Villa wechselt Besitzer

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Für die Villa von Bernd Rosenheim im Dreieichpark und das ehedem städtische Grundstück hat sich ein Käufer gefunden.

Offenbach - Für eine so historische wie prominente Immobilie hat sich ein Interessent gefunden. Das denkmalgeschützte Haus Parkstraße 60 geht an einen Offenbacher Bürger, der in Frankfurt auf dem Gebiet der Steuer- und Wirtschaftsberatung tätig ist. Von Markus Terharn

Ebenso wie die Immobilie - jahrzehntelang bekannt als Domizil des Stadtmuseums und zuletzt des Rosenheim-Museums - wechselt das Grundstück am Dreieichpark den Besitzer. Wie Oberbürgermeister Horst Schneider gestern mitteilte, beabsichtigt der Käufer, sein Gewerbe in die Villa zu verlagern.

Das Gebäude gehörte zuletzt der Stiftung des 1931 in Offenbach geborenen Künstlers Bernd Rosenheim. Er hatte es 2005 von der Stadt für 300 000 Euro erworben, um darin das Rosenheim-Museum einzurichten, das der Ausstellung seines eigenen Werks und der Förderung junger Künstler diente. Jedoch reichten die Mittel der auf eine Million Euro taxierten Gisela-und-Bernd-Rosenheim-Stiftung für den Betrieb auf Dauer nicht. Vor knapp einem Jahr musste Rosenheim das Haus schließen und einen Abnehmer suchen. Ein Wunsch war, jemanden zu finden, der ein Café etabliert, für das der Künstler bereits Pläne entworfen hatte.

Zum Preis machte der OB keine Angaben

Das Grundstück, 838 Quadratmeter groß, war im Besitz der Stadt verblieben, die es der Stiftung im Wege der Erbpacht für 8000 Euro im Jahr überlassen hatte. Schneider, der den Vermittler gemacht und nach eigenen Angaben mit vielen Investoren gesprochen hat, war aber von Anfang an bereit, den Boden auch zu verkaufen.

Zum Preis machte der OB keine Angaben; er sei indes marktüblich. Bei dieser exponierten Westendlage hätte sich vielleicht eine höhere Summe erlösen lassen, wären nicht preismindernde Auflagen gewesen: Das Areal bleibt öffentlich zugänglich. Der Eigentümer darf es nicht mit Zaun oder Mauer umfrieden.

Das Haus blickt auf eine bewegte Geschichte. 1875 erwarb der wohlhabende Fabrikant Josef Anton Collet das Gelände der Bibliotheksmühle, um dort ein Haus für sich und seine Frau Elise zu bauen. Im Kaufvertrag verpflichtete er sich gegenüber dem Großherzoglichen Kreisbauamt, binnen drei Jahren ein Wohngebäude zu errichten. Baubeginn für die zweigeschossige Villa im klassizistischen Stil war ein Jahr später, Architekt und Bauunternehmer war Caspar Hasenbach.

Als Villa Jäger ging das Haus ins Stadtgedächtnis ein

1894 nannten amtliche Unterlagen eine Johanna Fulda als Besitzerin. Sie beantragte den Bau eines Kanals zur Frankfurter Straße. Und verkaufte 1896 – mit dem Einverständnis der Erben ihres verstorbenen Mannes Otto – an Hans Jäger und dessen Gattin Therese, für 75.000 Mark, davon 5000 bar auf die Hand, den Rest in Raten.

Als Villa Jäger ging das Haus ins Stadtgedächtnis ein. Denn nach dem Tod der Eltern und dem Wegzug ihres Bruders Hermann richteten die Töchter Lisa, Berta und Leni darin eine Diätküche ein, in der Offenbacher für wenig Geld ein gesundes vegetarisches Mahl bekamen. Der Park wurde vom Spielplatz zum Obst- und Gemüsegarten umgewidmet.

Ihr Alter und die Unterhaltskosten bewogen die Damen zum Verkauf des „Dreimäderlhauses“ an die Stadt. Die steckte eine halbe Million Mark in die Renovierung, bevor 1971 das Stadtmuseum einziehen konnte. Dieses firmiert inzwischen als Haus der Stadtgeschichte im Bernardbau an der Herrnstraße.

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