Vorbereitung auf Regelschulen

Intensivklassen für Zuwanderer

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Kinder aus neun verschiedenen Nationen lernen in der Intensivklasse an der Schillerschule. Insgesamt 14 dieser Klassen an acht Schulen gibt es in Offenbach.

Offenbach - In Intensivklassen werden Kinder von Zuwanderern auf den Unterricht an Regelschulen vorbereitet. In Offenbach gibt es ingesamt 14 Klassen an acht Schulen.Von Peter Klein 

Wenn es um Zuwanderung geht, zählt die Stadt Offenbach zu den Brennpunkten. Ein wichtiger Aspekt zur Bewältigung der Probleme ist die Integration von Kindern und Jugendlichen ins Schulsystem. Ein Besuch in einer sogenannten Intensivklasse. Ceren ist 13 und kommt aus Istanbul. Seit sechs Monaten lebt sie in Offenbach. Auf die Frage, ob sie denn schon Freundinnen gefunden hat, deutet sie stumm auf Nikoleta, die neben ihr sitzt. Die 15-Jährige stammt aus Thessaloniki. Beide Mädchen besuchten in ihren Heimatländern höhere Schulen und hatten Englischunterricht – in Offenbach für sie der Weg, sich zu verständigen.

So wie Ceren und Nikoleta besuchen weitere 15 Kinder zwischen elf und 15 Jahren die Intensivklasse der Schillerschule. Dort sollen sie in ein bis zwei Jahren Deutsch lernen, um am Regelunterricht teilnehmen zu können. 14 Intensivklassen an acht Schulen gibt es in Offenbach. Nach den Weihnachtsferien sollen zwei weitere eröffnet werden, um die Warteliste abzuarbeiten, wie Dr. Peter Bieniussa vom Staatlichen Schulamt sagt. Wo, kann er noch nicht sagen, denn die Offenbacher Schulen sind voll. Bieniussa überlegt, eine Intensivklasse an einem Gymnasium einzurichten.

Hinter Zahlen stecken Kinder

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Wenn von Zuwanderung die Rede ist, dann meist in Form von Zahlen. Doch hinter diesen Zahlen stehen Kinder, die mit dem Aufbruch der Eltern in eine neue Zukunft aus ihrem bisherigen Leben herausgerissen worden sind und sich in einem Land wiederfinden, dessen Gegebenheiten und dessen Sprache ihnen fremd sind. Dabei sind die meisten von ihnen hochmotiviert, wie Bieniussa und Karin Marré-Harrak, Leiterin der Schillerschule, übereinstimmend betonen.

Auf neun verschiedene Nationen kommt Eva Gruhn, wenn sie die Herkunft ihrer Schüler auflistet. Die Lehramtsstudentin unterrichtet zusammen mit ihrer Kollegin Sandy Schulz die Intensivklasse der Schillerschule. Die Kinder kommen aus Indien, Kuba, Eritrea, aber auch aus Griechenland, Bulgarien und Rumänien. Schulamtsleiter Bieniussa schätzt den Anteil der Intensivschüler aus Griechenland auf zehn bis 15 Prozent, den Anteil von Rumänen und Bulgaren auf zirka 20 Prozent. Wobei dieser aber steigen könnte, weil zum Jahresanfang die letzten Zuzugsbeschränkungen gefallen sind.

Der Lärmpegel in der Intensivklasse unterscheidet sich nicht von dem in einer normalen Klasse. Geschwätzt wird auf Englisch, Russisch oder in der gemeinsamen Muttersprache, mit steigendem Lernfortschritt auch auf Deutsch. So wie Nikoleta kommt auch Nikos aus Thessaloniki. Seit Juli lebt er in Offenbach. Beider Väter arbeiten auf Baustellen. Freunde hat Nikos bisher nicht gefunden. Er spielt gern am PC und fährt Fahrrad. Besonders mag er den Main. Kein Wunder, liegt doch auch seine Heimat am Wasser.

Schneller Anschluss

Nikoleta hat Freundinnen, sie kommen aus derselben Stadt und sind vorher nach Offenbach gezogen. Wenn sie erst Deutsch kann, hofft sie, auch deutsche Freundinnen zu finden. Zurück nach Griechenland will sie nicht. „Ich denke, hier ist es besser, hier gibt es mehr Geld“, sagt sie. Probleme, Freunde zu finden, hatte Christian nicht. Der quirlige 14-Jährige spielt Fußball im Verein und in der Schulmannschaft, daneben macht er Karate. Schnell hat er auf diesem Weg Anschluss gefunden. Als Christian zwei Jahre alt war, wanderten seine Eltern von Moldawien nach Portugal aus. Infolge der Wirtschaftskrise ist er mit seinen Eltern in Offenbach gelandet. „Mir ist es egal, wo ich bin, ich hatte in Portugal Freunde, und ich habe hier Freunde“, sagt er mit breitem Grinsen.

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Eine Ausnahme ist sicher Ceren. Ihr Vater ist in Deutschland aufgewachsen und hat dort studiert. Als Diplom-Ingenieur ging er zurück in das Land seiner Eltern. Nun hat ihn seine Firma nach Deutschland versetzt. Türkische Freundinnen hat Ceren in Offenbach keine, türkisches Fernsehen ist tabu. Das will ihr Vater nicht. Er möchte, dass Ceren so schnell wie möglich Deutsch lernt.

Zu ihren Freundinnen in Istanbul hat die 13-Jährige intensiven Kontakt: Facebook, Skype und Twitter machen’s möglich. „Früher sind wir in den Sommerferien zur Familie nach Deutschland geflogen, jetzt werden wir in den Sommerferien zur Familie nach Istanbul fliegen“, sagt Ceren. Später will sie einmal Architektin werden.

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