Immer im Takt bleiben

Drachenbootregatta: 22 Teams traten gegeneinander an 

Der Maafischer, das Leserboot der Offenbach-Post, war wieder mit dabei. Michelle Ng gab dort den Takt vor.

Kaum dass der Startschuss ertönt, legen die Frauen und Männer in den Booten unter der Kaiserleibrücke los: Mit kräftigen Zügen ziehen sie die Paddel durchs Wasser, am Anfang scheint es noch leicht zu fallen. 

Offenbach – Am Sonntag lud die Sportgemeinschaft Wiking wieder zu ihrem Dragon Cup ein, 22 Teams haben sich zur diesjährigen Auflage des beliebten Wettstreits angemeldet. Neu dabei sind etwa die Torjäger, ein Team der Fußballabteilung der SG Wiking, oder das Team MTW mit Mitarbeitern des Technoclubs am Nordring. Oder die Postdrachen, ein Team aus Angestellten des DHL-Paketzentrums in Obertshausen. Benito Moreno gründete erst vor knapp vier Monaten das Team. „Ich habe einfach unter den Mitarbeitern gefragt, wer Lust zu etwas Wassersport hätte“, sagt er. Moreno ist, was das Drachenbootrennen anbelangt, ein alter Hase: Schon seit dem ersten Dragon Cup vor 17 Jahren ist er mit Teams beim Wettkampf vertreten. Ursprünglich sollte die Regatta im Sommer starten. 

„Die Deutsche Post geht doch nicht unter“

„Wir trainieren immer samstags hier bei der Wiking“, sagt Michael Andel. Sonst ist er Betriebstechniker, im Boot gehört er wie oliver Czapulak und Alexandra Moreno zu den Paddlern. Obwohl Neulinge, sei das Boot noch nie gekentert. „Die Deutsche Post geht doch nicht unter“, so Moreno lachend. Inzwischen habe das Team rund neun Kilometer im Training zurück gelegt.

Beim Wettkampf aber haben die Neulinge das Nachsehen, andere Teams wie die erfahrenen Company Dragons des Frankfurter Betriebssportsverbands sind deutlich schneller. „Unsere Teams sind von Anfang an dabei“, sagt Teamchef Joachim Heußer, Drachenbootrennen erfreue sich im Betriebssportverband großer Beliebtheit. „Ich bin zum zweiten Mal dabei“, sagt Caroline Mawrot, „paddeln macht viel mehr Spaß als ins Sportstudio zu gehen.“

Vor den jeweiligen Rennen verfolgt jedes Team eine andere Strategie: Die einen üben ihren Schlachtruf ein, andere wie die Drunken Sailors, eine englischsprachige Gruppe aus Frankfurt, bilden einen Kreis und machen gemeinsam Dehnübungen.

Während die Sportler motiviert an den Wettkampf herangehen, mangelt es etwas an Zuschauer-Zuspruch. Die Schuld liegt für Regattaleiter Manfred Reißmann an der unsteten, herbstlichen Witterung. „Noch wenige Minuten vor dem Start hat es geregnet“, sagt er.

Der Takt muss stimmen 

Während sonst das Rennen stets im Juli abgehalten wurde, musste es in diesem Jahr erstmals in den September verlegt werden. „Die Sommerferien begannen sehr früh und es gab zu viele Überschneidungen mit anderen Festen“, sagt er. 2020 soll der Dragon Cup im Terminkalender nach vorne rücken.

Für den Sportverein ist das Rennen eine Großveranstaltung: Von zwei Motorbooten aus wird der Main überwacht, 25 Helfer sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Immer wieder muss auf die Videoaufzeichnung, die von jedem Rennen gemacht wird, zurückgegriffen werden, denn oft liegen nur Zentimeter zwischen Sieg und Niederlage.

Neben der Kraft aus den Armen der Sportler entscheidet vor allem auch der richtige Takt über ein siegreiches Rennen. Für den Sorgen die Trommlerinnen vorn in den Booten. Dana Kick von den Römer Dragons Ladenburg ist eine von ihnen. Mit Trommeln und Anfeuerungsrufen sorgt sie dafür, dass die Paddler gleichzeitig agieren. „Klar macht das Spaß, 20 Leute vor sich anzuschreien und ihnen Befehle zu geben“, sagt sie und lacht. Auf ihren Takt zu achten, lohnt sich: Gerade erst haben die Römer Dragons wieder einen Vorlauf gewonnen.

„Das ist ein Sport für Jung und Alt“

„Eigentlich sind wir ein Fußballverein“, sagt Steuermann Frank Meiritz, „als Ladenburg 2005 ein Drachenbootrennen organisierte, haben wir aus Spaß mitgemacht – und das gefiel allen so gut, dass wir eine eigene Abteilung gegründet haben.“ Mitmachen könne im Prinzip jeder. „Das ist ein Sport für Jung und Alt“, sagt Meiritz, „oft sind es auch Ruderer, die das Gemeinschaftserlebnis beim Paddeln suchen.“

Auch am Gelände der SG Wiking wird Gemeinschaft groß geschrieben: Da einige Teams durch Krankheit keine eigenen Trommler stellen konnten, werden die einfach bei anderen Teams ausgeliehen. Nach den Rennen, kommen die Athleten bei Kaffee und Kuchen rasch ins Gespräch, auch die Paddler des Maafischers, des Leserbootes der Offenbach-Post. Seit der ersten Regatta zum 100-jährigen Bestehen der SG Wiking gehört der Maafischer zum festen Bestandteil des Teilnehmerfeldes.

VON FRANK SOMMER

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare