Gericht schickt Haupttäter für fünf Jahre hinter Gitter

Trio verabredet sich zu schwerem Raub - das erwartet sie jetzt

Damit hat der Hanauer Ahmed K. nicht gerechnet: Fünf Jahre und drei Monate schickt ihn die 10. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt wegen besonders schweren Raubs in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung (wir berichteten) hinter Gitter.

Offenbach – Dabei will er den Offenbacher Bekannten M. „nur“ auf sein Bett geschubst und mit Pfefferspray ruhig gestellt haben. Doch die Richter sahen den Fall ein bisschen anders.

Die Verhandlung sollte ursprünglich zusammen mit den Komplizen Boby W. und Karina S. stattfinden. Da beide an den ersten zwei Verhandlungstagen fehlten, wurde deren Verfahren abgetrennt. Auch als Zeugen erscheinen die jungen Angeklagten nicht vor Gericht: Sie machen von ihrem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch. W. sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Am 17. September 2017 suchen W. und S. ihren Bekannten M. in dessen Wohnung auf, verschaffen sich unter einem Vorwand Zutritt. Der 24-jährige Ahmed K. ist M. nicht bekannt, ihn hätte er wohl gar nicht hineingelassen. Doch S. hat absichtlich die Dönerbox im Auto vergessen und lässt bei der Gelegenheit K. durch die Tür schlüpfen. Dann geht alles ganz schnell: K. stößt M. aufs Bett, sprüht ihm Pfefferspray ins Gesicht. W. klaut aus dem Schrank 5400 Euro und eine unbekannte Menge Marihuana, dann verschwindet das Trio. M. erstattet Strafanzeige.

Kein Geld aus Drogengeschäften

„Der Hergang ist eindeutig. Hier hat eine Absprache zum Raub stattgefunden, der nicht als Milieu-Tat unter Drogenkonsumenten abgetan werden kann. W. wusste, dass M. eine größere Menge Geld, wohl aus einem Autoverkauf, zuhause lagert“, skizziert Oberstaatsanwalt Wolfgang Sattler den Fall. Er fordert fünf Jahre Gefängnis für K., der bislang nur geringfügig vorbestraft ist. M.s Oma bestätigt sogar im Zeugenstand, dass die Scheine von ihr stammten. „Das war für ein Auto und M.s Ausbildung“, so die ältere Dame. Also wirklich kein Geld aus Drogengeschäften.

Doch anstatt gleich reinen Tisch zu machen, serviert der gelernte Kfz-Lackierer K. ein Motivmärchen, für das er in seinem letzten Wort reumütig um Verzeihung bittet – leider zu spät. „Warum haben Sie sich nicht entschuldigt, als der Geschädigte seine Aussage gemacht hat? Stattdessen erzählen Sie uns hier am ersten Tag einen Riesenblödsinn. Da wäre die Chance gewesen, noch in einen minderschweren Fall hineinzurutschen“, findet der Vorsitzende Richter Jens Aßling deutliche Worte. K. hatte fälschlicherweise angegeben, M. schulde ihm schon länger 100 Euro für einen Drogendeal. Die habe er zurückhaben wollen. Von einer Raubabsprache zwei Tage vorher habe er nichts gewusst. Später gibt er auch zu, von W. 2000 Euro erhalten zu haben.

Die wichtigsten Notruf-Nummern

„Es hält Sie niemand für den bitterbösen Menschen. Sie haben sich vorher sicher nicht klar gemacht, was Sie da für ein Risiko eingehen“, resümiert Richter Aßling, „Pfefferspray kann zu schweren Verletzungen führen. Das hatten Sie dabei und haben es auch eingesetzt – und auch noch in der Wohnung von M., die einen besonders geschützten Raum darstellt.“ Während der Urteilsbegründung fließen Tränen bei K. und seiner Freundin. Ein kleines Trostpflaster zieht Aßling noch aus dem Ärmel: „Nach Paragraf 35 des Betäubungsmittelgesetzes besteht nach Verbüßung der Hälfte der Strafe die Möglichkeit, eine Drogentherapie zu machen. Ist die erfolgreich, kann der Rest zur Bewährung ausgesetzt werden.“

Von Silke Gelhausen

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Rubriklistenbild: © Symbolbild: picture alliance/dpa

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