Vermehrt geförderter Wohnungsbau

Am Kaiserlei entstehen Sozialwohnungen: „Wir denken da etwa an Pflegekräfte“

+
Zwei Bauarbeiter sind in luftiger Höhe auf einer Großbaustelle am Kaiserlei in Offenbach beschäftigt. Der geförderte Wohnungsbau hat in den vergangenen Jahren Fahrt aufgenommen.

Dem lauter werdenden Ruf nach gefördertem Wohnungsbau folgend, werden in den Gebäuden rund um die ehemaligen KWU-Hochhäuser am Kaiserlei auch Sozialwohnungen entstehen.

  • In Offenbach gibt es vermehrt geförderten Wohnungsbau
  • Auch am Kaiserlei sollen rund um die ehemaligen KWU-Hochhäuser Sozialwohnungen entstehen
  • „Wir denken da etwa an Pflegekräfte oder auch Erzieherinnen“

Offenbach – Weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit ist bislang der Umstand geblieben, dass sich die Stadt – wie bei anderen Projekten des sozialen Wohnungsbaus auch – finanziell in Form von Darlehen und Zuschüssen an den Bauherrn beteiligen muss.

Offenbach: 40 geförderte Wohnungen für mittlere Einkommen am Kaiserlei

Konkret geht es am Kaiserlei um 40 geförderte Wohneinheiten für mittlere Einkommen. Sie entstehen an der Strahlenbergerstraße in zwei Gebäuden mit insgesamt 77 Wohnungen, welche die Nassauische Heimstätte (NH), die das benachbarte Goethequartier hochgezogen hat, schlüsselfertig von der Consus RE AG (vormals CG-Gruppe) erwirbt.

Die Höchstmieten in den 40 geförderten Wohnungen werden sich laut einer Magistratsvorlage auf 8,46 Euro pro Quadratmeter belaufen. „Um die Wirtschaftlichkeit des Objekts zu gewährleisten“, wie es heißt, ist unter anderem ein Landeszuschuss von 466, 485 Euro sowie eine kommunale Förderung via Darlehen über insgesamt 240 .000 erforderlich. Die städtische Beteiligung entspricht damit der gesetzlich geregelten Mindestförderung von 6000 Euro pro Wohneinheit.

Wohnungsbau in Offenbach: Darlehen belastete städtischen Haushalt nicht

Dass die Kommunen ungeachtet ihrer Finanzlage zur Beteiligung herangezogen werden, ist nach Angaben von Baudezernent Paul-Gerhard Weiß ein übliches Verfahren. Entnommen werden die verlangten Beträge einem städtischen Topf, der aus der Fehlbelegungsabgabe gespeist wird. „Das Geld muss zweckgebunden und unter Wahrung von Fristen wieder in den geförderten Wohnungsbau gesteckt werden. Es handelt sich um einen finanziellen Kreislauf, der unseren Haushalt nicht belastet“, betont der Baudezernent.

Wie er weiter erläutert, gibt die Stadt zunächst ein Darlehen, nach Fertigstellung der jeweiligen Wohnung müssten auf Antrag auch Zuschüsse an den Bauherrn gezahlt werden. Deren Höhe sei von der Dauer der Sozialbindung abhängig.

Der geförderte Wohnungsbau hat laut Weiß in den vergangenen Jahren Fahrt aufgenommen: Waren es 2018 noch 30 Wohneinheiten für die Förderung beantragt wurde, stieg die Zahl in 2019 auf 50 und liegt in diesem Jahr bei bislang 123. Die Standorte betreffen mit unter anderem Goethequartier, Kappus-Höfe, Senefelderquartier und künftige Bebauung des Ostbahnhof-Geländes fast alle größeren Wohnbauprojekte in der Stadt.

Sozialwohnungen am Kaiserlei in Offenbach: „Wir denken da etwa an Pflegekräfte oder auch Erzieherinnen“

Aus der Fehlbelegungsabgabe wurden als kommunaler Anteil seit 2016 rund 1,418 Millionen Euro als Darlehen bewilligt. Das Land Hessen gab rund 3,7 Millionen als Zuschuss und 24,7 Millionen Euro als niedrigverzinstes Darlehen dazu.

Beim neuen Bauvorhaben der NH am Kaiserlei begrüßt Weiß, dass die Wohnungen für Mieter mit mittleren Einkommen reserviert sind. „Wir denken da etwa an Pflegekräfte oder auch Erzieherinnen – alles Leute, die wir in der Stadt halten wollen.“

Der Zuzug in Offenbach hielt 2019 weiter an, die Wohnungsmiete wurde laut dem Mietspiegel immer teurer.

In Mühlheim bei Offenbach warten Käufer derweil bereits jahrelang auf Wohnungen. Die Geschichte ist ein waschechter Bauskandal.

VON MATTHIAS DAHMER

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare