Jahr für Jahr 100 Autowracks

Zu viele Autowracks: Stadt muss die Mittel fürs Abschleppen jetzt verdoppeln

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Stillgelegt und abgestellt: In Offenbach (hier in der Kurt-Tucholsky-Straße) werden immer wieder Fahrzeuge auf diese Art entsorgt.

Der ungebremste Zuzug bringt die Stadt an ihre Grenzen. Ein Beispiel: Die Zahl der Kraftfahrzeuge ist binnen zehn Jahren von 54 921 auf 66 695 (Stand: 31. Dezember 2018) gestiegen. Parallel sieht sich die Verwaltung gezwungen, immer mehr Autowracks zu beseitigen. 

Offenbach - In ihrer nächsten Sitzung (Donnerstag, 27. Juni, 17 Uhr, im Rathaus) haben die Stadtverordneten über die „Neuvergabe des Leistungsvertrages Abschleppen von ordnungswidrig abgestellten Fahrzeugen und Schrottfahrzeugen“ zu befinden. Hört sich jetzt nicht so spannend an, aber im Weiteren heißt es in der Magistratsvorlage. „Wegen der steigenden Zahl der in Offenbach abgestellten Autowracks, bei denen ein Verursacher nicht zu ermitteln ist, werden für die Folgejahre Mittel in Höhe von 60.000 Euro eingeplant.“ Bislang haben dafür im Haushaltsansatz stets 30.000 Euro ausgereicht.

Solche aufgegebenen Automobile fallen zunächst nicht weiter auf. Dann fehlen auf einmal die Kennzeichen, verdrecken ringsum die Scheiben, verliert einer der Pneus langsam die Luft, fehlt möglicherweise ein Außenspiegel. In der Regel werden die Nachbarn aktiv. „Die Bürger nutzen dafür vor allem unseren elektronischen Mängelmelder. Im vergangenen erreichten uns so 796 Meldungen“, sagt Ordnungsamtsleiter Peter Weigand.

Autowracks: Frist von drei Tagen, sonst wird ermittelt

Seine Mitarbeiter versehen im Falle eines Falles das Fahrzeug mit einem markanten orange-farbenen Aufkleber im DIN-A4-Format. „Dieser setzt eine Frist von drei Tagen, in der Regel erfolgt die Nachkontrolle durch das Ordnungsamt nach sieben Tagen“, erläutert Weigand die übliche Vorgehensweise. Steht das Auto dann immer noch auf der Straße oder auf einem Parkplatz, ermittelt das Ordnungsamt anhand des Kennzeichens (falls vorhanden!), der Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) oder der Umweltplakette den letzten Halter. Der bekommt eine schriftliche Beseitigungsverfügung.

Und dann verschwindet das hässliche Blech und die Stadt erhält ihr Geld? „Nein“, tritt der Ordnungsamtsleiter auf die Euphorie-Bremse. Das Problem nicht allein in Offenbach: „Da ein Vertrag über den Verkauf eines Fahrzeugs keinerlei Formvorschriften unterliegt, ist es für das Ordnungsamt aufgrund unklarer Angaben über den neuen Besitzer oft nicht möglich, diesen zu ermitteln...“

Dabei gibt es feine Unterschiede. Als Autowracks werden nicht nur diejenigen Fahrzeuge erfasst, welche augenscheinlich nicht mehr betriebsbereit auf öffentlichen Straßen abgestellt wurden, sondern alle Fahrzeuge, die ohne gültiges amtliches Kennzeichen im öffentlichen Raum stehen. In etwa 80 Prozent der Fälle handelt es sich um solche „normalen“ Vorgänge, bei denen bis zur Wiederzulassung eine gewisse Zeit vergeht.

Pro Jahr werden gut 100 Schrottfahrzeuge abgeschleppt

Bei den anderen zirka 20 Prozent handelt es sich um fahruntüchtige Fahrzeuge älterer Baujahre, welche von den letzten Besitzern aufgegeben wurden. „Da sich die Recherchen nach dem letzten Fahrzeugbesitzer in solchen Fällen sehr schwierig gestalten, bleibt die Stadt oftmals auf den entstandenen Kosten sitzen. Pro Jahr werden gut 100 Schrottfahrzeuge abgeschleppt“, heißt es in der Vorlage.

Dabei ist etwas Eile geboten, da der bisherige „Leistungsvertrag“ zum 21. Juli 2019 ausläuft. Nun soll eine EU-weite Ausschreibung vorgenommen werden.

Wo bleiben die Altfahrzeuge?

Mehr als 46 Millionen Autos rollen über deutsche Straßen. Während jährlich rund zwei Millionen als Gebrauchtwagen exportiert werden, fallen gut 400.000 als Altfahrzeuge an. Bei mehr als einer halben Million ist die Verwertung nicht belegt. Die Altfahrzeuge werden demontiert und anschließend geschreddert. 2016 wurde 98 Prozent der Altfahrzeugmasse verwertet. Zum Vergleich: 2016 fielen die meisten Altfahrzeuge in der EU in Großbritannien (1,1 Mio.) an, gefolgt von Frankreich (1 Mio.), Italien (980.000) und Spanien (610.000) an. Dabei werden in Deutschland die EU-weit vorgegebenen Recycling- und Verwertungsquoten stets eingehalten.

VON MARTIN KUHN

Weitere Infos: pio.offenbach.de sowie t1p.de/of-altfahr

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