Land Hessen erwirbt Grundstücke am Hafen

HfG-Umzug wird konkret

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Die zwei Ausführungen des Kaufvertrags präsentieren gestern (von links) HfG-Präsident Prof. Bernd Kracke, Wissenschaftsministerin Angela Dorn, Oberbürgermeister Felix Schwenke, Mainviertel-Chefin Daniela Matha und Bürgermeister Peter Freier.

Seit Jahren sind für den geplanten HfG-Neubau im Hafen zwei Grundstücke reserviert. Schließlich ist der Umzug der Hochschule für Gestaltung aus der Innenstadt ins prosperierende Viertel ausgemachte Sache zwischen Offenbach und Wiesbaden.

Offenbach – Seit gestern ist das Ganze konkreter. Das gut 1,5 Hektar große Areal ist verkauft. Das Land zahlt 13 Millionen Euro.  Was die Nutzung des bisherigen Innenstadt-Standortes inklusive Isenburger Schloss anbelangt, gibt man sich ein wenig zugeknöpfter. Man erwartet eine „für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung“, heißt es. Auch der Zeitplan ist noch wenig detailliert.

Nebeltöpfe lassen rote, grüne und gelbe Wolken emporsteigen. Aus dem Boxen, die vor der Kressmann-Halle aufgestellt sind, wabern elektronische Soundfragmente. Das Duo BBB_ (Alla Popp und Alexander Sahm) machen sicht- und hörbar, dass sich etwas im Offenbacher Hafen tut. Sie erweitern mit ihrer Performance gewiss den künstlerischen Horizont der geladenen Gäste. Und die Botschaft dahinter ist gestern Mittag deutlich: Mit der HfG kündigt sich ein ganz neuer Nutzer in dem Viertel an, das bislang überwiegend als Standort von Wohnungen und Dienstleistungen wahrgenommen wird.

Die Protagonisten sind voll des Dankes. Man hat angesichts der freudigen Gesichter das Gefühl: Jeder dankt jedem. Die HfG dem Land. Hessen der Stadt. Offenbach der Hochschule. Und die Mainviertel GmbH allen. Aber mal der Reihe nach. Am neuen Standort stehen für die Entwicklung der Hochschule zukünftig rund 15 000 Quadratmeter Grundstücksfläche zur Verfügung. Voraussichtlich noch in diesem Jahr soll ein internationaler Architektenwettbewerb für den Neubau ausgelobt werden, mit dem die künftige Bebauung des Areals dann festgelegt werden soll. Bezug? „Hoffentlich während der Amtszeit der Ministerin“, so Professor Bernd Kracke, Präsident der HfG.

Da hat Angela Dorn noch etwas Zeit. Die Grünen-Politikerin ist am 18. Januar 2019 zur Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst ernannt worden. Für die Ministerin ist der gestrige Termin nicht der erste Kontakt im Offenbacher Hafen. Vor sechs Jahren führt Tarek Al-Wazir die damalige Landtagsabgeordnete durch das Gebiet. Heute konstatiert sie: „Es ist eine erstaunliche Entwicklung, die hier passiert.“

Der Hafen ist zum Stadtteil gewachsen: Nun zeichnet sich ab, dass die HfG den lange geplanten Neubau erhält. Das Areal (blau) ist verkauft. Grün: Gutsche-Park.

Dass Angela Dorn als verantwortliche Ministerin nun daran erheblich mitwirkt, stellt sie nicht in den Mittelpunkt. Entscheidend für den aktuellen Vertragsabschluss sei vielmehr gewesen, dass ein ehemals angedachter Grundstückstausch (Schlossstraße, Hafen) zu den Akten gewandert ist. „Ich bin froh, dass das voneinander gelöst wurde.“ Den Neubau sieht sie als Chance für die HfG, „ein neues Gesicht, ein neues Außenbild zu bekommen, das den eigenen Design-Maßstäben gerecht werden sollte“.

Über die Zukunft des bisherigen Standorts schweigt sie wie alle anderen. Fakt ist: Er bleibt im Besitz des Landes. In welche Richtung es gehen könnte, deutet der Oberbürgermeister an. Felix Schwenke betont selbstbewusst: „Wir sehen uns als Universitätsstandort.“ Auch wenn die Zahl von beinahe 800 Studenten das im Verhältnis zu den 135 000 Einwohnern aktuell nicht widerspiegele. Aber: „Wir warten ab, welche Bedarfe das Land Hessen hat. Wir haben schließlich keinen Zeitdruck.“ Ein wünschenswertes Ideal wäre wohl, wenn Wiesbaden am HfG-Standort (neben den Gewerblich-technischen Schulen) eine Fachhochschule etabliert. Wie gesagt: „Wir haben noch viel Zeit.“

HfG-Präsident Prof. Bernd Kracke wertet den geschlossenen Kaufvertrag als „wichtiges perspektivisches Signal“. Der Neubau sei mehr als ein Umzug von A nach B. „Der Tag steht für einen Neustart. Nun können wir mithalten im Kampf um die besten Köpfe.“ Das umfasst für ihn sowohl die Lehrenden als auch die Studenten. Kracke ist sich sicher: „Der Neubau wird sich lohnen – für den Standort Offenbach, für den Standort Hessen.“

VON MARTIN KUHN

Von Frauenfeindlichkeit und Mobbing war die Rede. Was ist seitdem passiert an der Hochschule in Offenbach? Welche strukturellen Missstände gibt es dort?

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