Keine Angst vorm Flüsterbus

Hersteller stattet E-Busse für Offenbach mit Warnsignal für Fußgänger aus

So sehen die 20 bestellten Solaris Urbino 12 aus. Anstelle der blau-weißen Lackierung darf sich der geneigte Leser jetzt nur noch das Grün der lokalen Busflotte dazu denken.
+
So sehen die 20 bestellten Solaris Urbino 12 aus. Anstelle der blau-weißen Lackierung darf sich der geneigte Leser jetzt nur noch das Grün der lokalen Busflotte dazu denken.

Viele der Busse, die künftig durch Offenbach rollen, werden leise sein. So leise, dass sie sich praktisch anschleichen. Der Hersteller der elektrisch betriebenen Flüsterbusse hat aber unliebsamen Überraschungen für nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer vorgesorgt und ein eigenes Warnsystem entwickelt.

Offenbach – Akustische Signale werden Offenbacher Passanten vermitteln, dass sich der öffentliche Personennahverkehr nähert. Das ist eines der Merkmale, die der polnische Bus-Hersteller, der von der Stadt den Zuschlag bekommen hat, bekannt gibt.

Die Zukunft ist elektrisch. Zumindest, wenn es um die lokale Busflotte geht. Trotz aller Zwischenrufe (zu teuer, alternative Antriebe wären besser) hat die Stadt mit ihren Tochtergesellschaften an der Entscheidung festgehalten. Knapp 40 Millionen Euro werden bis 2022 in die Elektromobilität gesteckt – es addieren sich Kosten für die Fahrzeuge und notwendige Infrastruktur. Abzuziehen sind staatliche Zuschüsse von etwa 14 Millionen Euro.

Die Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) haben den Auftrag über die Lieferung weiterer 29 Elektrobusse an die Solaris Deutschland GmbH vergeben; dieser Auftrag hat ein Volumen von 17 Millionen Euro, 1,5 Millionen weniger als ursprünglich eingeplant. Noch in diesem Jahr hingegen bekommt der lokale Betreiber 7 elektrisch betriebene Urbino electric, die bereits 2019 bestellt wurden. Mit dem Fahrplanwechsel 2021 werden in Offenbach also 36 Elektrobusse fahren

Der polnische Hersteller freut sich über das Geschäft: „Das ist der zweitgrößte Auftrag aus Deutschland.“ Petros Spinaris, der stellvertretende Vorstandschef der Firma Solaris, schwärmt: „Es ist großartig, Teil eines Wandels zu sein, der für die Stadt und ihre Bewohner so signifikant ist. Offenbach steuert sehr schnell auf einen ganz emissionsfreien öffentlichen Personennahverkehr zu. Solaris möchte diese Umstellung unterstützen.“

Der deutsche Markt für elektrisch betriebene Busse entwickele sich dynamisch, und die Batteriebusse Urbino seien auf den Straßen in Deutschland bereits seit 2013 zu sehen, heißt es bei Solaris. Bis dato lieferten die Polen beziehungsweise bekamen Aufträge für mehr als 230 elektrisch betriebene Busse von Kunden aus Deutschland. Die OVB haben mit ihrer jüngsten Order 20 Solobusse Solaris Urbino 12 und neun Gelenkbusse Urbino 18 bestellt. Sie werden bis Oktober 2021 ausgeliefert.

Der Urbino 12 verfügt über 33 Sitzplätze, wovon 12 stufenlos erreichbar sind. Dies soll die Fahrt für Personen mit eingeschränkter Mobilität erleichtern. Der Urbino 18 bietet entsprechend 45 und 20 Sitzplätze. Für noch mehr Komfort bietet der Betreiber seinen Fahrgästen 14 (Urbino 12) und 18 (Urbino 18) USB-Doppel-Ladebuchsen für die Aufladung mobiler Geräte, eine zusätzliche Buchse steht dem Fahrer zur Verfügung.

Laut Hersteller haben sich die Offenbacher für Batterien der neusten Generation entschieden – Solaris High Energy+, mit einer Kapazität von 316 kWh bei 12 Meter langen Solobussen und von 474 kWh bei 18 Meter langen Gelenkbussen. Die gespeicherte Energie wird zwei radnahe E-Motoren mit einer Leistung von je 125 kW antreiben. Die Batterien werden mittels Pantograf auf dem Dach (Schnellladung tagsüber) und nachts im Betriebshof geladen.

Für den „Wärmekomfort“ wird eine „effiziente und umweltfreundliche Klimaanlage mit Wärmepumpe“ sorgen, die für die Erreichung der entsprechenden Temperatur im Fahrzeuginnenraum die Wärme von außen nutzt.

Bei der Bestellung setze man auf moderne Assistenzsysteme. Eins davon lässt den Fahrer mehr sehen, dank Kameras, die außen am Bus platziert sind. Sie erkennen Fußgänger und Radfahrer im toten Winkel, was beim Abbiegen besonders wichtig ist. Zur Erinnerung: Für Lang-Lkw ist die Ausstattung mit einem Abbiege-Assistenten seit diesem Jahr Pflicht. Und dann gibt es noch das erwähnte System für die Fußgänger-Warnung. (mk)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare