"Ihr Haus hat beim Bau auch Krach gemacht“

Baulärm am Kaiserlei macht Anwohner wütend und sie beklagen Schäden

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837 Wohneinheiten sollen im neuen Quartier am Kaiserlei entstehen, das von der CG-Gruppe gebaut wird.

Die Großbaustelle am Kaiserlei in Offenbach strapaziert die Nerven der Anwohner. Der Bauherr zeugt für die Beschwerden wenig Verständnis.

Offenbach – Bei einer Bürgerinformation zum Bebauungsplan für das millionenschwere Projekt der CG-Gruppe, aus dem ehemaligen KWU-Areal ein modernes Quartier für Wohnen und Gewerbe zu machen, entlud sich nun der Zorn – allerdings hauptsächlich über die städtische Stellplatzsatzung. 

Doch der Reihe nach: Im katholischen Gemeindezentrum Sankt Peter stellten Stadt, CG-Gruppe und Planungsbüro die Entwürfe für den Bauplan B645 „Strahlenbergerstraße Ost“ vor. CG-Gründer Christoph Gröner konkretisierte dabei auch einige bereits vorgestellte Details: So sollen in den fünf Gebäudekörpern insgesamt 837 Wohneinheiten entstehen. Somit werden 60 Prozent der Gesamtfläche von 122 650 Quadratmetern für Wohnen genutzt, 40 Prozent sind für Gewerbe vorgesehen.

Offenbach: Bauherr kritisiert Presse

Die städtische Quote von 30 Prozent gefördertem Wohnraum soll vor allem im nordöstlichen Bereich an der Ecke Goethering und Strahlenbergerstraße realisiert werden. Ansonsten ist der Bereich entlang der Strahlenberger für Gewerbe vorgesehen. Dort soll auch 2022 das Best Western Macrander Hotel in einen Neubau auf das Gelände des noch stehenden „Schlüsselhauses“ ziehen. Anschließend werde 2023 auf dem Hotelareal der letzte Wohnkomplex errichtet, kündigte Gröner an.

Ein weiteres Bauprojekt am Kaiserlei ist die Multifunktionshalle

An Selbstbewusstsein mangelte es dem Bauherrn am Donnerstag nicht: Mit markigen Worten kritisierte er die Presse, die schreibe, „dass Projektentwickler böse Menschen seien“, oder kündigte Neuigkeiten zum geplanten Fitnessclub samt Schwimmbad im Quartier an. Da sich der Betrieb eines Schwimmbades für einen Externen finanziell kaum rechnen dürfte, habe er kurzerhand entschieden, beides selbst zu erledigen. Offenbacher Schulen dürften das Schwimmbad morgens nutzen, für Anwohner sei eventuell ein „Anwohnerpass“ denkbar. Für die lärmgeplagten Anwohner zeigte Gröner Verständnis. Seit Wochen müsse an den ehemaligen KWU-Türmen Beton mittels eines scharfen Wasserstrahls entfernt werden. Auch die Ertüchtigung der Eisenträger sei sehr lärmintensiv. „Ihr Haus hat beim Bau aber auch Krach gemacht“, sagte er. Im „Oktober oder November sind wir damit aber fertig“, spätestens aber „vor Weihnachten“.

Ein Problem unter vielen: Setzrisse an den Häusern

Noch bevor Anwohner die Sprache auf die Setzrisse an deren Häusern bringen konnten, griff Gröner das Thema selbst auf: Sein Unternehmen sei keinesfalls dafür verantwortlich, zwar habe man Geothermiebohrungen („die größte Anlage in der Region“) vorgenommen, doch eher seien die trockenen Sommer oder die Beschaffenheit des Offenbacher Bodens verantwortlich.

Die Sanierung der ehemaligen KWU-Türme wird noch einige Zeit für Lärm sorgen.

Die Tiefgarage sei eigens so geplant worden, dass kein Wasser habe abgepumpt werden müssen, somit sei seine Baustelle nicht für die Setzrisse verantwortlich. Dennoch wolle er „als guter Nachbar“ den Betroffenen anbieten, dass Handwerker über ihn beauftragt werden, sodass für Maler- oder Putzarbeiten niedrigere Preisen anfielen.

Bürger fürchten, dass Stellplätze nicht ausreichen

Die geplante Tiefgarage und das Parkhaus führten jedoch zu dem, was einige Bürger umtreibt. Sie fürchten, dass die geplanten 572 Stellplätze nicht ausreichen werden und es zu weiterem Verkehrs- und Parkchaos in der Umgebung komme. Einige Besucher nahmen den Abend zum Anlass für eine hitzige Abrechnung mit der 2015 von SPD, Grünen und Freien Wählern verabschiedeten Stellplatzsatzung.

Auch der Kaiserlei-Kreisel ist eine Dauerbaustelle 

Alle Beteuerungen von Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) und Planungsamtsleiter Simon Valerius, dass die Satzung überprüft werden soll, konnte die Situation nicht beruhigen. Dass sowohl Stadt, Planungsbüro als auch Bauträger keine genauen Zahlen für den Stellplatzschlüssel für die geplanten Gewerbeflächen vorrätig hatten und sich mit Formulierungen wie „das berechnet sich nach der Fläche“ behelfen mussten, trug nicht zur Entschärfung bei. „Wir wollen Zahlen hören!“, rief ein Anwohner.

Überhaupt begegneten einige Besucher dem Großprojekt mit einer gehörigen Portion Skepsis. „So etwas wie die Hängebuche klingt erst mal alles sehr gut, aber schauen wir mal, was am Ende davon übrig bleibt“, sagt eine Besucherin beim Blick auf den ausgehängten Begrünungsplan.

Frank Sommer

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