Immobilien

Kostspielige Sanierung: Mit Zement-Spritzen gegen Setzrisse  

Sanierung eines Gebäudes in Offenbach, an dem Setzrisse aufgetreten sind
+
Injektion: In die mit Ventilen bestückten Stahlrohre, die am Haus im Boden versenkt wurden, wird eine spezielle Zementmischung gepumpt.

Schäden durch Setzrisse sind kostspielig. Wie eine Sanierung betroffener Häuser funktioniert, ist derzeit an einem Wohnblock in der Richard-Wagner-Straße zu sehen.

Offenbach - Die Keller Grundbau GmbH, ein weltweit tätiges Tiefbau-Unternehmen mit Hauptsitz am Offenbacher Kaislerlei, unterspritzt im Lauterborn ein Wohngebäude des Immobilien-Riesen Vonovia. Torsten Föste, Chef der Niederlassung Offenbach, und Bauleiter Nico Reuter erklären, wie die Stabilisierung mittels Injektionsverfahren abläuft:

An den von Setzungen betroffenen Stellen – an der lang gestreckten Lauterborn-Immobilie mit ihren 24 Wohnungen sind es die Ecken und ein kleineres Stück in der Mitte – werden von außen im Abstand von wenigen Metern Bohrlöcher schräg unter das Fundament gesetzt, in die zunächst Sonden eingelassen werden, um das Erdreich auf Kampfmittel zu untersuchen. Falls Versorgungsleitungen im vorgesehenen Bereich liegen, wird an dieser Stelle von innen gebohrt.

Sanierung von Setzrissen in Offenbach: Eine Firma mit langjähriger Erfahrung

Danach werden in die Bohrlöchern Stahlrohre mit Ventilöffnungen bis in die erforderliche Tiefe versenkt. Im konkreten Fall geht es auf sechs Meter runter. „Das richtet sich nach dem Wassergehalt des Bodens, den wir vorher untersuchen müssen“, sagt Torsten Föste. Schließlich pumpen die Tiefbauer abschnittsweise eine spezielle Zementmischung in die Rohre, welche über die Ventile in den Boden verpresst wird und sich dort in einem Radius von zwei bis drei Metern verteilt. Erste Erfolge, sagt Bauleiter Nico Reuter, seien bereits nach wenigen Tagen zu sehen. Dass sich das Fundament tatsächlich anhebt, kann an Markierungen abgelesen werden, die zuvor an der Fassade angebracht wurden. Insgesamt dauert die aktuelle Sanierung rund drei Wochen.

„Die Rohre bleiben im Boden, so können wir auch nach Jahren noch nachpumpen“, erläutert Torsten Föste. So wurde die Immobilie im Lauterborn vor 15 Jahren schon einmal von Keller Grundbau saniert. Insgesamt rund 20 Objekte, vorwiegend Mietshäuser, haben die Fachleute mit ihrem patentierten und fast geräuschlosen sogenannten Soilfrac-Verfahren seit 2004 in Offenbach wieder gerade gerückt; darunter das GBO-Verwaltungsgebäude in der Jacques-Offenbach-Straße.

Sanierung von Immobilien in Offenbach: Es gibt immer etwas zu tun

Die Arbeit geht den Sanierern nicht aus, die Zahl der betroffenen Häuser steigt. Insbesondere nach trockenen Sommern, die den Offenbacher Rupelton schrumpfen lassen, würden sich Setzrisse zeigen, berichten Föste und Reuter. Zu den drei vergangenen heißen Sommern in Folge komme hinzu, dass auch die Winter mittlerweile relativ regenarm seien, so dass sich weniger Grundwasser bilde. „Meist zeigen sich die Schäden dort, wo auch Bäume stehen“, sagt der Niederlassungsleiter. Für die Fachleute steht fest: Das Grün trägt in den meisten Fällen zumindest eine Mitschuld an den Schäden. Die klimatischen Veränderungen wirken sich nicht nur auf Offenbacher Boden aus. „Wir haben die gleiche Problematik auch in Frankfurt oder Wiesbaden“, so Föste.

Stabilisierung durch Setzrisse: Sanierung hat ihren Preis

Je trockener der Boden, umso tiefer muss gebohrt beziehungsweise stabilisiert werden. Normalerweise betrage der Wassergehalt des Tons 30 bis 50 %. Bei der aktuellen Sanierung liege er in den oberen Schichten teilweise nur bei 20 %. Föste: „Deshalb wäre es falsch, unmittelbar unter dem Fundament des Gebäudes anzusetzen.“

Die Stabilisierung einer durch Setzrisse beschädigten Immobilie hat ihren Preis: Bei Einfamilienhäusern, so Torsten Föste, müsse je nach Aufwand mit Kosten von rund 30 000 Euro gerechnet werden, bei Wohnblocks reiche die Spanne von 50 000 bis 120 000 Euro. (Matthias Dahmer)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare