Viele Emotionen: Man dreht sich im Kreis

Keine neuen Argumente zum Marktplatz-Umbau

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Als „unbrauchbar“ und „schädlich für Offenbach“ bewertet die CDU-Fraktion die vom Magistrat vorgestellte Verkehrsführung im Zuge des geplanten Marktplatz-Umbaus. Nicht allein die Unions-Politiker kritisieren, dass die Abbiegemöglichkeit von der Wald- in die Bieberer Straße gekappt werden soll.

Offenbach - Ein Konsens ist nicht absehbar: Der geplante Marktplatz-Umbau bringt Koalition und Opposition geradezu in Rage. Von Martin Kuhn 

Wer die Ausschuss- Sitzung, die ja Entscheidungen im Stadtparlament fachlich vorbereiten soll, am Donnerstag als Maßstab nimmt, ahnt, dass am 18. Juni die Abteilungen „Attacke“ das Wort haben. Für den Oberbürgermeister bildet die avisierte Neugestaltung des Marktplatzes quasi den Schlussstein einer 20-jährigen Entwicklung, die 1993 mit dem Umbau der nördlichen Herrnstraße startete. Horst Schneider erinnert daran, dass schon zwei Jahre verloren sind. „Aber aus jeder Krise wächst eine Chance“, findet er und betont, dass man Kritikpunkte, seinerzeit geäußert, in die überarbeitete Planung einbezogen habe. Er verknüpft es mit einer Mahnung: „Wenn wir das nicht beschließen, dann fallen wir aus der Landesförderung raus.“

Die Umplanung fußt auf zwei Überlegungen: Es wird mit 3,7 Millionen Euro weniger Geld ausgegeben, da unter anderem Bushaltestellen nicht verlegt werden. Parallel gibt es eine Verbesserung für Radfahrer, die den Marktplatz künftig in beide Richtungen nutzen dürfen. Dabei gibt es auch Verlierer: Für Autos bleibt aus südlicher Richtung die Abbiegemöglichkeit von der Wald- in die Bieberer Straße verwehrt.

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Das erzeugt Widerspruch. Der CDU-Stadtverordnete Roland Walter fragt den Verwaltungschef: „Mit welchen betroffenen Gruppen haben Sie bereits gesprochen?“ Die für ihn unbefriedigende Antwort lässt ihn aufbrausen: „Das ist doch kein geordnetes Verfahren der Einbindung...“ Zudem legt Oliver Stirböck für die Liberalen nach: „Glaubt man ernsthaft, ob die hochgesteckten Ziele zu erreichen sind?“ Die sind laut Planungsamtschef Markus Eichberger unter anderem eine bessere „Verknüpfung von Wilhelmsplatz sowie Bieberer Straße mit der Fußgängerzone als Qualitätsmerkmal für eine funktionierende Innenstadt“. Letztlich zerreibt man sich an Details, etwa als Marktbeschickerin Petra Heckelmann wissen will: „Wie erreicht man vom Süden die Westseite (am Streichholzkarlche, Anm. der Red); wie biegen wir an der Ostseite problemlos mit unseren Lastwagen aus?“ Alles Einwendungen, die für Eichberger nach Beschuss in der „vertiefenden Untersuchung“ zu klären sind. Erste Überlegungen zeigt Sozialdemokrat Bruno Persichilli für die Koalition auf: „Wir formulieren bis Donnerstag einen Änderungsantrag, der die Ideen der Schreinerei Kanz aufgreift. Zudem wollen wir geprüft wissen, ob eine Zufahrt auf den Wilhelmsplatz über die Bleichstraße denkbar ist“.

Parkhaustest in Offenbach

Ein Anlieger, der lange ausharrt, gibt den Volksvertretern Recht: „Selbst bei einer Verkehrsberuhigung braucht es einen Verkehrsfluss. Und keinen Stau.“ Er würde es bedauern, „wenn am Ende alles zerredet wird“. Da hat ein anderer bereits aufgegeben.  Eric Münch, Wirt des Markthäuschens, verlässt nach gut zweieinhalb Stunden die Sitzung – ohne dass er zu Wort gekommen ist. Schließlich warten am Wilhelmsplatz Gäste auf ihn. Wäre interessant, was er von dem Abend zu berichten wusste...

Die nächsten Schritte

  • Vorbereitung und Ausrichtung eines Realisierungswettbewerbs (Juli bis Dezember 2015) auf der Basis der Bürgerbeteiligung 2012.
  • Vertiefende Untersuchung zur Verkehrsführung Individualverkehr und OPNV; Abwägung nach den Kriterien Anbindungen relevanter Straßenabschnitte, Straßenraumgestaltung, Zielkonzept Wilhelmsplatz, Kompatibilität Parkleitsystem, Verkehrsmengen, Leistungsfähigkeit, Flexibilität des ÖPNV-Konzepts, Untersuchung weiterer Haltestellenplätze.
  • 2016 Ausarbeitung der Entwurfsplanung und Beschlussfassung.
  • 2017 Ausführungsplanung, Ausschreibung und Vergabe der Bauleistungen.
  • Anfang 2018 Baubeginn, vorlaufende Leitungsbauarbeiten ab Frühjahr 2017.
  • Fertigstellung Ende 2019.

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