Klinikum Offenbach

Wuchernde Beratungskosten

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Suche nach einem Partner fürs Klinikum wird eine teure Angelegenheit

Offenbach -  Eine Rechtsanwaltskanzlei ist kein Eheanbahnungsinstitut, das für fest vereinbartes Honorar für seine Klienten die Partnersuche erledigt. Weltweit tätige Beraterfirmen halten auch nichts von fixen Pauschalentlohnungen. Von Thomas Kirstein

Eine Rechtsanwaltskanzlei ist kein Eheanbahnungsinstitut, das für fest vereinbartes Honorar für seine Klienten die Partnersuche erledigt. Weltweit tätige Beraterfirmen halten auch nichts von fixen Pauschalentlohnungen. Üblich sind Tages- und Stundensätze, die sich je nach Aufwand in vorher nicht zu kalkulierende Höhen addieren können.

So passiert es der Stadt Offenbach, die externen Expertenrat für die Sanierung ihres hochverschuldeten Klinikums benötigt. Viel Geld verschlingt die juristische Begutachtung und Vorbereitung einer möglichen Aufspaltung des Unternehmens Klinikum in eine Besitz- und eine Betriebsgesellschaft.

Suche nach privatem oder kommunalen Partner verordnet

Die Beratungskosten wuchern auch, weil der Regierungspräsident die Suche nach einem privaten oder kommunalen Partner verordnet hat. Für dieses „Markterkundungsverfahren“ bedient sich Stadtkämmerer und Krankenhausdezernent Michael Beseler des unverzichtbaren Fachwissens einer erfahrenen Kanzlei. In diesem Fall ist das Luther Rechtsanwälte; die Frankfurter haben bereits den Verkauf von 49 Prozent der Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken an die Rhönklinik betreut.

Um die im Rathaus eingehenden Rechnungen zu bezahlen, reichen die 450. 000 Euro nicht aus, die die Stadtverordneten im März als Beratungskosten fürs Klinikum genehmigten – enthalten sich darin auch nicht bezifferte Honorare für die Beraterfirma McKinsey, von der sich Klinik-Geschäftsführerin Franziska Mecke-Bilz helfen lässt. Kämmerer Beseler will sich, wie vom Magistrat beschlossen, einen Nachschlag von 350 000 Euro absegnen lassen. Die überplanmäßigen „Aufwendungen für Sachverständige, Rechtsanwälte und Gerichtskosten“ seien unabweisbar, schreibt er in seiner Vorlage, um die weiteren Planungen nicht anzuhalten. Aus Magistratskreisen ist zu hören, dass das Ende der Fahnenstange wohl nicht erreicht sei, die Berater-Million werde wohl überschritten.

Grundlage für mögliche Kooperationspartner schaffen

Stadt-Sprecher Matthias Müller (Kämmerer Beseler ist im Urlaub) verkauft das als gut angelegtes Geld in einem sehr komplexen und fast beispiellosen Prozess: „Die Stadt will mit möglichst großer Sorgfalt im Vorfeld die Grundlage für mögliche Kooperationspartner schaffen, bevor hinterher Widersprüche teurer aufzulösen sind.“ Schließlich gehe es um sehr viele Millionen.

Zu Buche schlägt auch, dass Offenbachs Klinikum offensichtlich sehr attraktiv für Interessenten ist. Eine große Zahl von ernsthaften Bewerbern erfordert eine große Zahl von kostenpflichtigen Beraterstunden. „Es werden ergebnisoffen alle Konstruktionen geprüft“, sagt Müller. Das gilt für die künftige Struktur des Unternehmens wie für eine Partnerschaft. Offizielle Offenbacher Beschlusslage ist, alles für den Erhalt in städtischer Hand zu tun, während der RP verlangt, einen Verkauf an Privat nicht auszuschließen. Im Verlauf des Markterkundungsverfahrens haben sich laut Müller zusätzliche und zu klärende Fragen seitens der Geschäftsführung und des Personalrats ergeben.

Für das Offenbacher Klinikum drängt unterdessen die Zeit: Ende 2011 war es mit 46,2 Millionen Euro im Minus. Zum Sanierungsplan gehören Stellenabbau, weitere Kooperationen mit anderen Kliniken und niedergelassenen Ärzten und die Reduzierung der Sachkosten. Ziel für für das Jahr 2012 ist eine Leistungssteigerung um vier Prozent und eine Reduzierung des wirtschaftlichen Defizits um insgesamt 9,4 Millionen Euro. In diesem Jahr sollen 137 Vollzeitstellen abgebaut werden.

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