Über 400 Teilnehmer

Ketteler-Lauf mit olympischem Geist

+
Bahn frei! Wer mitläuft, tut nicht nur seiner Gesundheit etwas Gutes, er hilft auch dem Ketteler-Krankenhaus bei der Versorgung der Krebspatienten.

Offenbach - Aaron Bienenfeld läuft sich auf der Oberen Grenzstraße mit einem Tempo warm, das viele Sportler schon vor dem Start in Atemnot brächte. Vor einem Jahr gewann der heute 15-Jährige den Ketteler-Lauf mit großem Vorsprung. Von Stefan Mangold

Am Samstag ist sich der Leibnizschüler trotzdem sicher: „Heute gewinne ich nicht.“

An der Strecke steht Peter Schneider. Nein, mitlaufen sei nicht sein Ding, sagt der Bürgermeister, auch wenn er schon mal an einem Beamtenlauf teilgenommen habe. „Eher Schwimmen, und natürlich Fußball.“ Schließlich habe er fünf Jahre die Jugend der SKG Rumpenheim trainiert. Der Sport- und Gesundheitsdezernent greift sodann zur Pistole und gibt den Startschuss für die fünf Kilometer lange Strecke.

Wie jedes Jahr liegt das Ziel für die 426 Jogger und Walker am Eingang des Ketteler-Krankenhauses. Kurz vor Beginn tragen sich bei Organisatorin Angelika Heckenthaler, die im Alltag den Pflegedienst der Klinik leitet, noch 120 Läufer in die Listen ein, obwohl es nach Regen aussieht.

"Lauf dem Krebs davon"

Auch diesmal lautet das Motto „Lauf dem Krebs davon“. Was nicht nur metaphorisch gemeint sei, erklärt Dr. Stephan Sahm, Chefarzt am Ketteler-Krankenhaus. Ausdauersport fördere zum einen den Genesungsprozess. Wer ansonsten regelmäßig Sport treibe, senke das Risiko, an Krebs zu erkranken, erheblich, „bei Brustkrebs um bis zu vierzig Prozent“. Sonst laufe er stets mit, betont der Mediziner. Nur habe er sich dieses Jahr beim Training leicht gezerrt: „Ich bräuchte einen guten Arzt“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Für Sahm springen andere Mitarbeiter des Krankenhauses ein – etwa Kurt Lind. Der Achtzigjährige spielt während Gottesdiensten in der Krankenhauskapelle die Orgel. Als Marathonläufer ist die Streckenlänge keine echte Herausforderung für ihn. Auch nicht für den Wetzlarer Michael Welsch. Der trainiert regelmäßig und kommt nach 24:14 Minuten an. Keine üble Zeit, „und das, obwohl ich jede Woche einen epileptischen Anfall habe“. Beim Laufen bleibt er verschont.

Markus Heidl gewinnt mit 16:42 Minuten

Als schnellste Frau überquert Julia Ertmer in 19:04 Minuten die Linie. Die Viernheimer Lehrerin gewann schon im Oktober den Mainuferlauf über zehn Kilometer. Ertmer stand mit ihrem Freund Jürgen Metzler am Start. Der wird in einer Zeit von 18:15 Minuten bei den Männern Dritter. Wobei er nicht alles gegeben haben dürfte. Am Tag darauf steht für ihn der nächste Wettkampf an, der Kinzigtal-Triathlon in Gelnhausen. Auch wenn der Pädagoge von der Schillerschule Vollgas gegeben hätte, Markus Heidl mit seiner Zeit von 16:42 hätte er wohl nicht vom Siegesthron verdrängt. Dessen Freundin Svenja Höfer kommt bei den Frauen mit 22:25 als Dritte ins Ziel.

Der Darmstädter Student, ausgestattet mit einer typischen Läuferfigur, nahm in Offenbach teil, „damit mich meine Oma mal laufen sieht“. Marianne Gerlach wohnt nämlich ums Eck und freut sich über den Sieg des Enkels. Und wo ist Bienenfeld? Der kommt mit 17:01 Minuten über eine dreiviertel Minute früher ins Ziel als letztes Jahr und behält dennoch mit seiner Prognose recht, diesmal nicht zu gewinnen. Was den Zweitplatzierten keineswegs grämt: „Mir macht das Laufen Spaß. Egal, wo ich lande.“

Bilder des Ketteler-Laufs 2012

Ketteler-Lauf für die Gesundheit

Kommentare