HfG bei Messe Ambiente

Fantasievoll genudelt

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Die angehenden Produktgestalterinnen Lena Huber und Claire Wildenhues zeigen auf der Messe Ambiente die Ergebnisse der „Nudel-Studien“ an der HfG.

Offenbach - Pasta ist mehr als nur ein Nahrungsmittel: Studenten der HfG im Fachbereich Produktgestaltung widmeten ihr ein ganzes Semester. Ihre Kreationen zeigen sie noch heute auf der Messe Ambiente. Von Veronika Schade 

Packung auf, rein ins kochende Wasser, Tomatensauce drüber. Kaum jemand widmet Nudeln mehr Aufmerksamkeit. Anders an der Hochschule für Gestaltung. Die Professoren Petra Kellner und Peter Eckart erhöhten sie zum Studienobjekt, ihre Studenten befassten sich intensiv mit den Teigwaren. Mit Erfolg: Die Ergebnisse ihrer Nudel-Studien sind noch heute auf der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt zu bestaunen.

Ein bisschen skeptisch seien sie zunächst schon gewesen, gestehen die Studentinnen Lena Huber und Claire Wildenhues. Im Fachbereich Produktgestaltung wurde zu Beginn des zweiten Semesters das Thema Pasta vorgegeben. „Aber wir merkten schnell, dass viel mehr dahinter steckt, als man auf den ersten Blick vermutet“, erzählt Wildenhues. Die 30 beteiligten Studenten fanden vielfältige Möglichkeiten, sich der Nudel zu nähern – etwa über die Form und Herstellungsweise. „Wir fragten uns: Was gehört zum Nudelessen überhaupt alles dazu?“, sagt Huber. „Wie integriert sich die Nudel in unser Essverhalten?“, ergänzt Wildenhues schmunzelnd.

Grübeln über Traditionnelles

So grübelten die Studenten über Traditionelles, um daraus Innovatives abzuleiten. Huber entwickelte das herkömmliche Nudelholz weiter. Ihre zweiteilige Kreation besteht aus Aluminium und Walnussholz und ermöglicht die einfache Zubereitung von Pasta in nur zwei Schritten: Schritt eins mit Holz ausrollen. In Schritt zwei kommt das scharfkantig gerillte Aluminium darüber, schon wird der Teig beim Rollen in Tagliatelle-Streifen zerteilt. Wildenhues befasste sich mit dem klassischen Spätzlebrett, das durch eine schräg abfallende, modernisierte Form eine vereinfachte Handhabung verspricht.

Kommilitone Felix Pape entwarf eine „Pasta-Pistole“: In Kartuschen gefüllter Teig wird mithilfe einer Presse durch verschiedene Düsenaufsätze in den Topf gepresst. So können klassische Formen hergestellt werden oder auch individuelle und neue Formen und Experimente. Das Teigpräparieren und Ausrollen fällt weg.

Die meisten Studenten experimentierten mit den Nudeln an sich. Welche Oberfläche nimmt am besten Soße auf? Welche Form lässt sich gut mit der Gabel aufnehmen, was passt zum Löffeln? Welche Kriterien muss der Teig erfüllen? Was eignet sich zum Salat, was passt eher zur Suppe? Gibt es andere Zubereitungsmöglichkeiten als Kochen? Anhand solcher Fragestellungen entwarfen die kreativen Köpfe aus Offenbach noch nie gesehene Nudelvariationen. Nudeln verschiedener Größen und Strukturen, die an Cornflakes, Bienenwaben, Schwämme oder Korallen erinnern.

Hübsch anzusehen

Zum Beispiel „Corallo“ von Felicitas Gehring, das eine Hirnkoralle zum Vorbild hat. Durch Windungen und den Hohlraum im Inneren soll die runde Nudel besonders viel Soße aufnehmen und so ein intensiveres Geschmackserlebnis vermitteln.

Hübsch anzusehen und ideal für Suppenfreunde mit Hang zur Romantik ist die Kreation „Soupalora“ von Judith Block. In ihrer Form erinnert sie an eine Seerose, und wie eine solche schwimmt sie an der Oberfläche. Die geringe Wanddicke von einem halben Millimeter und eine besonders weiche Rezeptur erlauben es, die blumenartigen Nudeln in ungekochtem Zustand zur Suppe hinzuzufügen. Erst wenn sie gar sind, gehen sie unter.

Kurios ist auch Benjamin Slatterys „Mikrowellen-Nudel“. Die kreisrunden Vertiefungen in der plattenförmigen Nudel werden zunächst mit Wasser gefüllt. Anschließend kommt die Nudel in die Mikrowelle. Durch die Hitze verdampft das Wasser in den Vertiefungen und gart die Teigware.

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Nach der theoretischen Vorbereitungszeit arbeiteten die Studenten zwei Monate lang praktisch an ihren Kreationen, stellten in der HfG eifrig Nudeln her. Gekocht haben sie aber nur einige wenige – schließlich handelt es sich um wertvolle Prototypen. „Es sind teilweise super komplexe Formen, die wir im 3D-Programm gezeichnet haben. Ihre Herstellung ist nicht ganz einfach“, sagen Wildenhues und Huber. Dass die HfG-Nudeln eines Tages auch in der kommerziellen Nudelproduktion etablieren könnten, schließen die 25-Jährigen nicht aus: „Manche Konzerne nutzen mittlerweile 3D-Drucker für ihre Nudelproduktion. Damit ließen sich auch unsere Entwürfe herstellen.“Zunächst aber erfreuen sich nur die Besucher der Ambiente am Anblick der etwas anderen Pasta aus Offenbach.

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