Zahl der Kranken steigt enorm

Immer mehr Kinder von Diabetes betroffen

Offenbach - „Zucker haben“ tut nicht weh – die Folgen und Schäden aber schon. Die Zahl der unter Typ-1-Diabetes leidenden Kinder steigt rasant. In Deutschland tritt die Krankheit im weltweiten Vergleich am häufigsten auf. Von Peter Schulte-Holtey 

Oft schlägt Diabetes völlig überraschend zu: Binnen weniger Wochen, manchmal sogar innerhalb von Tagen entwickeln bis dahin kerngesunde kleine Kinder auffällige Symptome. Sie klagen über unnatürlich starken Durst, müssen ständig zur Toilette. Auch verlieren sie Gewicht, wirken müde und lustlos. Die Diagnose: Typ-1-Diabetes, im Volksmund: Zuckerkrankheit. Vorgewarnte Eltern können Anzeichen der nicht heilbaren Krankheit erkennen. Eine lebensbedrohliche Überzuckerung lässt sich dann verhindern. 30.000 Kinder in Deutschland sind schon betroffen. „Uns erschreckt dabei besonders, dass die Zahl jedes Jahr etwa um vier Prozent zunimmt“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Diabeteshilfe, Thomas Danne, im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Woran das liegt, können sich Mediziner und Wissenschaftler weltweit bisher noch nicht erklären. „Damit kann man noch einen Nobelpreis gewinnen. Im Moment ist es für uns ein Puzzlespiel“, so Danne. Eine Studie an Universitäts-Klinken ergab, dass Deutschland im weltweiten Vergleich das Land ist, in dem Kinder im Alter bis 14 Jahren am häufigsten an Diabetes-Typ-1 erkranken.

Während Typ-2-Diabetes eher bei Älteren auftritt, schlägt der Typ 1 unabhängig von Alter und Gewicht zu. Es ist eine Autoimmunerkrankung, deren Auslöser weiter unbekannt ist. Nach Angaben von Chefarzt Danne soll jetzt eine Studie Aufschluss darüber bringen, wie das Fortschreiten der Krankheit und damit die völlige Zerstörung der Insulinproduktion im Körper aufgehalten werden kann. Dabei werden Kinder im Alter zwischen zwei und fünf Jahren auf Diabetes-Antikörper getestet. Der Mediziner bleibt aber skeptisch, dass Diabetes bald geheilt werden kann. Es existiere noch keine gute Lösung, wie das Immunsystem so abgelenkt werden könne, dass verpflanzte insulinproduzierende Zellen vom Immunsystem nicht wieder kaputt gemacht würden. „Wenn wir umgekehrt das Immunsystem komplett unterdrücken, gibt es so viele Nebenwirkungen, dass es einfacher ist, Insulin zu spritzen. Ich glaube deshalb eher an eine technische Lösung wie die künstliche Bauchspeicheldrüse.“

Diabetes: Das sollten Sie wissen

Aufgrund von Fettleibigkeit als Folge von Fehlernährung und Bewegungsmangel entwickeln auch immer mehr Kinder in Deutschland einen Typ-2-Diabetes. Für den Offenbacher Kinderarzt Dr. Matthias Gründler ist damit ein klarer Appell zur Aufklärung – an Eltern (auf bessere Ernährung zu achten) und Schulen (mehr Sportunterricht anzubieten) – verbunden. Wird Übergewicht abgebaut, kann es tatsächlich sein, dass der Blutzuckerspiegel sich verbessert.

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