„Offenbach kann Integration“

Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe unterstützt hunderte Helfer

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Sie sind die Stabsstelle Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe (von links): Praktikant Mouhssine Tkhilli, Ehrenamtsbeauftragter Reinhard Knecht, Monika Pröse, Azimet Avci, Sigrid Jacob (Freiwilligenzentrum), Integrationsbeauftragter Luigi Masala und Katja Lenz.

Offenbach - Auf sechs Köpfe ist die Stabsstelle Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe gewachsen. Zu Jahresbeginn stieß Azimet Avci auf Zehn-Wochenstunden-Basis dazu. Seit Montag arbeitet Katja Lenz als Einzige auf voller Stelle. Von Markus Terharn

Sie unterstützen damit Reinhard Knecht, Sigrid Jacob, Monika Pröse und Luigi Masala. Aktuell sind etwa 700 Interessenten bei der Stabsstelle registriert. Wie viele davon tatsächlich in der Hilfe für Asylsuchende aus der Erstaufnahmeeinrichtung im Kaiserlei aktiv sind, wie viele sich lediglich über die Möglichkeiten informieren wollen, weiß niemand. Derzeit laufen etwa 90 Projekte, weitere sind geplant. Und das war für die Stammbesetzung nicht mehr zu leisten. Aus dem Quartett ist ein Sextett geworden. Unbekannt, unerfahren sind die beiden Neuen nicht. So hat sich Azimet Avci von Anfang an als Dolmetscher für Kurdisch zur Verfügung gestellt, ehrenamtlich. Nun kümmert sich zehn Stunden die Woche, vorerst ein Jahr, beruflich um die Koordination der Projekte und Aktiven. Katja Lenz hat im September die Facebookgruppe „Offenbacher Flüchtlingshilfe“ mitbegründet, deren Administratorin sie ist.

Ebenfalls im Ehrenamt hat sie die Kleiderkammer in der Flüchtlingsunterkunft eingerichtet, als „Teacher on the Road“ Sprachunterricht gegeben, zwei syrische Familien betreut und das Willkommensfest im Hafen 2 mitorganisiert. Jetzt ist die Online- und Bildredakteurin für die Kommunikation verantwortlich, in Vollzeit für zwei Jahre. Dafür reicht der städtische Kostenbeitrag nicht aus. So geht Dank von Stadtrat Felix Schwenke an zwei Sponsoren. Für zunächst ein Jahr gewähren die in Offenbach bereits vielfältig engagierte Dr. Marschner-Stiftung und die bislang nicht in Erscheinung getretene gemeinnützige Gesellschaft aqtivator aus Bad Homburg je 30 000 Euro. Und beide Geber können sich schon vorstellen, 2017 in die Verlängerung zu gehen.

Obwohl nicht dazu verpflichtet, bringt die Stadt Eigenmittel in die Flüchtlingshilfe ein. Das geschieht zum einen über Personal: Ehrenamtsbeauftragter Reinhard Knecht leitet die Stabsstelle; Integrationsbeauftragter Luigi Masala steckt die Hälfte seiner Arbeitszeit in den Kontakt zu ausländischen Gruppen, Moscheevereinen oder Ausländerbeirat, in eine Clearingstelle und in die Entwicklung von Projekten. Und zum anderen über das Freiwilligenzentrum an der Domstraße, geleitet von Sigrid Jacob, die in Teilzeit (15 Stunden die Woche) zur Flüchtlingshilfe abgeordnet ist, hauptsächlich zwecks Qualifikation. Mit 30 Wochenstunden unterstützt sie Monika Pröse, vor allem in der Öffentlichkeitsarbeit.

Bilder: So helfen Sie Flüchtlingen in der Region

Der Etat, 43.000 Euro jährlich, wurde per Parlamentsbeschluss für 2015 und 2016 auf je 100.000 Euro angehoben. „Das ist eine freiwillige Leistung“, betont der Sozialdezernent und Kämmerer Schwenke. Zusammen mit den 60.000 Marschner- beziehungsweise aqtivator-Euro stehen dieses Jahr 160.000 Euro im Budget. Geschäftsführer Jörg Appelhans sieht die 30.000 Euro der aqtivator-Gesellschaft aus dem Umfeld der Quandt-Stiftungen gut angelegt. Da diese selbst keine Projekte mache, sei sie auf Partner angewiesen. Und er ist überzeugt: „Offenbach kann Integration!“

Was machen die Ehrenamtlichen? Sie dolmetschen, begleiten zu Behörden, tun Dienst in der Kleiderkammer oder beim Samstagstreff im Hafencafé, betreuen Sportangebote. In dem Zusammenhang ist angedacht, das Team mit Landeshilfe um einen Sportcoach zu verstärken. Und was tun die Neuen von der Stabsstelle? Wichtigste Aufgabe von Katja Lenz ist der Aufbau des Internetauftritts. Der Name „Offenbach hilft“ ist bereits reserviert. Ab April soll sich jeder informieren können – nicht nur jene 550 Bürger, die mit E-Mail-Adresse angemeldet sind und den Newsletter erhalten.

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