Für Kanalbauer Herausforderung

Lange Bauzeit in der Kettelerstraße erregt Unmut

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Weil in der Kettelerstraße zwei Kanäle gebaut werden, wird dabei auch mehr Verkehrsraum in Anspruch genommen. Wegen der Verkehrssicherungspflicht kann der Kraftfahrzeugverkehr nicht daran vorbeigeleitet werden: Die Kanalrohre müssen nicht nur nahe der Baustelle gelagert, sondern auch mit Baumaschinen geschwenkt werden. Weil sie dann in den Straßenraum hineinreichen würden, wäre dies zu gefährlich.

Offenbach - Zwei Jahre lang eine Umleitung fahren. Manche Bürgeler und Rumpenheimer haben geschluckt, als sie hörten, wie lange die Kettelerstraße für den Kanalbau gesperrt bleibt. „Das klingt alles etwas merkwürdig“, formuliert es ein Leser nach einem ersten Bericht. Von Martin Kuhn  

Der Stadtkonzern rechtfertigt nun erneut die lange Zeitspanne. Zur Ausgangslage: Im Auftrag des Stadtservices werden auf der Kettelerstraße zwischen Aldi und dem früheren Allessa-Gelände die Start- und Zielbaugrube für einen großen Bohrer eingerichtet. Dieser presst unterirdisch in drei, beziehungsweise sieben Metern Tiefe auf 700 Metern Länge Schächte für zwei Kanalrohre.
Unser Leser Markus Mullner lenkt den Blick auf den Tunnelbau, der dort angewendet wird: „Die geschlossene Bauweise bietet sich an, wenn man unterhalb einer guten Fahrbahn etwas verlegen möchte, um diese nicht neu herstellen zu müssen oder wenn man den Verkehrsfluss weitestgehend erhalten will. Beides ist bei der Kettelerstraße nicht der Fall.“ Und Mullner setzt noch einen drauf: „Die Straße ist in einem solch desaströsen Zustand, dass ich es als hochgradig fahrlässig einstufe, dass man hier auf eine Sanierung der Fahrbahn verzichtet.“

Ganz ähnlich empfindet es Jürgen Christoffer: „Die Argumente der Verantwortlichen können mich nicht davon überzeugen, dass die Sperrung zwei Jahre dauern muss. Es sei denn, man hat von vornherein lange Perioden der Nichttätigkeit eingeplant.“ Als der Bürgeler am Mittwoch mit dem Fahrrad die eingerichtete Baustelle passiert, sieht er „keinen Bauarbeiter weit und breit“. Er empfindet diese Form einer „ruhenden Baustelle“ als völlig unbefriedigend. „Warum tut sich dort nichts?“, fragt Christoffer und befürchtet, dass ihn die Antwort der Bauverantwortlichen wieder nicht überzeugen werde.

Der Herausforderung stellt sich Stadtwerke-Sprecherin Sigrid Aldehoff, die zunächst die positiven Fakten aufzählt: „Radfahrer und Fußgänger können die Baustelle passieren. Aldi ist nach wie vor über die Mühlheimer Straße erreichbar, auch die Firma Schramm und das Allessa-Gelände können weiter angefahren werden.“ Mittlerweile sei die Ampelschaltung im Karl-Herdt-Weg so angepasst, dass alle wartenden Fahrzeuge während einer Grünphase durchkommen. Meistens.

Da viele Autofahrer auf der Mühlheimer Straße beim Linksabbiegen in die Kettelerstraße das Sackgassen-Schild missachten, ist es in den ersten Tagen noch zu Problemen vor der Baustelle gekommen, „die inzwischen aber deutlich weniger geworden sind“.

Und wie sieht’s mit der Kritik an der Methode aus? „Die unterirdischen Bauarbeiten sind leiser und verursachen weniger Dreck, vor allem können aber auch Fußgänger und Radfahrer die Baustelle passieren“, heißt es aus der Stadtservice-Zentrale. Dies wäre bei einer offenen Bauweise nicht möglich, die Straße müsste für den gesamten Verkehr komplett gesperrt werden.

Zudem spreche ein „dichtes Netz von Versorgungsleitungen“ für einen Tunnelbau unter diesem Gewirr. Ein Phänomen, das an vielen Baustellen zum Problem wird. Und das nicht nur in Offenbach, da es zwar eine entsprechende Norm durch das Deutsche Institut für Normung (DIN) gibt, aber im speziellen Fall zu beachten ist: „Die Art, Anzahl und Verteilung der Leitungen, die sich in einem Straßenquerschnitt befinden, sind in erster Linie von ortsspezifischen Gegebenheiten, wie Straßenbreite, Entwässerungsverfahren, Anlieger und Bebauung abhängig“, ist dazu festgelegt.

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Im Fall der Kettelerstraße haben es die Fachleute mal geschätzt: Entweder müssten die Versorgungsleitungen einzeln verlegt oder alle neuen Kanalrohre „durch das Gewirr hindurchgefädelt werden“. Allein die kreuzenden Leitungen bedeuten erhebliche Arbeit: Neben einer Gasleitung, deren Verlegung kompliziert genug ist, liegen dort ein Glasfaserkabel, eine Starkstrom- und eine Wasserleitung im Weg. Die werden ausgegraben, abgeklemmt und neu verlegt, damit Platz für die beiden neuen Kanalrohre ist.

Der Einsatz von Baggern wäre über weite Strecken des 700 Meter langen Abschnitts nicht möglich, die Erde müsste von Hand herausgeschaufelt werden. Daher werden die Kanäle unterirdisch unter diesen Trassen und auch dem Kuhmühlgraben gepresst – drei und sieben Meter tief. Das bedeutet aber, dass in Grundwassertiefe gebaut wird. „Auch das verlängert die Bauzeit, zusätzlich sind dabei Auflagen des Regierungspräsidiums zu erfüllen“, ergänzt Aldehoff.

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