Mainarbeit und Arbeitsagentur müssen Flut neuer Anträge bewältigen

Offenbach: Hilfe in der Corona-Krise - Soziale Härten abfangen

Offenbach – Beide Offenbacher Anlaufstellen für Menschen, deren Einnahmequellen versiegen oder nur noch spärlich tröpfeln, bekommen die Corona-Krise zu spüren.

Sowohl die städtische Mainarbeit als auch die staatliche Arbeitsagentur haben eine Fülle neuer Anträge auf Unterstützung zu bewältigen.

Etwa 150 Anträge auf Leistungen der Grundsicherung seien seit Beginn der Krise pro Woche beim Jobcenter Mainarbeit eingegangen. Die Zahl der Empfänger des sogenannten Hartz IV dürfte damit um weit mehr als tausend steigen. Die Bearbeitung der Anträge werde so schnell wie möglich erledigt, versichert Bereichsleiterin Susanne Pfau: „Wichtig ist aber, dass dem Antrag alle notwendigen Unterlagen und Informationen beigefügt sind.“

In Zeiten von Corona: Kurzarbeitergeld ist Thema der Stunde

Für die Agentur für Arbeit ist das Kurzarbeitergeld das Thema der Stunde: Laut ihrem Offenbacher Chef Thomas Iser wurden bundesweit seit Beginn der Corona-Krise 40-mal mehr entsprechende Anträge gestellt als während der Spitzen der globalen Finanzkrise 2008/09. Im April hatten im Offenbacher Agenturbezirk 3762 Betriebe Kurzarbeit angezeigt.

Sozialdezernentin geht nicht von schnellem Ende der Corona-Krise aus

Iser kennt die gedrückte Stimmung in der Wirtschaft. „Wie heftig die Auswirkungen sein werden, hängt vor allem von der Dauer und der Intensität der Schutzmaßnahmen ab“, sagt er. Offenbachs Sozialdezernentin Sabine Groß geht derzeit nicht von einer schnellen Normalisierung der Situation und damit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage Einzelner aus. „Dass manche bisher einträgliche Geschäftsmodelle jetzt an ihre Grenzen stoßen, ist zum Teil Folge der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie“, schätzt sie. Die Stadt versuche, die sozialen Härten abzufangen.

Corona-Schutzmaßnahmen betreffen alle Branchen

Es sind unter vielen anderen auch Gastronomen, Grafiker, Frisöre, Künstler, Taxifahrer und Veranstaltungstechniker, die leiden. Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus betreffen aber alle Berufe und Branchen, Selbstständige, Auszubildende, Angestellte, Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Geschäfte, Theater und Galerien sind geschlossen, Veranstaltungen bis auf Weiteres abgesagt, es braucht weder Plakate noch Catering.

Menschen, die bis vor wenigen Wochen noch ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten, stehen plötzlich vor der Frage, wie sie ihre Miete oder ihre Mitarbeiter bezahlen und ihren Kühlschrank füllen sollen.

Bundesregierung geht gegen Corona-Krise vor

Sozialdezernentin Groß kann sich gut vorstellen, dass es für viele, beispielsweise Solo-Selbstständige, eine ungewöhnliche Situation darstellt, nun Sozialleistungen wie die Grundsicherung beantragen zu müssen. Sie wirbt um Verständnis, dass die Mainarbeit-Mitarbeiter nur im Rahmen der bestehenden gesetzlichen Möglichkeiten arbeiten können.

Und den Rahmen stecken das Sozialgesetzbuch II und andere inzwischen aufgelegte Förderprogramme ab. Zusätzlich versucht die Bundesregierung, auch jene Menschen mit dem Instrument der Kurzarbeit und Vereinfachungen im Arbeitslosengeld I aufzufangen, die massive finanzielle Auswirkungen zu befürchten hätten.

Anträge für Corona-Hilfen steigen rapide

Über die Möglichkeiten informieren Mainarbeit und Agentur für Arbeit nur noch online und telefonisch. Denn ihre Gebäude in der Berliner Straße und in der Domstraße sind seit Mitte März für Publikumsverkehr geschlossen.

Im personell kurzfristig aufgestockten Servicecenter hat sich die Zahl der Anrufe laut Geschäftsführer Matthias Schulze-Böing in Wochenfrist mehr als verdoppelt. So lag der Spitzenwert Anfang April bei fast 1200 Anrufen pro Woche. Inzwischen hat sich das Volumen wieder etwas reduziert und liegt nun bei ungefähr 700 pro Woche. Über 200 Mal pro Woche wurden im April Antragsunterlagen Anrufern versandt.

Rund 90 Prozent der Anrufe können sofort bedient werden. „Das ist für telefonische Servicecenter auch branchenübergreifend ein sehr guter Wert“, weiß Schulze-Böing. Für Selbstständige wurde zudem eine eigene Hotline eingerichtet, um deren besonderer Situation besser gerecht zu werden.

Jobcenter hilft über Corona-Krise hinweg

„Es gibt oft unklare Vorstellungen, was die Grundsicherung im Rahmen des bestehenden Rechts leisten kann“, schildert der Geschäftsführer der Mainarbeit: „Wir versuchen deshalb klarzumachen, was wir als Jobcenter leisten können, um so falschen Erwartungen entgegenzuwirken.“ Für viele sei zum Beispiel überraschend, dass nicht nur die eigene Einkommenssituation, sondern auch die des Ehe- oder Lebenspartners in die Prüfung einbezogen werde.

Sozialstadträtin Sabine Groß bedankt sich bei den Mainarbeits-Beschäftigten, die nun viel Arbeit bewältigen müssen. Die Hälfte der Belegschaft erledigt das von zuhause aus. Die seit fünf Jahren bestehende elektronische Aktenführung hat zum Beispiel die Umstellung auf Homeoffice wesentlich erleichtert.  

tk

Nach kurz nach den Schulöffnungen in Hessen, kommt die Hiobsbotschaft aus Offenbach: Ein Schüler hat sich mit Corona infiziert. Die scharfe Kritik folgt unvermeidlich. 

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