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So war die Sporthistorische Stadtrundfahrt zu den Trainingsstätten bekannter Athleten

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Waldemar Krug (links), Ehrenpräsident des Fechtclubs, demonstrierte den Teilnehmern der Rundfahrt die „Arbeitskleidung“ der Athleten und führte zur umfangreichen Trophäensammlung des Vereins. Fotos: richter
Waldemar Krug (links), Ehrenpräsident des Fechtclubs, demonstrierte den Teilnehmern der Rundfahrt die „Arbeitskleidung“ der Athleten und führte zur umfangreichen Trophäensammlung des Vereins. © richter

1928 gewinnt die Olympionikin in Amsterdam Gold im Florett, acht Jahre später Silber bei den Spielen von Berlin, ist dreifache Welt- und unzählige Male deutsche Meisterin.

Offenbach – Die gebürtige Offenbacherin Helene Falkner von Sonnenburg, geborene Mayer, gilt als eine der bedeutendsten Fechterinnen aller Zeiten. Cornelia Hanisch ist Mannschaftsolympiasiegerin 1984, dreifache Einzelweltmeisterin, sammelt zwischen 1976 und 1982 fünf nationale Titel im Florettfechten und wird ob ihrer Erfolge 2016 in die „Hall of Fame des deutschen Sports“ aufgenommen.

Helene Mayer und Cornelia Hanisch – zwei Karrieren, ein Verein. Erinnerungen werden lebendig, als die zwei Dutzend Teilnehmer einer sporthistorischen Stadtrundfahrt an den Trainingsstätten derer Halt machen, die Millionen Menschen bei internationalen Meisterschaften sowie deutschen Titelkämpfen begeisterten.

Medaillen und Pokale waren Lohn für das erfolgreiche Abschneiden, das ohne funktionierende Vereinsstrukturen kaum möglich gewesen wäre. Mit Ruhm und Lorbeer verbinden sich aber zugleich Entbehrungen und Rückschläge, manchmal endet eine Sportlerlaufbahn tragisch.

Davon erfährt die Gruppe einiges, als sie mit Hans-Georg Ruppel als kundigem Erklärer die erste Station besucht, das Capitol. Am Ort der einstigen jüdischen Synagoge erinnert der ehemalige Stadtarchivar nicht nur an Helene Mayer, deren Vater Jude war, und die im Dress des Fechtclubs Offenbach Sportgeschichte schrieb. „Auch Hans Halberstadt, 1888 in der Lederstadt geboren, war ein herausragender Fechter mit jüdischen Wurzeln und Olympiateilnehmer“, sagt Ruppel. „Er emigrierte während der NS-Zeit wie Mayer in die USA und blieb dort.“ Anders Helene Mayer, die es 1952 von Kalifornien zurück nach Deutschland zog, wo sie den Flugingenieur Erwin Falkner von Sonnenburg heiratete, doch nur ein Jahr später an Brustkrebs starb.

Die Pokalsammlung des Fechtclubs Offenbach ist beachtlich.
Die Pokalsammlung des Fechtclubs Offenbach ist beachtlich. © richter

Dem Methodiker und Systematiker Adolf Spieß verdankt das Schulturnen seine Existenz, das er 1924 in Offenbach begründete. Es war die Geburtsstunde des TVO. „Der Turnverein Offenbach betätigte sich aber auch volksbildend, in dem er eine Bibliothek anlegte und sich weitere Betätigungsfelder erschloss“, berichtet Ruppel. „Aus dem damaligen Sängerverein ging beispielsweise der Oratorienchor hervor.“ Bei der Rudergesellschaft Undine, die seit 1876 im Offenbacher Vereinsregister eingetragen und im Bootshaus auf der Frankfurter Mainseite beheimatet ist, erfährt die Gruppe einiges über die Entwicklung des Wassersportvereins. „Die Undine gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Ruderverbandes 1883 in Köln“, macht Ehrenvorsitzender Dr. Hans Mohr die Gäste aufmerksam.

Als nächstes steuert die Gruppe das Stadion des OFC an. Dort berichtet Harald Spoerl, ehrenamtlicher Archivar des Kickers-Fanmuseums, im Schnelldurchgang über Aufstieg und Blütezeit, Meriten und Misserfolge der Kickers. Dabei wechselt der Nachdruck eines Plakats von 1921 in die Hände von Geschichtserklärer Hans-Georg Ruppel. „Es kündigt die Vorfeier zum 20-jährigen Stiftungsfest mit Platzweihe an“, erläutert Harald Spoerl.

Im Zeitverzug wird im Vorbeifahren am Waldschwimmbad des EOSC an Schwimm-Olympiasieger Michael Groß erinnert, der für den Offenbacher Club an den Start ging und massenweise Medaillen einheimste.

Reichlich Trophäenglanz zu bestaunen gibt es dann an der Schlussstation der knapp dreistündigen sporthistorischen Exkursion, beim Fechtclub Offenbach, dessen Ehrenpräsident Waldemar Krug ist. Auf seine Initiative hin hatte der Arbeitskreis „Sport und Geschichte“ des LSB Hessen um Vorsitzenden Peter Schermer nach erfolgreicher Premiere der Reihe im vergangenen nun Offenbach als Ziel angesteuert.

VON HARALD H. RICHTER

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