Plädoyer zum Tag der Jogginghose

Bequeme Allzweckwaffe

Offenbach -  Ein modisch angesagtes „Must-Have“ sagen die einen: Muss ich hawwe. Ein absolutes „No-Go“ die anderen: Geht gar ned. An der Jogginghose scheiden sich die Geister. Unzweifelhaft ist die Schlabberhose ein bequemer Begleiter. Von Steffen Müller 

In den eigenen vier Wänden trägt sie besonders die jüngere Generation ohne Scheu. Gerne wird nach einem langen Arbeitstag aus der Jeans oder dem Anzug hineingeschlüpft in gemütliche „Sweatpants“, oft kombiniert mit einem Hoodie, dem Kapuzenpullover. Was früher als Exklusiv-Tracht für Gefängnisinsassen, Boxer oder Rapper galt, ist heutzutage in immer mehr Kleiderschränken anzufinden. Und die Jogginghose fristet längst nicht mehr ein Nischendasein in den eigenen vier Wänden. Auch in der Öffentlichkeit trauen sich immer mehr Nicht-Sportler das ursprünglich zur physischen Ertüchtigung angedachte Kleidungsstück zur Schau zu stellen. Nicht umsonst gibt es seit 2010 einen „Internationalen Jogginghosentag“, der gestern gefeiert wurde.

Besonders auf den Straßen Offenbach haften Jogginghosenträgern nicht mehr die Attribute rebellisch, kriminell oder sportverrückt an. Vielmehr hat sich der Schlabberlook in das Bild der Stadt eingefügt. Versionen aus Nylon, Baumwolle oder selbst Frottee mischen sich munter zwischen Denim, Kord und Leinen. „Gerade in Offenbach gehen Jogginghosen immer gut weg“, sagt Serkan Alan. Der Verkäufer bei „Jack & Jones“ im Einkaufscenter KOMM weiß, wovon er spricht. „Wir verkaufen pro Woche etwa 20 Stück. Damit liegt unsere Filiale in Deutschland ganz weit vorne.“ Obwohl „Jack & Jones“ nur Männermode anbietet, bringt Alan seine Jogginghosen auch an die Frau. Und dies nicht als Umstandskleidung.

Modische Stylingtipps

Alan, der die Jogginghosen als modisches Kleidungsstück betrachtet, hat auch gleich ein paar Stylingtipps parat. „Man kann sie ohne Probleme mit Jeanshemd und Boots kombinieren.“ Dass die Jogginghose mittlerweile in Modeläden Einzug erhalten hat, dokumentiert ihren Vormarsch. Und ein Rückgang ist nicht abzusehen. Seit zwei Jahren arbeitet Alan bei „Jack & Jones“, und seitdem halten sich die Produkte konstant gut im Sortiment.

Doch nicht nur in reinen Bekleidungsgeschäften ist die Jogginghose ein Verkaufsschlager. Auch in Sportgeschäften sind sie der Renner. „Jogginghosen sind immer ein Thema. Das ist ein Artikel der immer geht“, bedient sich Gunther Boy, Leiter der Sportabteilung bei „Galeria Kaufhof“ in der Frankfurter Straße beinahe der gleichen Wortwahl wie Serkan Alan.

„Die Jogginghose ist mehr als ein reiner Sportartikel. Sie ist eine Allzweckwaffe“, meint Boy, der berichtet, dass die Auswahl an Jogginghosen in den letzten Jahren kontinuierlich größer worden ist. „Am besten verkaufen sich die Produkte aus Baumwolle“, so Boy. Kombinationen aus Hose und Oberteil seien dagegen seltener geworden.

Auch wenn die Jogginghose immer salonfähiger wird, gibt es nach wie vor einige Orte, an denen der Erfolgszug endet. In Cafés und Restaurants finden sich nur selten Gäste im Schlabberoutfit. Und falls doch, kann es auch mal vorkommen, dass die Eigentümer auf die Etikette hinweisen. So wurden einst Besucher der mittlerweile geschlossenen „Café Bar 13“ am Wilhelmsplatz mit einem Schild darauf aufmerksam gemacht, dass nach einer gewissen Uhrzeit allen Jogginghosenträgern der Eintritt verwehrt bleibt.

Keine Jogginghose an Schulen

Ein schweres Kreuz haben die Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums zu tragen. „Wir haben eine Erziehungsvereinbarung, die eine angemessene Kleidung vorschreibt“, sagt Schulleiter Ulrich Schmidt. Von der Idee des Internationalen Jogginghosentags ist der Direktor wenig begeistert. „Ich halte eine Jogginghose nach wie vor für Spezialkleidung“, meint Schmidt, der aber beruhigt sein kann. Dem Aufruf, mit einer Jogginghose zur Schule zu erscheinen, sind nur wenige Jugendliche des Albert-Schweitzer-Gymnasiums gefolgt.

Bei einem Blick über den Pausenhof ist selbst bei großem Andrang kaum eine Jogginghose zu finden. „Ich habe es bei Facebook gelesen, habe mich aber dagegen entschieden“, sagt ein Jugendlicher, der seine hellblaue Jeans aber gerne gegen seine graue Jogginghose tauschen würde.

Gammel-Look oder Modehit? Typologie der Jogginghosenträger

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Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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