Offenbach jagt nach dem Müllschatz

Offenbach - Die Städte und Gemeinden in der Region werden reagieren müssen und sich an der Jagd nach dem „Müllschatz“ beteiligen: Die Bundesregierung will eine Art „Gelbe Tonne Plus”. Die gute Nachricht: Es gibt keine zusätzliche Tonne. Von Peter Schulte-Holtey

Die bisherige Gelbe Tonne wird „erweitert“, sodass alle Kunststoffe und Metalle darin landen dürfen. Elektrogeräte wie Föhn oder Handy sowie Batterien sollen weiterhin getrennt entsorgt werden. Ein ambitioniertes Unterfangen, denn das Geschäft mit Müll ist lukrativ. Weder Kommunen noch private Entsorger wollen es sich entgehen lassen.

In Offenbachs Stadtspitze wird das von Berlin aus angestoßene Projekt begrüßt. Für Stadtrat Paul-Gerhard Weiß ist es der richtige Weg, denn „schon bislang landen viele recyclebare Wertstoffe in der gelben Tonne, die offiziell aber als ,Fehlwürfe' gelten und sogar dazu führen können, dass die Tonne nicht geleert wird“. Für den Bürger sei das unverständlich. Außerdem könnten zusätzlich recyclebare Abfälle aus der Restmülltonne der Verwertung zugeführt werden, so der FDP-Politiker. Das System einer Wertstofftonne ist für ihn „bürgerfreundlich und vernünftig, da für die korrekte Entsorgung als Kriterium nur noch die Materialeigenschaft zählt“. Zu klären sei allerdings noch, wie die Finanzierung dieser Wertstofftonne letztlich erfolgen sollt, da einerseits Verpackungen im Auftrag der Dualen Systeme und andererseits andere Abfälle, finanziert über die Abfallgebühren, gesammelt werden.

Einführung der Wertstofftonne

Die Stadtverwaltung in Offenbach beschäftigt sich seit etwa einem Jahr mit der Einführung der Wertstofftonne und hat für das Projekt zunächst eine Sortieranalyse des Hausmülls und des „Gelben-Sack-Mülls“ durchgeführt, um das Potential abzuschätzen. Stadtrat Weiß: „Ob und wie dieses Potential gehoben werden kann, soll nächstes Jahr mit Hilfe eines Pilotprojektes in zwei Offenbacher Stadtteilen ermittelt werden. Geplant ist, dies in einem Kooperationsprojekt mit fünf Kommunen des Rhein-Main-Gebietes durchzuführen, um eine bessere Abstimmung mit den Trägern der Gelben-Sack-Sammlung, den Dualen Systemen, vorzunehmen.“ Zudem soll die Sortieranlage gemeinsam genutzt werden.

Bei diesem Pilotversuch soll schließlich herausgefunden werden, welche zusätzlichen Abfälle sich für die Wertstofftonne eignen und welche finanziellen Auswirkungen sich für die Abfallentsorgung ergeben. Weiß: „Man weiß zum Beispiel schon, dass sich Alttextilien nicht eignen, da sie mit verfügbarer Sortiertechnik nicht zu separieren sind.“ Dies gelte auch für Elektrokleingeräte. So wird überlegt - ähnlich wie fürs Glas mit Containern - spezielle Sammelboxen aufzustellen. Spätestens ab 2015 soll die Wertstofftonne flächendeckend in Offenbach eingeführt werden und die Gelbe Tonne ersetzen. Wer das Projekt genauer beleuchtet, kommt schnell zu dem Schluss, dass es sich lohnt - für alle Beteiligten. Aus Verbrauchersicht gibt es keinen Grund für die derzeitige Praxis, den Joghurt-Becher aus Kunststoff über die gelbe Tonne zu recyceln, das Plastikspielzeug aus demselben Material aber nicht.

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