Kirche

Zwei Offenbacher predigen auf dem 37. Evangelischen Kirchentag

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Stehen beim Eröffnungsgottesdienst am 19. Juni auf dem Dortmunder Friedensplatz im Mittelpunkt: Pfarrerin Henriette Crüwell und Schüler Maximilian Winter.

Nein, sagt Maximilian Winter, nervös sei er noch nicht. „Das kommt dann zwei Sekunden vorher. “ Bei Henriette Crüwell sieht es anders aus: „Ich bin aufgeregt“, gibt sie zu. Aber nicht unbedingt des Lampenfiebers wegen. „Sondern weil noch nicht alles steht.

Offenbach – "Und weil ich hoffe, dass wir was Gutes hinkriegen."

Die beiden Offenbacher wurden nämlich für eine verantwortungsvolle Aufgabe auserkoren: Crüwell, 48, Pfarrerin der Friedenskirche, und Winter, 17, Albert-Schweitzer-Schüler, dürfen im Sommer beim 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund predigen. Und zwar gemeinsam. „Ich freue mich sehr“, sagt Crüwell. „Der Kirchentag ist eine tolle Veranstaltung, die einen stärkt.“

Am Mittwoch, 19. Juni, wird das ungleiche Duo aus Offenbach um 17.30 Uhr an die Kanzel treten. Gleich drei Eröffnungsgottesdienste finden parallel statt, für drei unterschiedliche Zielgruppen. Crüwell und Winter predigen auf dem Friedensplatz vor womöglich bis zu 11 000 Zuhörern beim „Gottesdienst für Groß und Klein“. Mit dabei sind außerdem eine Theatergruppe aus Wuppertal, Tänzerinnen aus Dortmund, ein Jugendposaunenchor aus Bielefeld und ein Ensemble der Evangelischen Pop-Akademie Witten.

Die Idee für das predigende Zweigespann kam von den Veranstaltern. Crüwell kannten sie bereits, da sie in der Vergangenheit schon mehrfach Projekte beim Kirchentag mitgeplant hatte. Also wurde die Offenbacher Pfarrerin kontaktiert und gebeten, einen jugendlichen Mitstreiter zu organisieren. Nur: In ihrer eigenen Gemeinde, in der die gebürtige Offenbacherin seit 2016 arbeitet, fand sich niemand im passenden Alter.

Ein Bekannter gab schließlich den entscheidenden Tipp: Warum nicht mal bei Maximilian Winter anfragen? Der sei als ehemaliger Bürgeler Kinderprinz, Büttenredner beim OKV und langjähriges Mitglied der Theatergruppe Elmar bühnenerprobt, außerdem in der Mirjamgemeinde aktiv und habe zu kirchlichen und politischen Themen was zu sagen. So fanden die beiden zu einander – mittlerweile haben sie sich bereits mehrfach getroffen, um ihre Predigt zu planen. Bei „sehr anregenden, spannenden Gesprächen“, wie Crüwell findet.

Für die Pfarrerin ist es nicht das erste Mal, dass sie vor so vielen Menschen spricht. Beim Ökumenischen Kirchentag 2010 in München übernahm sie bei einem Gottesdienst auf dem Odeonsplatz die Lithurgie. Doch für solch eine Menschenmenge zu predigen, das sei noch einmal etwas anderes, glaubt sie. „Bei einer Predigt öffnet man sich viel mehr.“ Auch für Winter wird es eine neue Erfahrung. Zwar spielte er schon Theater vor 800 Zuschauern, unterhielt als Fastnachtsredner die voll besetzte Stadthalle und predigte auf seinem eigenen Konfirmationsgottesdienst. Doch diese Größenordnung ist für den Teenager natürlich ungewohnt. Angst macht ihm das jedoch keine: „Ich denke, es wird eine Bereicherung.“

Die Predigt der zwei Offenbacher wird sich am Motto des Kirchentags orientieren, das da lautet: „Was für ein Vertrauen“. Bei ihren Vorbereitungen haben die beiden erkannt, dass die Frage, auf was und wen man sich verlassen kann, hochaktuell ist. „Das ist Thema in ganz vielen Gesprächen“, berichtet Winter. An den Klima-Protesten von „Fridays for Future“ zeige sich etwa der Zweifel der jüngeren Generation, ob sie den Eltern und Mächtigen noch vertrauen könne. „Oder das Thema: Welcher Plattform kann ich meine Daten anvertrauen?“ Crüwell hat eine „Grundverunsicherung“ festgestellt. Oft würden nur Geschichten über enttäuschtes Vertrauen erzählt. Deswegen wolle man in der Predigt einen Gegenpol setzen. „Wenn ich weiß, wem ich vertrauen kann“, so Crüwell, „gibt mir das einen stabilen Stand.“

Schlage man die Zeitung auf, könne man vor lauter schlechter Nachrichten aus aller Welt fast verzweifeln, so die Pfarrerin. „Der Glaube stärkt mich aber, mir die Hoffnung auf ein gutes Morgen nicht nehmen zu lassen.“ Für Winter ist er „ein Hoffnungsspender“, der ihm in schwierigen Zeiten „Halt gegeben“ habe. Davon wollen die beiden in Dortmund erzählen. Vor vielen tausend Zuhörern.

VON MANUEL SCHUBERT

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