Deutschlandzentrale des koreanischen Pkw-Herstellers

Offenbach wichtig für Hyundai

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Die Deutschlandzentrale von Hyundai ist am Kaiserlei angesiedelt. Der koreanische Autobauer hat in den vergangenen Jahren seinen Absatz massiv hochgefahren.

Offenbach - Offenbach ist für den koreanischen Autobauer Hyundai ein wichtiger Standort. Hier wird über die Strategie des Konzerns entschieden. Von Axel Wölk

Der weltweit fünftgrößte Autobauer Hyundai sitzt mit seiner Deutschland- und Europazentrale direkt am Kaiserlei. Während auf dem Kreisel die Autofahrer hektisch ihren Weg in den Feierabend suchen, herrscht beim Autokonzern in der ausgedehnten Lobby Ruhe pur. Blankgeputzte Vorzeigemodelle glänzen im trüben Dezemberlicht – von dem Kleinwagen i20 und dem kompakten i30 bis hin zum Mittelklassewagen i40 sowie schließlich zum neuen Hoffnungsträger, dem Kompakt-SUV Tucson. Hyundai will als drittgrößte Importmarke in Deutschland weiter ganz vorne mitmischen, wie Pressesprecher Bernhard Voß versichert. Die Zahl der Neuzulassungen liegt seit längerem konstant über 100.000 Autos. In nur zehn Jahren haben die Südkoreaner ihren Absatz glatt verdoppelt. Das Niveau soll so bleiben: Für dieses Jahr peilt Hyundai Deutschland einen Marktanteil von 3,4 Prozent an.

Offenbach sei für die Konzernspitze in Seoul mehr als nur eine typische Vertriebsgesellschaft, erläutert Voß. Im Konzern spiele die Regionalisierung eine ganz entscheidende Rolle: „Die Zentrale folgt in der Regel den Anregungen und Impulsen aus den Märkten.“ Das spiegelt sich nicht zuletzt in der Nähe Offenbachs zum Entwicklungszentrum in Rüsselsheim wider. Die Konstrukteure und Ingenieure horchen laut Voß ganz genau auf den Puls des Marktes. Und diesen spürten die Marktexperten am Kaiserlei ziemlich genau. Sie wüssten, welche Modelle Käufer finden dürften – und welche eben nicht. Von 95 Prozent der in Europa abgesetzten Hyundai-Fahrzeuge stammt das Design aus Rüsselsheim.

Knapp 400 Mitarbeiter stehen am Standort Kaiserlei in Lohn und Brot. Sie prägen eine Konzernstrategie mit, die Hyundai seit geraumer Zeit global umsetzt. Das Unternehmen will weg vom früher verbreiteten Image als Billiganbieter hin zu qualitativ hochwertigen Modellen. Klein-, Kompakt- und SUV-Modelle leisten deutschlandweit in etwa gleich große Absatzbeiträge. Große Probleme sieht Voß nicht: Preisbewusste Hyundai-Käufer würden sich häufig finanziell selbst weiterentwickeln und tiefer in die Tasche greifen.

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Der neue Fokus des Konzerns sticht ins Auge. Voß schwärmt keineswegs über ein riesiges Potenzial des deutschen Markts für Hyundai, sondern stellt heraus, dass die Leser der Auto-Bild dem Kompaktwagen i20 das „Goldene Lenkrad“ verliehen haben. Über die Marktchancen für Importeure in Deutschland machen sich die Offenbacher wenige Illusionen. Auf einem Markt, der stark von der einheimischen Industrie geprägt ist, haben es Importeure traditionell schwer. Seit vielen Jahrzehnten teilen Firmen wie VW, Daimler und BMW zwei Drittel der Neuzulassungen untereinander auf. Dieser Wert sei relativ konstant. Um das übrige Drittel lieferten sich dann Südkoreaner, Japaner, Franzosen und US-Amerikaner einen harten Wettbewerb. Die Geschäftsführung von Hyundai Deutschland will insofern vor allem den Bekanntheitsgrad der eigenen Marke voranbringen.

Dass sich Hyundai und der Schwesterkonzern Kia auch in der Fertigung nach Europa vorgewagt haben – 92 Prozent der in Europa verkauften Hyundai werden auch auf dem Kontinent produziert –, zahle sich für die Kunden aus, betont Voß. Eine ganze Reihe von Modellen wird in Tschechien und in der Türkei montiert. Auf solche Autos muss der Kunde dann auch nur vier bis sechs Wochen warten anstatt drei bis vier Monate, wenn der Wagen in Südkorea verschifft wird. Insofern profitiert das Unternehmen von seiner schieren Größe. An diesem Punkt hakt Voß ein und bringt die Konzernsicht ins Spiel. Hyundai ist ein sogenanntes Chaebol – ein klassisch familiengeführter Mischkonzern. Aus diesem Grund produziert der Konzern als einziger Autobauer weltweit 80 Prozent der in der Fertigung verwendeten Stähle selbst. Bei möglicherweise in der Zukunft wieder anziehenden Stahlpreisen könnte sich das als klarer Pluspunkt entpuppen.

Dass Hyundai sich in Offenbach ansiedelte, ist für die Lederstadt ein echter Glücksfall. Oberbürgermeister Horst Schneider persönlich trommelte einst für den finanzkräftigen Investor. Der Rathauschef engagierte sich selbst als Stadtführer und zeigte vor dem Umzug Hyundai-Mitarbeitern die Vorzüge Offenbachs. Es gebe auch heute noch rege Kontakte zum Rathaus, betont Voß. „Wir eröffnen demnächst vor Ort eine eigene Wasserstoff-Tankstelle. Da gab es viel Unterstützung aus der Politik.“ Überhaupt setzen die Südkoreaner stark auf die Brennstoffzelle: „Wir sind hier Pionier.“ Mit den in diesem Jahr bisher verkauften 100 wasserstoffbetriebenen Autos zeigt sich Voß hochzufrieden. Das garantiere abseits jeglicher Profitabilität eine ganze Menge Aufmerksamkeit. Bei Hyundai machen mitunter auch Deutsche groß Karriere. Mit Peter Schreyer gibt es schon heute einen deutschen Chef für das globale Design.

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