Keine Umplanungen

Mega-Projekt im Zeitverzug: Nassauische Heimstätte springt von Vitopia Campus ab

Mega-Projekt am Kaiserlei: Bis 2022 soll der Vitopia Campus mit seinen markanten ehemaligen Bürotürmen fertig sein.
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Mega-Projekt am Kaiserlei: Bis 2022 soll der Vitopia Campus mit seinen markanten ehemaligen Bürotürmen fertig sein.

Die Nassauische Heimstätte ist zwar abgesprungen, dennoch soll es beim gigantischen Wohnungsbauprojekt des Vitopia Campus keine Umplanungen geben.

Offenbach - Es gilt als das größte Wohnbauprojekt der Stadt, entsprechend aufmerksam wird der Baufortschritt beäugt: Bis 2022 soll am Kaiserlei der Vitopia Campus entstehen. Auf 36 500 Quadratmetern sind insgesamt 835 Mietwohnungen geplant. Allein in den beiden ehemaligen KWU-Hochhäusern mit ihren 19 beziehungsweise 22 Stockwerken sind mehr als 730 teilmöblierte Apartments vorgesehen. Hinzu kommen dort 7450 Quadratmeter variable Gewerbeflächen. Um die Hochhäuser herum gruppieren sich Neubauten mit sechs bis sieben Geschossen mit weiteren Mietwohnungen.

Dem Eindruck, dass es bei dem Mega-Projekt derzeit stockt, will Matteo Twerenbold entgegentreten: „Auch an uns ist die Corona-Pandemie und der dadurch bedingte Lockdown nicht spurenlos vorübergegangen“, sagt der Marketing-Chef des Bauherrn Consus Real Estate AG. Gleichwohl würden die Arbeiten nunmehr unvermindert mit guten Fortschritten vorangehen. Das sei nicht immer an Baustellen-Aktivität ablesbar, da viele wichtige Planungstätigkeiten auch jenseits der Baustelle erfolgten. „Abweichungen von dem Konzept und damit Umplanungen gibt es keine“, versichert Twerenbold, räumt aber zugleich ein, man sei „nicht ganz im Zeitplan“.

Konkreter will der Unternehmenssprecher nicht werden. Wie sehr man den ursprünglichen Plänen zeitlich hinterherhinkt, lässt sich daran ermessen, dass ein großer Deal genau aus diesem Grund geplatzt ist: So verkündet die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte Wohnstadt (NHW), dass sie „aufgrund nicht erfüllter Leistungen“ die Zusammenarbeit beende. „Leider wurde der vertraglich festgelegte Baufortschritt nicht erbracht, damit sind die Vertragsbedingungen nicht erfüllt“, erklärt der Leitende Geschäftsführer Dr. Thomas Hain. Die NHW mache daher von ihrem Rücktrittsrecht Gebrauch und steige aus dem Vertrag mit der CG Gruppe AG, einer Tochter der Berliner Consus Real Estate, aus.

Die NHW hatte Ende 2018 öffentlichkeitswirksam einen Kaufvertrag für den schlüsselfertigen Erwerb von 205 Wohnungen mit der CG Gruppe abgeschlossen. Die sechs- bis siebengeschossigen Wohngebäude sollten für die NHW als Blockrandbebauung zur Berliner Straße und zum Goethering errichtet werden, wo die NHW derzeit das Goethequartier errichtet.

Der Rückzug der mehrheitlich dem Land Hessen gehörenden Nassauischen bleibe gänzlich ohne Einfluss auf das Projekt, versichert Consus-Sprecher Twerenbold. Es werde entsprechend der Planung fertiggestellt, zumal der von der Nassauischen ursprünglich erworbene Projektanteil lediglich einen Bruchteil des Gesamtprojektes ausmache.

Im Übrigen komme der Rücktritt durchaus auch gelegen, da man im Zuge von Umstrukturierungen derzeit prüfe, relevante Projekte vermehrt im Bestand zu behalten, statt diese an Dritte zu veräußern.

Bereits Ende 2017 hatte Consus die beiden im Umbau befindlichen ehemaligen KWU-Bürotürme für rund 200 Millionen Euro an die Bayerische Versorgungskammer veräußert.

Auch bei der Nassauischen trauert man offiziell dem gekündigten Kaufvertrag nicht hinterher: „Auch wenn wir das Projekt schweren Herzens beenden müssen, investieren wir weiter am Standort Offenbach“, betont NHW-Geschäftsführer Constantin Westphal. „Wir suchen auch weiterhin nach neuen Projektstandorten in Offenbach, nicht zuletzt aufgrund der hervorragenden Zusammenarbeit mit den städtischen Ämtern dort“, fügte Dr. Thomas Hain hinzu.

Aktuell baut die NHW das Goethequartier mit 327 Wohnungen, 300 Wohnungen sollen darüber hinaus im Liebigquartier zwischen Marienstraße, Liebigstraße, Darmstädter Straße und Hohe Straße entstehen. (Matthias Dahmer)

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