Kapiteln daherkommt: Kommissar Adi Hessberger versteht die Welt nicht mehr. Sina Fröhlich liegt schon so lange im Koma, dass die Ärzte kaum noch Hoffnung haben. Kollegen seiner Abteilung verschwinden spurlos, eine Demonstration auf dem Wilhelmsplatz wegen des Offenbacher Bieres eskaliert, es gibt Tote und Verletzte. Das Polizeipräsidium Südosthessen taumelt führungslos von einem Schreckensszenario ins nächste. Stehen die Polizisten auf der Abschussliste eines Wahnsinnigen?

Der Kriminalhauptkommissar steckt – genau wie sein Lieblingsverein Kickers Offenbach – in einer schweren Krise. Die Ereignisse in diesem ungleichen Kampf gegen einen Mörder, der scheinbar keinerlei Spuren hinterlässt, bringen die Polizei und auch die Offenbacher Bürger an ihre Grenzen. Die gut 200 Seiten (Mainbook-Verlag, 10,70 Euro) sind schnell gelesen, auch wenn der geneigte Leser - wie bei jedem Krimi - zunächst ebenso im Dunkeln tappt wie der etwas schrullige Ermittler.

Fest eingetragen in Thorsten Fiedlers Terminkalender ist die Zeit vom 16. bis 20. Oktober. Auf der Frankfurter Buchmesse wird Fiedler kräftig die Werbetrommel rühren. Aus den starken lokalen Bezügen einige Fragen, die der Offenbacher gerne beantwortet:

Herr Fiedler, war der Erstling so erfolgreich, dass Sie sozusagen nachlegen mussten?

Wenn der Krimi so erfolgreich gewesen wäre, hätte ich ja gar nicht nachlegen müssen... Aber nun im Ernst. „Schlusspfiff“ war so angelegt, dass ein zweiter Teil schon angedacht war. Wenn kein oder wenig Interesse an meinem Krimi bestanden hätte, würde es auch keine Fortsetzung geben. Doch zum Glück haben sich viele Offenbacher aus ganz Hessen und auch aus anderen Bundesländern für „Schlusspfiff“ entschieden.

Da klingt etwa Stolz mit...

Sagen wir mal so: „Schlusspfiff“ wurde schon nach vier Wochen neu aufgelegt und hat im Ranking der Bestellungen den einzigen Eintracht-Krimi hinter sich gelassen. Ob sie nun Urs Meier, Peter Zingler oder Jörg Dahlmann heißen, die Begeisterung für den Krimi beziehungsweise die Krimis scheint mir medial außerhalb Offenbachs einfach größer zu sein...

Wieviel Kickers steckt denn in dem neuen Fall?

Bei meinem Krimi handelt es sich um reale und fiktive Geschehnisse. Das heißt, wenn ein bestimmtes Datum benannt wird, dann sind auch genau die beschriebenen Dinge, bis auf diverse Morde, in der Realität passiert. Mein Kriminalhauptkommissar Adi Hessberger ist als bekennender OFC-Fan bei allen Heimspielen dabei, teilweise sogar auswärts. Somit ist der OFC ziemlich gut vertreten. Natürlich spielen der Wilhelmsplatz, das Markthaus, das künftige Polizeipräsidium, der Wetterpark und andere lokale Plätze eine wichtige Rolle.

Gibt denn das (politische) Stadtgeschehen in Offenbach so viel her, dass Ihnen die Ideen so schnell nicht ausgehen?

Da ich schon immer und sehr gerne in Offenbach lebe, gibt es noch viele interessante und schöne Örtlichkeiten, Begebenheiten und Fiktionen zu beschreiben. Mein Wunsch ist es, dass auch andere Menschen eine höhere Wertschätzung für meine Heimatstadt entwickeln. Eine kleine Reisegruppe aus dem Norden Deutschlands hat aufgrund meines Buches, verschiedene Lokalitäten in Offenbach besucht und hat sich dabei auch noch die Tatorte der Schiedsrichtermorde angesehen.

Wird denn die Schriftstellerei irgendwann zu Ihrem Haupterwerb?

Die viele Zeit, die man investiert, um ein Buch zu schreiben, dieses zu bewerben, Lesungen zu veranstalten und einiges mehr, kann man nur tun, wenn das Geld nicht im Vordergrund steht. Der Spaß am Schreiben muss der Motor sein. Denn der Ertrag bleibt bescheiden, solange man nicht im vorderen Bereich der Bestsellerliste liegt. Und davon bin ich noch so weit entfernt, wie der OFC aktuell von der 2. Liga.

Die nächste Lesung von Thorsten Fiedlers „Nachspielzeit“ (mit Signierstunde) ist am Samstag, 28. September, 18 Uhr, im

Markthaus am Wilhelmsplatz bei Wirt und Kickers-Fan Eric Münch. Der Eintritt ist frei, eine Reservierung empfohlen unter z 069 80101883

Von Martin Kuhn 

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