Reaktivierung als Wahlkampf-Thema entdeckt

Idee von Straßenbahnlinie 16 nimmt Fahrt auf

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Bis 1996 führte durch die Frankfurter Straße die Straßenbahnlinie 16, die von Oberrad bis zum Offenbacher Marktplatz fuhr. Wie hier an der Kreuzung zur Ludwigstraße liegen die alten Schienen noch. In der Politik keimt nun die Idee, die Linie bis zur Kaiserstraße zu reaktivieren.

Offenbach - Was am 1. April 2016 noch ein Scherz war, hat Einzug in den OB-Wahlkampf gehalten: Damals verkündete die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) eine Wiederaufnahme der Straßenbahnlinie 16 von Oberrad nach Offenbach zu prüfen. Von Steffen Müller

Mittlerweile hat die Politik das Thema aufgegriffen. Doch bis zu einer möglichen Umsetzung ist es noch ein weiter Weg. Eine Idee – mehr ist die Wiederaufnahme der Straßenbahnlinie 16 derzeit nicht. Einzig die Streckenführung von der Stadtgrenze am August-Bebel-Ring durch die Frankfurter Straße bis hin zur Kaiserstraße wurde konkretisiert. „Sonst gibt es noch überhaupt keine Planung. Es muss alles erst noch geprüft werden“, sagt der CDU-Kandidat und Kämmerer Peter Freier, der das Thema durch die Aufnahme in sein Wahlprogramm wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt hat.

In der Redaktion erreichten uns Leserbriefe, die von „absolut sinnvoll“ bis „absolut unnötig“ das gesamte Meinungsspektrum abbilden.

Auch Freiers politische Kontrahenten nehmen die Diskussion auf. Zuletzt SPD-Kandidat Felix Schwenke, der in seinem am Donnerstag vorgestellten Wahlprogramm vorschlägt, auch unter Beteiligung der Bürger, zu prüfen, ob durch die Straßenbahnverbindung zwischen Oberrad und der Kaiserstraße die Erreichbarkeit der Innenstadt gesteigert werden kann. Dies ist nämlich Ziel des sogenannten Masterplan City, der die Belebung der Fußgängerzone und des Einzelhandels in Offenbach vorsieht.

„Die Diskussion ist dringend nötig“, sagt CDU-Mann Freier. „Wir müssen darüber sprechen, wohin sich die Innenstadt entwickelt und wie wir die Fußgängerfrequenz erhöhen können.“ Freier hofft, dass durch die Anbindung von Oberrad an Offenbach mehr Menschen aus dem Frankfurter Südosten den Weg in die Nachbarstadt finden, so wie es vor der Einstellung der Linie 16 im Jahr 1996 der Fall war. „Jetzt kommen die Oberräder nicht mehr nach Offenbach“, bemängelt Freier.

Jemand, der nach eigenen Angaben vor mehr als 20 Jahren schon für den Erhalt der „16“ kämpfte und sich auch heute wieder für eine Wiedereinführung einsetzt, ist Horst Schneider. „Ich war mit dem damaligen Oberbürgermeister Gerhard Grandke im Konflikt, weil ich die Linie 16 nie rausnehmen wollte“, sagt der aktuelle OB. Schneider ist nach wie vor ein Fan des schienengebundenen Nahverkehrs, da ein breites Angebot dazu beitrage, das Pkw-Aufkommen in der Stadt zu reduzieren. „Es war eine Untat, den Straßenbahnverkehr in Offenbach einzustellen“, so Schneider.

Der OB geht sogar noch einen Schritt weiter. Er hat die Vision von einer Ringlinie, die weiter über das Hafenviertel und den Main führt und Offenbach mit Fechenheim verbindet. „Die Zukunft ist ein Stadtraum ohne Grenzen und ich glaube, dass das früher oder später auch so kommen wird.“

Fotos zum Bieberer Markt 2017

Eine Verbindung vom Hafen über die Carl-Ullrich-Brücke ist auch die von Bürgermeister Peter Schneider (Grüne) favorisierte Variante. „Eine gute ÖPNV-Verbindung ist auf jeden Fall sinnvoll.“ Ob die Wiederaufnahme der Linie 16 ebenfalls sinnvoll ist, bezweifelt Schneider allerdings. Und: „Es ist nicht das dringendste Thema in Offenbach.“ Das sieht der FDP-Fraktionsvorsitzende Oliver Stirböck anders: „Die Zeit ist reif, entweder die Straßenbahn zu revitalisieren oder die stärkere Verzahnung von Offenbach und Frankfurt durch Busse zu erreichen.“

Unterstützung bekommen die Offenbacher Befürworter der Linie 16 aus Frankfurt. Dort steht eine Prüfung der Verlängerung im Koalitionsvertrag der schwarz-rot-grünen Regierung. Allerdings heißt es aus der Nachbarstadt auch, dass Offenbach für die Kosten des Ausbaus aufkommen müsse. Dem widerspricht Peter Freier. „Es geht nur als gemeinschaftliches Projekt.“

Allerdings sind die Kosten wie so vieles andere noch völlig ungewiss. Auch zum Verlauf des Schienennetzes sind noch viele Fragen offen. Der Leiter des Offenbacher Stadtplanungsamts, Markus Eichberger, geht zwar davon aus, dass dort, wo aktuell auf der Frankfurter Straße noch die Gleise liegen, die Trasse problemlos wieder verlaufen könnte. Umfangreiche Umbauarbeiten wären allerdings auf der Strecke zwischen Luisen- und Kaiserstraße nötig. Hier wurde von rund zehn Jahren die Fahrbahn verbreitert und ein Radfahrstreifen geschaffen. Dieser würde für die Straßenbahn wohl weichen müssen.

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