Mit Disziplin und Teamgeist

„Joblinge“ geleitet Jugendliche ins Berufsleben

+
Die erfolgreichen „Joblinge“-Absolventen Aladin Ben Lamkaden und Sara Ventura mit ihren Urkunden.

Offenbach - Für viele Jugendliche mit schlechtem Schulabschluss endet das Berufsleben, ehe es überhaupt angefangen hat: Sie finden keinen Ausbildungsplatz. Von Veronika Schade 

Die Initiative „Joblinge“ hilft ihnen dabei – finanziell unterstützt von der Stiftung des Verlegers unserer Zeitung, Dirk Ippen. Die Absolventen Sara Ventura und Aladin Ben Lamkaden berichten von ihren Erfahrungen. Arbeitssuchende kennen dieses depriminierende Gefühl: Stundenlang Bewerbungen schreiben, sie gefühlt an unzählige Betriebe schicken – und dann kommen nur Absagen. Eine Erfahrung, die auch Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz immer wieder machen. Erst recht, wenn sie einen schlechten oder gar keinen Schulabschluss haben.

Sara Ventura und Aladin Ben Lamkaden können ein Lied davon singen. Doch statt zu resignieren und dauerhaft in Hartz IV abzurutschen, haben sie gehandelt. Durch Freunde erfuhren die 21-Jährige und der 19-Jährige vom Projekt „Joblinge“ und bewarben sich. „Die beste Entscheidung überhaupt“, schwärmen sie nach Absolvieren des sechsmonatigen, intensiven Programms.

Ben Lamkaden

Sie haben gelernt, was ein gutes Bewerbungsschreiben ausmacht, wie man sich präsentiert, sich Vorgesetzten gegenüber richtig verhält, welche Eigenschaften und Fähigkeiten im Berufsleben gefordert sind – und alles in der Praxis in Betrieben ausprobiert. Den Lohn, einen Ausbildungsvertrag, hat Aladin bereits in der Tasche. Er beginnt im September die Ausbildung zum Maschinen-Anlagen-Führer bei Heraeus in Hanau: „Ein Beruf, auf den ich sonst gar nicht gekommen wäre, hätte ich das Praktikum nicht gemacht und so viel Spaß dabei gehabt.“ Sara hat eine Stelle in einer Anwaltskanzlei in Aussicht.

Die Initiative „Joblinge“ wurde 2007 von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group und der Eberhard-von-Kuenheim-Stiftung von BMW ins Leben gerufen. Ziel ist, benachteiligte Jugendliche in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Das Förderprogramm, in Offenbach unterstützt von der Stiftung des Verlegers unserer Zeitung Dirk Ippen sowie vom Jobcenter Mainbarbeit und Proarbeit, ist für jene gedacht, die wegen schlechter Schulnoten und mangelnder sozialer Qualifikation normalerweise keine Chance auf einen Ausbildungplatz haben.

Seit 2013 gibt es das Projekt auch in der Lederstadt. „118 Jugendliche haben es bei uns schon absolviert. Davon wurden 103 Joblinge in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt“, berichtet Koordinatorin Lavan Sabir. Eine Quote, auf die sie recht stolz ist.

Die Jugendlichen durchlaufen mit Unterstützung von Mentoren und dem „Joblinge“-Team eine sechsmonatige Schulung, die sich in eine Orientierungs- und eine Praktikumsphase gliedert. Erstere enthält neben Coachings und Kennenlernen von Firmen die Sensibilisierung der Jugendlichen für Kulturelles. „Wir waren im Klingspormuseum, haben uns mit Schrift auseinandergesetzt und am Ende selbst ein Buch hergestellt“, erzählt Sara. Das sei eine tolle Schulung für die Kreativität gewesen. Ebenso die Schauspielworkshops, bei denen unter anderem klar wurde, wie unterschiedlich man sich mit und ohne Regeln verhält.

„Wir haben ständig das Auftreten vor anderen Menschen geübt, auch mit Videoaufnahmen“, berichten die Joblinge. Das sei anfangs schwer, später immer leichter gefallen. Begriffe wie Disziplin, Pünktlichkeit und Teamgeist hätten sie quasi im Schlaf aufsagen können. Besonders auf Letzteres wurde viel Wert gelegt: „Als Einzelkämpfer ging nichts.“

Mit Sara und Aladin in der Gruppe waren 14 weitere Teilnehmer aus Offenbach zwischen 17 und 24 Jahren. „Wir waren nur zwei Mädchen. Aber die Jungs benahmen sich wie Gentlemen“, sagt Sara schmunzelnd. In der Gruppe habe eine gute Atmosphäre geherrscht, man habe sich gegenseitig geholfen. „Am Anfang haben die meisten Bedenken gehabt, ob das wirklich etwas bringt. Aber dann wurden alle viel motivierter.“

Studie: Diese Jobs bringen weniger als Hartz IV

Dazu beigetragen haben die regelmäßigen Treffen mit Mentoren. Jedem Teilnehmer stand ein Mentor zur Seite, der selbst erfolgreich im Berufsleben ist – ob als Kaufmann für Büromanagement oder als hohes Tier in einer Bank. „Es waren Respektspersonen, denen wir uns anvertrauen konnten. Eine ganz neue Erfahrung“, schildert Aladin. Viele halten den Kontakt aufrecht.

„Es sind so viele Details, die man lernt, auf die wir früher gar nicht geachtet haben“, sagen Sara und Aladin rückblickend. Sie können jetzt nachvollziehen, warum ihre bisherigen Bewerbungen gescheitert sind. Von der Schule fühlten sich der Realschüler mit schwachem Abschluss und die Hauptschülerin zu wenig vorbereitet. In die Zukunft blicken sie aber selbstbewusst und voller Zuversicht: „Als wir rein gekommen sind, waren wir ganz klein. Raus gekommen sind wir als Große.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare