Polizei muss anrücken 

Pfand-Irrsinn bei Rewe: Streit um Kisten eskaliert

+
Hochbetrieb am Pfandautomaten: Supermärkte sind verpflichtet, Leergut zurückzunehmen – auch wenn es größere Mengen sind.

In einem Rewe in Offenbach eskaliert ein Streit um Pfand. Es wird laut, die Polizei muss kommen. Am Ende bekommt ein Pfandsammler Hausverbot.

Offenbach – Wenn die meisten Offenbacher noch schlafen, ist Peter J. schon auf Achse. Gegen 5 Uhr in der Frühe bricht er auf zu seiner täglichen Tour. Nur er und sein Fahrrad mit der großen Satteltasche. „Ich muss mich ja irgendwie fithalten“, sagt der 58-Jährige. Deswegen fährt er jeden Morgen zwei bis zweieinhalb Stunden durch die Stadt – und sammelt Pfandflaschen.

Peter J., der seinen vollständigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat vor rund zwei Jahren damit angefangen, Leergut vom Boden aufzulesen. „Man muss ja schauen, wie man über die Runden kommt“, erklärt er. J. hat 33 Jahre beim Druckmaschinenhersteller Manroland gearbeitet, nach der Insolvenz verlor er 2012 seinen Job. Eine neue Arbeitsstelle fand er nicht. Eine Ausbildung hat er nie absolviert. Wegen diverser chronischer Krankheiten wurde er 2015 zum Frührentner.

Pfandsammeln in Offenbach ist ein Zubrot

Das Pfandsammeln sei für ihn ein „Zubrot“, sagt J. „Das Geld, das ich auf der Straße finde, brauche ich nicht vom Konto nehmen.“ Während manch andere Pfandsammler nur Flaschen oder Dosen einpacken, die ihnen den Höchstbetrag von 25 Cent garantieren, nimmt J. alles mit, was er finden kann, auch Joghurtgläser oder Milchflaschen. „Ich tue was für die Umwelt“, findet er.

Auch interessant bei op-online.de*: Egelsbacher Rentner und Langener Familie machen sich gegenseitig das Leben zur Hölle

Auch deswegen kann der gebürtige Offenbacher nicht verstehen, was sich am 9. April dieses Jahres zugetragen hat. Wie immer will er seine Pfandflaschen im Rewe-Markt an der Jean-Weipert-Straße abgeben. Einmal die Woche kommt er dort vorbei, mit einem Anhänger voller Leergut, rund 200 Flaschen jedes Mal. Zwischen 20 und 30 Euro Pfand bringt eine solche Fuhre. In der Regel packt J. die Flaschen sogar für den Supermarkt in Kästen, bevor er sie in den Automaten schiebt. „Eigentlich ist das immer reibungslos gelaufen“, berichtet er.

Was genau ist passiert?

Diesmal kommt es anders. Was genau passiert, wissen nur die Beteiligten. Fakt ist: Am Ende wird die Polizei gerufen, J. bekommt Hausverbot, das bis zum 1. Januar 2020 und für sämtliche Rewe-Häuser gilt. J. sagt, der stellvertretende Filialleiter habe ihn aufgefordert, das Geschäft zu verlassen, da er eine „nicht haushaltsübliche Menge“ an Pfandflaschen mitgebracht habe. J. weigert sich und verlangt den Filialleiter. Der Stellvertreter ruft daraufhin die Polizei, die ihn mit Hinweis aufs Hausrecht bittet, zu gehen.

Peter J.

Seit dem 1. Mai 2006 sind Einzelhändler in Deutschland verpflichtet, als Pfand markierte Getränkeverpackungen zurückzunehmen, solange sie die gleichen Produkte vertreiben. Ganz egal, ob sie dort erworben wurden oder nicht. Nur steht das Hausrecht natürlich über allem. J. ist sich jedoch keiner Schuld bewusst. „Ich sehe nicht ein, dass hier willkürlich Hausverbote ausgesprochen werden“, sagt er.

Streit um Pfand in Offenbacher Rewe eskaliert

In einem Schreiben, das ihm der Vize-Filialleiter aushändigte und das unserer Redaktion vorliegt, ist von einem „Vorfall“ die Rede. „Die haben gesagt, ich wäre laut geworden, was aber überhaupt nicht stimmt“, erzählt J. „Ich bin ganz ruhig geblieben.“ Bei Rewe gibt man sich auf Nachfrage reumütig. „Das ist dummerweise eskaliert“, gibt Konzernsprecherin Anja Krauskopf zu.

Der Vorfall sei „im Sinne von keinem der Beteiligten“. Man habe am betroffenen Tag nicht mehr genügend Kästen gehabt, das habe zum Streit geführt. Man werde noch einmal mit dem Mitarbeiter sprechen – und auch mit Peter J. „Eigentlich gab es ja eine gute Kooperation mit ihm.“

Sprecherin: Rewe hat nichts gegen Pfandsammler 

Generell hat die Supermarkt-Kette laut ihrer Sprecherin nichts dagegen, wenn Pfandsammler ihr Leergut vorbeibringen, auch wenn es größere Mengen sind. „Das ist durchaus akzeptabel, wir müssen das zurücknehmen“, stellt Krauskopf klar. Vielleicht bedeute das ab und zu einen größeren Aufwand für die Markt-Mitarbeiter, aber das solle kein Grund sein, die Flaschen nicht abzugeben. „Besser, sie landen bei uns als zerbrochen im Mülleimer.“ In der Regel gebe es keine Probleme mit Pfandsammlern. „Wenn überhaupt, dann sind das Einzelfälle.“

Zu einem solchen ist nun Peter J. geworden. Doch siehe da: Noch bevor dieser Text gedruckt ist, meldet sich der Pfandsammler erneut. Der Filialleiter habe ihn kontaktiert, sich entschuldigt und ihm angeboten, das Hausverbot aufzuheben. J. nimmt die Entschuldigung an – und hat mit dem Filialleiter ausgemacht, in Zukunft nachzufragen, ob genügend Getränkekisten da sind, bevor er sein Leergut vorbeibringt. J. betont: „Für mich ist jetzt alles wieder in Ordnung.“

VON MANUEL SCHUBERT

Lesen Sie auch:

Mysteriöses Verbrechen im Wellnessbereich: Polizei fahndet nach diesem Mann: Im Wellnessbereich des Stadtbad Esperanto nahe der Ochsenwiese in Fulda ereignet sich ein Verbrechen, über das Amtsgericht stillschweigen bewahrt. Jetzt fandet die Polizei mit einem Phantombild nach einem Mann.

Drama auf der Landstraße: Mann liegt in riesiger Blutlache – Autofahrer fährt einfach weiter: Nach einem Zusammenstoß bei Schlüchtern zwischen einem Auto und einem Fahrrad liegt ein Mann bewusstlos in einer riesigen Blutlache. Den Fahrer kümmert das nicht. Er flieht von der Unfallstelle.

Tragisches Unglück: Mann stirbt nach Unfall auf der B45: Ein Mann verliert auf der B45 bei Kaichen die Kontrolle über seinen Opel und baut einen tödlichen Unfall. Er stirbt an Ort und Stelle.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare